Margrit Baumann
Schweizer Fotografin
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Margrit Baumann-Bäumlin (* 24. Januar 1929 in Baar) ist eine Schweizer Fotografin.[1]
Werdegang
Margrit Baumann, damals noch Margrit Bäumlin, schloss 1948 ihre Fotografenlehre bei Josef Räber in Zug und Stöckli in Winterthur ab. Sie besuchte auch die Fotoklasse bei Hans Finsler an der Kunstgewerbeschule Zürich.[2]
Werk
Nach Abschluss der Ausbildung arbeitete Bäumlin 1948–1953 in Zürich und Bern bei der unabhängigen Pressebildagentur Illustrations- und Photopress AG (deren Archiv war seit 1981 im Besitz von Keystone; heute Keystone-SDA).[3][4] Sie war eine der ersten Frauen in der Branche. 1951 bekam sie ihren ersten Auslandauftrag: eine Reportage über Donauschwaben, deutschstämmige Südosteuropäer, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden und via Genua nach Brasilien auswanderten.[5]
Nach ihrer Kündigung 1953 realisierte sie Reportagen als freie Fotografin. Sie interessierte sich für das Leben an den Rändern der Schweizer Gesellschaft: Bergbauern, das Kinderdorf Pestalozzi, ein Berner Frauenheim und die Anstalt Hindelbank. Ihre Bilder wurden in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt. Würfelnatter schnappt Forelle (1952)[6] wurde 1954 im Life-Magazin zum Bild des Monats erkürt.[7]
Ab 1953 arbeitete sie mit Ernst Baumann (1928–2018) zusammen. Zwei Jahre später heiratete sie ihn und nahm seinen Namen an. Sie wohnten in Liebefeld. Gemeinsam realisierten sie Reportagen in Italien, Jugoslawien, Griechenland, Türkei und Syrien. Mit einem zum Arbeits- und Wohnmobil umgebauten VW-Bus bereisten sie von 1957 bis 1959 Lateinamerika entlang der Panamericana. Unterwegs fotografierten und schrieben sie 200 Reportagen – zwei Reportagen pro Woche. Diese erschienen unter anderem in der Sie und Er, im Stern, in der NZZ, im Gelben Heft oder im Magazin Wir Brückenbauer.
«[…] Margrit Baumann spricht von der ‹Neugier auf die Welt und den Menschen›. Kulturelle Unterschiede? Die Wirklichkeit, wie sie die Baumanns erfuhren, war transparent: Ihre Texte sind von keinem Verdacht getrübt, dass das Fremde so fremd sein könnte, dass es ein Europäer gar nicht versteht.»
Ihre Bilder zeugen von klarer Beobachtung und respektvoller Distanz, geprägt durch die Finsler-Schule. Die Baumgartners wollten eine vorgefundene Realität erfassen, keinen subjektiven Blick darauf zeigen.
Als wegen des Aufkommens des Fernsehens Auslandsreportagen immer weniger gefragt waren, waren Margrit und Ernst Baumann ab 1960 wieder in der Schweiz tätig. Margrit Baumanns Porträt von Meret Oppenheim im Atelier, wenige Jahre vor deren Tode aufgenommen, ist im Bestand der Bernischen Stiftung für Fotografie, Film und Video (Kunstmuseum Bern).[8] Ab 1983 arbeitete sie mit den Journalistinnen Maja Spiess und Marie-Louise Zimmermann zusammen. Im selben Jahr wurde sie Mitglied des Schweizerischen Berufsfotografen Verbands (SBf).
Der fotografische Nachlass von Ernst und Margrit Baumann befindet sich im Staatsarchiv des Kantons Bern.[9]
Auszeichnungen
1960: Eidgenössisches Stipendium für angewandte Kunst[10]
Ausstellungen
- 2000: Photoforum PasquArt, Biel, Margrit und Ernst Baumann[11]
- 2010: Kornhausforum, Bern
- 2023: Photoforum PasquArt, Biel, Back Up The Future – Fotografien aus der Kunstsammlung der Stadt Biel[12][13]
Filme
- 1959: Margrit Baumann, Ernst Baumann, Panamericana[14]
- 2001: S. Bergmann, V. Minder, Kisten, Schachteln & Panamericana. Margrit Baumann – Fotoreporterin.
Publikationen
- Nadine Olonetzky, Wilfried Meichtry (Hrsg.): Margrit & Ernst Baumann. Die Welt sehen. Fotoreportagen 1945–2000. Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich 2010, ISBN 978-3-85881-302-2.