Margarete Runtinger
deutsche Kauffrau
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Margarete Runtinger (vor 1377–1410 in Regensburg) war eine deutsche Kauffrau.
Leben
Margarete Runtinger stammte aus der vermögenden Regensburger Familie Gravenreuther und heiratete den Fernhandelskaufmann Matthäus Runtinger. Sie war seine zweite Frau, nachdem Agnes Pütreich 1377 gestorben war. Aus erster Ehe hatte ihr Mann eine Tochter, Klara. Margarete bekam zwei Töchter, Margarete und Barbara, die später zwei Vettern, Erhard und Wenzel, aus dem Regensburger Kaufmannsgeschlecht der Lech heirateten. Das Paar hatte auch einen Sohn, dieser starb jedoch kurz nach der Geburt.[1] Margarete Runtinger brachte in die Ehe ein großes Vermögen ein, zudem verfügte sie durch ihre Familie über gute Verbindungen. Matthäus Runtinger baute den Fernhandel mit Tuchen und Gewürzen aus. Unterstützt wurde er durch seine Frau, die nicht nur lesen und schreiben konnte, sondern auch schnell lernte und eine gute Auffassungsgabe hatte. Runtinger unterwies sie in den Grundzügen der Buchführung, und Margarete Runtinger unterstützte ihren Mann bei der Arbeit.[2]

Ab 1383 liegen Aufzeichnungen über die Handelsgeschäfte vor, und die Unternehmung stand zu der Zeit in ihrer Blüte. Die Aufzeichnungen im Handlungsbuch, dem sogenannten „Runtinger-Buch“ zeigen ab 1383 vereinzelt die Handschrift von Margarete Runtinger, später finden sich vermehrt Einträge von ihrer Hand.[2] Mit seinem Vater Wilhelm Runtinger versteuerte Runtinger ein Vermögen von 7.200 fl. und stand damit an vierter Stelle der Regensburger Steuerzahler. Das Handelsgeschäft hatte zu der Zeit Handelsbeziehungen mit Venedig, Prag, Brabant und Wien. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Matthäus Runtinger das Handelshaus und das Vermögen der Familie, zu dem auch das von seinem Vater beträchtlich vergrößerte Runtingerhaus gehörte. Es soll sich im Jahr 1390 dabei um 15.000 Gulden gehandelt haben. Versteuert wurden davon nur 9.765 Gulden. Das Handelshaus Runtinger gehörte somit zu diesem Zeitpunkt zu den mittelgroßen Handelshäusern von Regensburg.[1]
Die Aufgabe des Münzmeisters übernahm Matthäus Runtinger 1392 und behielt sie bis 1404, auch war er bis zu seinem Tod Baumeister der Stadt Regensburg. Mit ihm starb die männliche Linie der Familie aus. Matthäus Runtinger wurde im Handelsgeschäft durch einen Angestellten vertreten, aber Margarete Runtinger übernahm zunehmend die Aufgabe, ihn zu vertreten. Als ihr Mann in seinen letzten Jahren häufiger erkrankte, führte sie die Geschäfte und die Bücher alleine. Margarete Runtinger regelte nach dem Tod von Matthäus Runtinger den Nachlass, sie vermachte beträchtliche Summen verschiedenen Kirchen und Klöstern und gab den Armen Geld und viele der Kleidungsstücke.[1]
Margarete Runtinger starb 1410 in Regensburg.[2]
Das Handlungsbuch der Runtingers wurde 1893 im Stadtarchiv von Regensburg gefunden. In diesem Buch sind Eintragungen über Lohnzahlungen, die An- und Verkäufe, die Kundenkonten, über Gesellschafteranteile, Geschäfte des Stammhauses und der Filialen, Familienangelegenheiten, aber auch Notizen zu den städtischen Ämtern der Familienoberhäupter oder zu Handelsrouten und Zöllen und einigem mehr aus dem Zeitraum 1383–1407 zu finden. Dabei sind fast die Hälfte der Eintragungen Abrechnungen, Umrechnungen und Aufstellungen, die zum Amt von Matthäus Runtinger als Münzer und Geldwechsler in Regensburg gehören. Heute dient das Buch als Quelle für die wirtschaftsgeschichtliche Forschung.[1]