Maria Skumanz
österreichische Angestellte und Widerstandskämpferin
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Maria Skumanz, auch Marie Skumancová (* 11. Dezember 1895 in Kremsier; † 19. September 1944 in Wien), war eine österreichische Privatbeamtin (Angestellte), Widerstandskämpferin und Opfer der NS-Justiz.
Leben
Maria Skumanz wurde 1913 Vollwaise und zog nach Wien zu ihren Schwestern Josefine („Pepi“) und Anna. Sie arbeitete als Kindermädchen bei einem Onkel in Wien-Meidling und später als Bürokraft in einer Holz- und Kohlengroßhandlung. 1924 zog sie nach Wien-Floridsdorf um. Anfang der 1920er-Jahre stand sie der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) nahe und wurde über ihren Lebensgefährten Richard Kramer 1924/25 Mitglied der KPÖ, wo sie für die Rote Hilfe arbeitete. Sie kümmerte sich vor allem um sozialistische und kommunistische Widerstandskämpfer, die aus dem faschistischen Italien nach Wien geflohen waren.
1938 fand sie eine Anstellung als „Atelierhelferin“ im Grafikstudio von Victor Theodor Slama. Nach dem „Anschluss“ Österreichs hielt sie den Kontakt mit österreichischen Kommunisten aufrecht, die in Südfrankreich ein Widerstandsnetz aufgebaut hatten, das mit der Résistance zusammenarbeitete. Nach der Niederlage der deutschen Wehrmacht in Stalingrad 1942/43 kehrten einige österreichische kommunistische Widerstandskämpfer, getarnt als französische Fremdarbeiter, nach Österreich zurück. Darunter war auch Gottfried Kubasta, 1930 bis 1937 Bezirksleiter der KPÖ Floridsdorf. Er kontaktierte Maria Skumanz, die ein Treffen zwischen ihm und dem KPÖ-Mitglied Rudolf Götz organisierte. Die Gruppe baute mit anderen aus Frankreich zurückgekehrten Kommunisten ein geheimes Netz kommunistischer Zellen auf, das im Sommer 1943 von der Gestapo aufgedeckt wurde.
Am 11. September 1943 wurde Kubasta und am 29. November 1943 Maria Skumanz wegen „staatsfeindliche Betätigung“ verhaftet.[1] Wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Feindbegünstigung“ verurteilte sie der Volksgerichtshof am 28. Juni 1944 zusammen mit Robert Kislinger, Josef Laznicka, Franz Lukas und Rudolf Götz zum Tode.
Aus der Todeszelle im Landgericht Wien schrieb sie in einem Brief vom 6. August 1944 an ihre Schwester Josefine (Auszug):
"Meine liebe Pepi! Nun darf ich nach einem Monat wieder schreiben! Deinen lieben Brief habe ich schon am 15.7. mit großer Freude erhalten. Vielen, vielen Dank für all die Mühe, die ihr alle meinetwegen habt! Ich habe dich am 4. August, wie du mir geschrieben hast, erwartet - leider umsonst! Hoffentlich ist nichts geschehen und wenn du mich besuchen kommst, wird sich alles klären, warum du nicht gekommen bist! Ich hoffe, dass du gesund bist und euch allen nichts geschehen ist! Die arme Anna - aber Hauptsache ist, sie lebt! Sie soll wegfahren, sage ihr - soll zum Alois, dort wird sie doch Ruhe haben und wird sich dort erholen können. Als Bombengeschädigte wird sie doch wegfahren können! Um mich soll sie sich nicht mehr sorgen - sie soll an ihren Buben denken - der braucht auch jetzt noch die Mutter!..."[2]
Am 19. September 1944 wurde Maria Skumanz im Landgericht Wien hingerichtet.[3]
Gedenken
Maria Skumanz wurde in der Schachtgräberanlage der Gruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofes bestattet.
Unter dem Namen Skumancová Marie ist sie in der Gedenkstätte für die unter der NS-Herrschaft hingerichteten tschechischen Widerstandskämpfer aufgeführt.[4]
Im ehemaligen Hinrichtungsraum im Landesgericht Wien ist ihr Name in der Gedenkstätte für die Opfer der NS-Justiz aufgeführt.[2]
Literatur
- Willi Weinert: "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer" : Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen; ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof und zu Opfergräbern auf Wiens Friedhöfen. 3. Auflage. Wiener Stern-Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-9502478-2-4.
- Lisl Rizy (Hrsg.): "Mein Kopf wird euch auch nicht retten" : Korrespondenzen österreichischer Widerstandskämpfer und Widerstandskämpferinnen aus der Haft : in vier Bänden. Wiener Stern Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-9502478-4-8.