Maria Guleke

Übersetzerin des ersten lettischen Romans From Wikipedia, the free encyclopedia

Maria Juliana Anna Guleke (* 1. Märzjul. / 13. März 1816greg. in Salisburg, Gouvernement Livland; † 15. Apriljul. / 27. April 1892greg. in Riga) war eine deutsch-baltische Pastorentochter und Übersetzerin des ersten lettischen Romans. Sie wird gelegentlich falsch zitiert als M. Gulecke.

Leben

Maria Guleke war die Tochter des Pastors Friedrich Ernst Guleke und seiner Ehefrau Anna Catharina, geb. v. Riemann.[1] Sie wuchs auf in der Kleinstadt Salisburg am Ufer der Salis (lett. Salaca).

In späteren Jahren lebte sie im Pastorat Alt-Pebalg (lett. Vecpiebalga) bei ihrem Vetter, dem Pastor Rudolf Karl Eduard Guleke (1831–1901). Dort hatte sie Kontakt zu den Literaten und Künstlern der Hügellandschaft um Pebalg, insbesondere den Brüdern Reinis Kaudzīte (1839–1920) und Matīss Kaudzīte (1848–1926).[2][3] Diese hatten den ersten Roman in lettischer Sprache geschrieben: Mērnieku laiki (1879, Landvermesserzeiten). Maria Guleke übersetzte diesen Roman ins Deutsche und veröffentlichte ihn in gekürzter Fassung in der Tageszeitung Rigaer Tageblatt im Jahr 1883 (Nr. 26–61). Als Übersetzer wurden lediglich die Initialen 'M. G.' angegeben. Der damalige deutsche Titel war Die Revisorenzeit. Ein Roman von lettischen Autoren war zu dieser Zeit so ungewöhnlich, dass die Redaktion der deutschen Zeitung Bedenken hegte wegen der Fähigkeit lettischer Autoren, einen Roman nach deutschen Maßstäben zu verfassen. Deshalb wurde der letzten Folge ein Nachwort beigefügt, das die städtischen Leser mit dem bäuerlich-ländlichen Milieu und dem aufkommenden lettischen Nationalgefühl vertraut machen sollte.[4]

Maria Guleke blieb unverheiratet und starb im Jahr 1892 in Riga. Sie wurde auf dem Jacobi-Friedhof (Jēkaba kapi) begraben.[5]

Schicksal des Romans

Die lettische Ausgabe des Romans erlebte viele Auflagen, wurde verfilmt und für die Bühne adaptiert. Übersetzungen ins Russische, Litauische und Estnische verbreiterten die Rezeption. Maria Gulekes Arbeit blieb bis ins 21. Jahrhundert die einzige für deutsche Leser verfügbare Ausgabe. Eine neue deutsche und vollständige Übersetzung erschien 2012 unter dem Titel Landvermesserzeiten.

Quellen

  • Viljars Tooms: Vidusvidzemnieku biogrāfiskā vārdnīca. Verlag Kultūras biedrība Harmonija, Cēsis 2003. (Im Eintrag Johann Heinrich Guleke wird korrekt auf die Schwester M. Guleke als Übersetzerin hingewiesen. Fälschlich wird aber Rudolf Karl Eduard Guleke als Bruder erwähnt. In Wahrheit ist er ein Vetter, was aus dem Kirchenbuch von Salisburg hervorgeht.)
  • Kaudzītes Reinis un Matīss: Mērnieku Laiki. Stāsts. Verlag Liesma, Rīga 1980. Eine lettische Ausgabe mit den Illustrationen von Eduards Brencēns. Im Literaturverzeichnis steht bei der deutschen Ausgabe: „Tulkojusi Vecpiebalgas mācītāja R. Gulekes māsa“. Das ist eine Wiederholung des Irrtums. Nicht die Schwester, sondern die Cousine des Pastors hat den Roman übersetzt.
  • Friedrich Scholz: Die Literaturen des Baltikums. Ihre Entstehung und Entwicklung. Westdeutscher Verlag, Opladen 1990. ISBN 3-531-05097-4. Seite 296 führt die Übersetzungen des Romans auf.

Einzelnachweise

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