Maria Federer
österreichische Bildhauerin
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Maria Federer (geb. Maria Anna Wamprechtsamer; * 31. März 1907 in Wien; † 17. Juni 1984 ebenda) war eine österreichische Bildhauerin des 20. Jahrhunderts. In ihren vielfältigen Werken setzte sie sich mit Themen der Natur, des Dynamischen und des Lebens auseinander. Sie war bekannt für ihre Groß- und Kleinplastiken ("Der erste Schritt", Artothek des Bundes 1963[1]), Metallflussbilder[2] und abstrakten Kompositionen, die Elemente der Skulptur und Malerei verbanden.

Leben
Maria Federer absolvierte zunächst eine Schauspielausbildung bei Wilhelm Klitsch[3] an der Universität für Musik und darstellenden Kunst Wien (damals Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst) mit Abschluss. Sie spielte an der Volksoper[4] ebenso direkt für die obgenannte Akademie[5] und später unter anderem im Akademietheater.
Berufsbegleitend studierte sie als eine der sehr wenigen Frauen auch an der Akademie der bildenden Künste Wien (damals Staatsakademie für bildende Kunst).
Maria Federer lebte und arbeitete in Wien, war verheiratet und hatte zwei Töchter. Sie war ein aktives Mitglied der Wiener Kunstszene der Nachkriegszeit. Sie erhielt 1957 den Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst. Ihre Werke befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter das Bundesministerium für Unterricht, das Amt der NÖ Landesregierung, die Universität Bochum, die Stadt Sindelfingen und das Linzer Landesmuseum.
Werk
Maria Federers Œuvre umfasst eine breite Palette an Medien und Techniken, darunter Großplastiken, Plastiken, Metallflussbilder, Hinterglasbilder, Ölkreidezeichnungen, Zeichnungen und Porträts (Österreichischer Alt-Bundespräsident Rudolf Kirchschläger).

Eine Hommage an die darstellenden Künste stellte auch ihre Porträt von Ewald Balser dar. Mit der Aufführung von Grillparzers Drama "König Ottokars Glück und Ende" (mit Attila Hörbiger und Ewald Balser in den Hauptrollen) wurde heute (Anm.: Am 15.10.1955) das Burgtheater wieder eröffnet. Der Vorstellung ging ein feierlicher Staatsakt voraus.[6]

Sie experimentierte mit dem Material Metall, um abstrakte Themen wie Bewegung und Flüssigkeit zu erforschen, was sie zu einer Vertreterin der österreichischen Nachkriegsabstraktion machte.
Ihre Metallflusskompositionen sind ihre ganz persönliche Erfindung und wurden zuerst im kleineren Format ausgeführt, später dann im Großformat. Ihre Hinterglasbilder zeichnen sich durch eine dynamische, nass-in-nass Technik aus, die an natürliche Prozesse wie das Wachsen von Eisblumen oder Mikroben erinnert. Maria Federer betonte, dass sie das Dynamische in der Materie sichtbar machen wollte, ohne beim optischen Eindruck stehenzubleiben.
Öffentliche Werke (Auswahl)
- 1955: „Familie“ – Hauszeichen – Wiener Neustadt, Wohlfahrtsgasse 9
- 1961: „Altes Paar“ – Gutenstein – Großplastik (zerstört; Entwurf vorhanden)
- 1963: „Familie“ (3-teiliges Relief) – Hauszeichen -Wiener Neustadt
- 1964: „Kindergruppe“ – Gloggnitz, Kindergarten
- 1968: „Mutter und Kinder“ (4 Medaillons) – Hauszeichen – Wiener Neustadt, Pöckgasse 20
- 1970: „Kosmischer Christophorus“ (Steinschnitt) – Hauszeichen – 1020 Wien, Treustraße 63
- 1956: „Hl. Bernhard von Clairvaux“, Großplastik, Wiener Neustadt, Neuklosterplatz
- „Mutter und Kind-Gruppe“ – Wiener Neustadt, Schneebergstraße 71
- „Kasperl und Märchen-Relief“ – Vösendorf, Kindergarten (Gebäude wurde demoliert; Entwurf vorhanden)
Ausstellungen
Ausgewählte Ausstellungen
- 1963: Vereinigung bildender Künstlerinnen, Künstlerhaus, Wien
- 1964: Vereinigung bildender Künstlerinnen, Künstlerhaus, Wien
- 1971: Neue Gruppe Sindelfingen, Stadt Sindelfingen, Deutschland
- 1971: Salon International Paris Sud à Juvisy (Bronzemedaille), Paris, Frankreich
- 1972: Bad Vilbel Galerie Amtsgericht, Deutschland
- 1973: Forum Bild. Künstler, Essen, Deutschland
- 1974: „Gedock“ Frankfurt, Deutschland
- 1975: Österreichische Künstlerinnen der Gegenwart, Weltmuseum Wien (Burggarten), Wien
- 1977: Garuda Festival, Kunsthalle Darmstadt, Deutschland
- 1978: Internationaler Künstlerclub, Palais Palffy, Wien Ihre Werke wurden in Österreich, Deutschland und Frankreich gezeigt und erhielten internationale Anerkennung, darunter eine Bronzemedaille in Paris.
Rezeption und Kritiken
Kritiker lobten Maria Federers Fähigkeit, Materialien wie Metall durch Verwitterung und Oxidation zu transformieren und damit Themen des Werdens und Vergehens darzustellen.
Jörg Lampe im „Tatkreis Kunst der Ruhr“: (Ausstellung in Essen 1973) „...Die eigenartigen Metallarbeiten und besonders die ‚Metallflusskompositionen‘ lassen auf den ersten Blick erkennen, dass hier erstens der konventionelle Rahmen metallischer Bildgestaltung verlassen und dass zweitens in jedem einzelnen Werk ein lebendiger Prozeß zu seinem besonderen, weil der Materie und ihrer Bearbeitung angemessenen Ausdruck vorangetrieben und so auch wirklich gebildet wurde, Selbst die unscheinbarsten Arbeiten, wie die drei kleinen Hinterglasbilder ‚Muschelrelikte‘, besonders ‚Wie unter dem Mikroskop‘ und ‚Unter Wasser‘, atmen Gestalt gewordenes Leben. Was entscheidend ist, Frau Federer entlockt dem Metall keineswegs die vordergründigen Reize des Glänzens, die sich immer und gerne ‚kostbar‘ machen, sondern es ist bei ihr stets die Verwitterung, die Oxydierung und fast eine Art Verbrennung, die ihre eigenartigen Strukturen, Verläufe und Oberflächenwerte zu gleichnishafter Geltung bringen. Aus den Arbeiten dieser Künstlerin, die durchaus schon auf Grund ihrer Eigenartigkeit auch ihre dekorativen Reize haben, spricht ein dem Wesen in aller Materie und Natur gemäßes und dem Vergehen fast noch mehr als dem Werden zugetanes Gestaltungsbedürfnis, das sich gültige Zeichen zu setzen weiß.“
Franz Tassié: „...Geschmolzenes und wieder erstarrtes Metall als künstlerisches Ausdrucksmittel, zur persönlichen, unverwechselbaren Handschrift entwickelt. Geistig verbunden den naturwissenschaftlichen Hauptinteressen unserer Zeit, gestalterisch aus dem Material dessen dynamische Ausdruckskraft holend, als Thema das Gestirn wiederkehrend. Mit dem Geschehen des Metallflusses werden ausdrucksstarke Bildkompositionen gestaltet, die faszinierende Farbschönheit wird bewusst eingesetzt. Es sind lyrisch zarte und dramatisch kraftvolle Arbeiten. Es werden der Natur ihre Muster entrissen und einer Bildordnung unterworfen, das wirkende, das dynamisch drängende des Naturgeschehens zum Erlebnis bringend.“
Literatur
- Kultur im Zeitgeschehen, Jänner 1969: Künstlerportrait Maria Federer.
Weblinks
- Maria Federer auf basis wien.