Marie Vaerting
1880 bis 1964 Beruf/Funktion Mathematikerin ; Schriftstellerin ; Verlegerin Konfession - Namensvarianten Pfeiffer, Marie (verheiratete) Vaerting, Marie (geborene) vaerting, marie Pfeiffer, Marie (verheiratete) pfeiffer, marie Vae͏̈rting, M. Vae͏̈
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Marie Vaerting, auch Vaërting, verh. Pfeiffer[1] (* 23. Januar 1880 in Messingen, Kreis Lingen als Hermina Maria Louise Vaerting;[2] † 1. Juni 1964 in Schönau im Schwarzwald), war eine deutsche Mathematikerin und Schriftstellerin. Sie promovierte 1910 als eine der ersten Frauen in Deutschland im Fach Mathematik.[2] Ab 1919 publizierte sie unter dem Pseudonym Hermann Schulte-Vaërting politische und soziologische,[3] zuletzt pseudowissenschaftliche Literatur. Ihre Schwester Mathilde Vaerting war die erste ordentliche Professorin an einer deutschen Universität.
Marie Vaerting
undatierte Porträtfotografie, Universitätsarchiv Gießen
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Leben
Marie Vaerting stammte aus einer wohlhabenden katholischen Bauernfamilie. Sie kam als drittes Kind des Landwirts Johannes Vaerting († 1910) und seiner Ehefrau Maria Mathilde (geb. Siering, † 1910) zur Welt. Sie hatte neun Geschwister, sieben Schwestern und zwei Brüder.[2] Bis zu ihrem 15. Lebensjahr erhielt Vaerting Privatunterricht durch eine Hauslehrerin, anschließend wurde sie in Mädchenpensionaten untergebracht. Am 28. März 1908 legte sie die Reifeprüfung am Realgymnasium Aachen ab.
Vaerting studierte Mathematik, Physik und Philosophie, davon das erste Semester[2] in Bonn. Gemeinsam mit ihrer Schwester Mathilde immatrikulierte sie sich im November 1908 an der Universität Marburg. Gemeinsam studierten sie ein Semester in Marburg und wechselten im Anschluss an die Universität Gießen, um für ihre Abschlüsse wieder an die Universität Bonn zu wechseln. Zwei Semester studierte Marie zudem in London[2].
Marie und Mathilde entschieden sich sehr bewusst für ein mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtetes Studium, um Vorurteile gegen Frauen in den Naturwissenschaften zu überwinden. Weitere drei ihrer Schwestern taten es ihnen gleich. Marie und Mathilde waren die ersten Mathematikstudentinnen an der Universität Marburg[2] und in ihrem autobiografischen Roman kommentierte Marie ihre Wahl so: „aller Männerkultur und Kunst, allen Weiberkörpern und Balletts zum Trotz.“[2]
Am 22. Oktober 1910 promovierte sie bei Moritz Pasch in Gießen mit dem von Gerhard Kowalewski angeregten Thema Zur Transformation der vielfachen Integrale.[4][5] Ihre Dissertation widmete sie ihrem Bruder Wolfgang.[4] Bald darauf heiratete sie Philipp Pfeiffer (1880–1964).[6]
Werke
- Frauenrecht, Religion und Sittlichkeit. Pierson, Dresden 1907 (83 S.).
- Die zukünftige Welt. Traum eines Physikers. Pierson, Dresden 1908 (45 S., Digitalisat).
- Nichtwissen. Pierson, Dresden 1909 (74 S.).
- Zur Transformation der vielfachen Integrale. Dissertation. Von Münchow’sche Hof- und Universitäts-Druckerei Otto Kindt, Gießen 1910 (36 S., Digitalisat).
- Haßkamps Anna. Roman. Langen, München 1912 (247 S.).[R 1][R 2]
- Max Theermanns erste Liebe. Roman. Langen, München 1913 (338 S.).[R 3]
- Durstige Heckenrosen am Meer. Gedichte. Reuss & Pollack, Berlin 1914 (57 S.).
- Das Recht des Kindes? Xenien-Verlag, Leipzig 1914 (118 S.).
- Das Leben. Roman. Langen, München 1914 (317 S.).
- Die Toten des Sommers 1914. Reuss & Pollack, Berlin 1915 (59 S., Digitalisat).
- Der Tod des Prinzen von Vitala. Drama. Krüger, Berlin-Zehlendorf o. J. [um 1916] (59 S.).
- Der Kapitän von L 200. Zeppelin-Roman. Duncker, Weimar 1917 (218 S., Digitalisat).
- Der Vaterschutz. Neue Wege zur Erhaltung der Manneskraft. Volkshygienischer Verlag, Dresden 1918 (150 S.).
als Hermann Schulte-Vaërting:
- Die Friedenspolitik des Perikles. Ein Vorbild für den Pazifismus. Reinhardt, München 1919 (328 S.).[R 4][R 5]
- mit Franz von Orth: Eine neue Abstammungslehre. Verlag für experimentelle Politik, Berlin-Treptow 1921 (21 S.).
- Die soziologische Abstammungslehre. G. Thieme, Leipzig 1923 (136 S.).[R 6][R 7][R 8][R 9]
- Die Gesetzmässigkeit im historischen Geschehen und die letzten hundert Jahre europäischer Geschichte. Carl Winter, Heidelberg 1924 (168 S.).[R 10]
- Die Entstehung der Arten durch den Staat. Vier Bände (nicht vollständig zu ermitteln):
- Band 1: Tiere und Pflanzen. Teilband 1. Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald 1926 (165 S.).[R 11][R 12]
- Band 3: Der sexuelle Übermensch. Teilband 1. Selbstverlag, Berlin-Friedenau 1928.
- Band 4: Der Staat des Menschen. Teilband 2: Wandlungen von Mensch und Menschengeist. Selbstverlag, Berlin-Friedenau 1929 (236 S.).[R 13]
- Neubegründung der Psychoanalyse. Dr. M. Pfeiffer [Selbstverlag], Berlin-Friedenau; Otto Klemm, Leipzig 1930 (72 S., archive.org – von den Nationalsozialisten verboten[7]).[R 14]
- Sichtbare und unsichtbare Welten im Experiment. Band 1. Selbstverlag, Berlin-Friedenau; Otto Klemm, Leipzig 1930 (36 S.).
- Sichtbare und unsichtbare Welten im Experiment. Band 2. Selbstverlag, Berlin 1931 (35 S.).
- Das harmonische Weltsystem. Selbstverlag, Berlin-Friedenau; Otto Klemm, Leipzig 1932 (17 S.).
- Eine neue Lichttheorie mit 66 Experimente. Selbstverlag, Berlin-Friedenau; Otto Klemm, Leipzig 1932 (17 S.).
- Neue Gedanken über die Bewegung der Himmelskörper. Selbstverlag, Berlin-Friedenau; Otto Klemm, Leipzig 1933 (17 S.).
Literatur
- Renate Tobies: »Aller Männerkultur zum Trotz«. Frauen in Mathematik und Naturwissenschaften. Campus-Verlag, Frankfurt am Main/New York 1997, ISBN 3-593-35749-6.
- Renate Tobies: Vaerting, verh. Pfeiffer, Hermina Maria Louise, genannt Marie. In: Biographisches Lexikon in Mathematik promovierter Personen an deutschen Universitäten und Technischen Hochschulen; WS 1907/08 bis WS 1944/45. Rauner, Augsburg 2006, ISBN 3-936905-21-5, S. 340.
Weblinks
- Digitalisat der Dissertation von Marie Vaerting auf den Seiten des Göttinger Digitalisierungszentrums
- Vaerting, Marie (geborene). In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Literatur von und über Marie Vaerting im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur von und über Hermann Schulte-Vaërting im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek