Marie Elisabeth von Pocci
deutsche Malerin (1835–1913)
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Leben
Herkunft und Familie
Die Pocci entstammten einem italienischen Adel aus Viterbo.
Marie Elisabeth war die Tochter von Franz von Pocci und dessen Ehefrau Gräfin Albertine Christine (* 10. September 1808 in Wien; † 4. November 1890 in München)[1][2], die Tochter des Grafen Friedrich Ernst Marschall (1748–1832) und die Enkelin des Generals Ernst Dietrich Marschall; Marie Elisabeth hatte noch zwei Brüder.
Ihr Großvater väterlicherseits war der bayerische Generalleutnant und Obersthofmeister Conte Fabricius Pocci (* 26. Oktober 1766; † 1. Februar 1844), der 1781 nach München kam. Ihre Großmutter väterlicherseits war die kunstbegabte Baronin Xaveria (geb. von Posch) (* 1778 in Dresden; † 1849 in München), die selbst als Malerin und Radiererin tätig war.[3]
Marie Elisabeths Porträt malte Erich Correns 1855 im Stil van Dycks.
Künstlerische Ausbildung
Marie Elisabeth wuchs in einem künstlerisch gestimmten Milieu auf. Sie erhielt ihre künstlerische Grundausbildung von ihrem Vater, der als Komponist, Dichter und Zeichner tätig war. Ihre formale Kunstausbildung erfolgte unter Alexander von Liezen-Mayer, einem Schüler Karl von Pilotys; später wurde sie durch Ernst Zimmermann weiter ausgebildet. Sie schulte sich durch Studien nach den alten Meistern, insbesondere nach Rubens, Diego Velázquez und Bartolomé Esteban Murillo und kopierte in der Alten Pinakothek.
Künstlerisches Schaffen
Mit ihrem Debütwerk, einer Germanischen Priesterin am Felsaltar, trat Marie Elisabeth in die Öffentlichkeit. Die Kritik würdigte das Werk für seinen tragischen Ernst und verglich sie mit der dänischen Malerin Elisabeth Jerichau-Baumann. Trotz ihrer Neigung zu elegischen und melancholischen Motiven – wie die Figur der trauernden Heloisa, einer zusammengebrochenen Magdalena oder Nonnen im Klostergarten – war sie keineswegs schwermütig gestimmt. Sie schuf auch heitere Genreszenen, etwa König Franz I. von Frankreich mit seinen treuesten Freunden – Hund und Hofnarr, sowie Darstellungen von lustigen Hofnarren, Sennerinnen und Hirten.
Ihre religiöse Kunst bestach durch psychologische Tiefe. Besonders ihr Werk Palmsonntag 1871, das eine arme Witwe beim Verkauf von Palmzweigen vor einer Kirche zeigte, erregte großes Aufsehen und wurde durch Fotografien weithin bekannt.
Im Bildnisgenre erbrachte sie beachtliche Leistungen, besonders bei den Porträts ihrer Eltern. Sie schuf auch Werke wie Mädchen auf einer Wallfahrt, Feiertag und Werktag, ein bäuerliches Verlöbnis, Kirchgang am frühen Morgen und Geiseln. Wie Angelika Kauffmann verlieh sie ihren Frauendarstellungen bewusst leichte Porträtähnlichkeiten und identifizierte sich mit ihnen.
Teile ihrer Werke gelangten nach England und Frankreich. König Carol von Rumänien erwarb ihr erstes Werk. Zwei großformatige Kopien nach Murillo (Sankt Thomas von Villanova einen Kranken heilend und die Melonenesser) kamen nach Paris.
Die Drucke ihrer Arbeiten erschienen in den Verlagen von Josef Albert und Franz Hanfstaengl.

Im September 1900 fertigte sie für das Neue Theater in der Blumenstraße in München (siehe Münchner Marionettentheater) eine Kopie eines Porträts ihres Vaters an.[4] Das Original stammte von Alexander von Liezen-Mayer und befand sich in Familienbesitz. Da die Stadt München Eigentümerin des vom Vater geförderten Gebäudes war[5], sprach sie ihr dafür ihren Dank aus. Das Gemälde hing dort von 1900 bis 1933 im Zuschauerraum in einem Stuckoval links neben dem Proszenium. Karl Winkler (1884–1949)[6] nahm das Gemälde beim Auszug 1933 als Besitz des Schmidschen Marionetten-Theaters[7] mit.
Soziales Engagement
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit engagierte sich Marie Elisabeth intensiv in der Krankenpflege und karitativen Arbeit. Während der Kriege 1859 (siehe Sardinischer Krieg) und 1866 (siehe Deutscher Krieg) sowie besonders intensiv in den Jahren 1870/1871 (siehe Deutsch-Französischer Krieg) betätigte sie sich in der Verwundetenpflege. Für dieses Engagement erhielt sie das bayerische und preußische Verdienstkreuz. Sie wurde zudem als Ehrendame in den Theresienorden aufgenommen, wofür ihr – als Zeichen ihres hohen adligen Ranges und ihrer Standesberechtigung – bereits zuvor die offizielle Titulatur "Frau" verliehen worden war.
Mit ihrer Freundin Alexandra von Berckholtz widmete sie sich der Unterstützung weniger erfolgreicher Künstler und nutzte ihre künstlerischen Werke zu karitativen Zwecken.
Späte Jahre
Ein zunehmendes Augenleiden beendete schließlich das kunstschaffende Leben von Marie Elisabeth von Pocci. Bei der Räumung ihres Ateliers wurde der Großteil ihrer Skizzen und Studien vernichtet. Ihre erzwungene Muße fand sie in intensiver historischer Lektüre, insbesondere der Werke von Ferdinand Gregorovius und Karl August von Heigel sowie in Memoiren.
Sie wurde zur Hüterin der Familientradition und sammelte die Werke ihres Vaters in den Archiven von Ammerland.
Ihre letzten Jahre waren von körperlichen Leiden geprägt – fortschreitende Nervenschmerzen im rechten Arm und Schulterblatt sowie ein schwerer Sturz. Sie verstarb unerwartet während eines Aufenthalts auf Schloss Ammerland und fand ihre letzte Ruhe in der Familiengruft in Münsing.
Mitgliedschaften
Marie Elisabeth von Pocci war Mitglied im Bayerischen Frauenverein vom Roten Kreuz.
Ausstellungen
Marie Elisabeth von Pocci stellte unter anderem 1876 in München auf der Kunst- und Kunstgewerbeausstellung im Glaspalast, 1878 auf der 21. Kunstausstellung des Bremer Kunstvereins, 1880 in der Gewerbe-Ausstellung für Rheinland, Westfalen und benachbarte Bezirke in Düsseldorf und 1883 in Wien im Wiener Künstlerhaus auf der Jahresausstellung aus.
Werke (Auswahl)

- Blick auf Tivoli bei Rom. 1864.
- Palmsonntag 1871. München, Kunst- und Kunstgewerbeausstellung im Glaspalast. 1876.
- Des Königs treueste Freunde. Gewerbe-Ausstellung für Rheinland, Westfalen und benachbarte Bezirke in Düsseldorf. 1880.
- Germanische Priesterin. Wiener Künstlerhaus. Jahresausstellung 1883.
- Ewig Dein!
- Mädchen auf einer Wallfahrt.
- Feiertag und Werktag.
- Ein bäuerliches Verlöbnis.
- Kirchgang am frühen Morgen.
- Geiseln.
- Sankt Thomas von Villanova einen Kranken heilend.
- Melonenesser
Literatur
- Marie Elisabeth von Pocci. In: Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte. Dresden, 1898. S. 293 (Digitalisat).
- Marie Elisabeth von Pocci. In: Lokales. In: Münchner neueste Nachrichten vom 29. Juli 1913. S. 3 (Digitalisat).
- Marie Elisabeth von Pocci. In: Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog, 18. Band, 1913. Berlin, 1917. S. 131–135 (Digitalisat).
- Marie Elisabeth von Pocci. In: Jochen Schmidt-Liebich: Lexikon der Künstlerinnen 1700–1900. München, 2005. S. 359 (Digitalisat).
Weblinks
- Marie Elisabeth von Pocci. In: Indexeintrag: Deutsche Biographie.
