Marija Leiko
lettische Theater- und Film-Schauspielerin (1887-1938)
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Marija Leiko (auch bekannt als Marija Leyko oder Maria Leyko; * 14. August 1887 in Riga; † 3. Februar 1938 in Moskau) war eine lettische Theater- und Filmschauspielerin und ein Opfer des Stalinismus.

Leben
Marija Leiko besuchte bis zum Abschluss im Jahre 1903 eine Privatschule für Mädchen in Riga. Durch ihre Mitwirkung in einer Theatergruppe entfaltete sich ihr schauspielerisches Talent. 1907 und 1908 gehörte sie zum Ensemble des Apollo-Theaters im Rigenser Stadtteil Grīziņkalns.
Exil in Deutschland
Angesichts ihrer Freundeskreise verdächtigte die Ochrana, die Geheimpolizei im zaristischen Russland, Marija Leiko, der Lettischen Sozialdemokratischen Partei zuzuneigen, und überwachte sie. Daraufhin floh sie 1909 mit ihrem Lebensgefährten, dem Schauspieler und späteren Regisseur Johannes Guter, und mit ihrer 1908 geborenen Tochter Nora aus dem zaristischen Russland nach Westeuropa. In Wien erhielt sie ein Stipendium vom Burgtheater. Ihr erstes Engagement als Schauspielerin in Deutschland trat sie 1911 am Neuen Theater in Frankfurt am Main an. Später spielte sie in Leipzig und wieder in Frankfurt. Seit 1917 lebte sie in Berlin und agierte an den Reinhardt-Bühnen. Gastspiele führten sie unter anderem nach München, wo sie in Heinrich Manns Theaterstück Madame Legros zu sehen war.
1920 trat sie in ihrer Heimatstadt Riga auf. Zu ihren Theaterrollen gehörten die Titelfigur der Nora sowie die Ophelia in Hamlet.
Ihr Filmdebüt gab sie im Alter von dreißig Jahren in dem Krimi Die Diamantenstiftung unter Guters Regie. Bekanntheit erlangte sie als Tänzerin und Hauptdarstellerin in den deutschen Filmen Kain (1918), Ewiger Strom (1919), Die Frau im Käfig (1919) und vor allem Lola Montez (1919). In den 1920er Jahren trat sie immer mehr in den Hintergrund. Mit dem Ende der Stummfilmära zog sie sich vom Film zurück und widmete sich dem Theater.
Rückkehr nach Riga
Nach der NS-Machtergreifung 1933 lebte Leiko wieder in Riga, wo 1934 ihr gemeinsam mit Austra Ozoliņa verfasstes „Napoleon-Drama in 5 Aufzüge und einem Epilog“ Marija Vaļevska (Maria Walewska) im Verlag A. Gulbis erschien. Nach dem Tod ihrer Tochter im Jahr 1935 reiste Marija Leiko nach Tiflis, um ihre Enkeltochter zu sich zu holen, nachdem ihre Tochter Nora bei der Geburt der Enkelin gestorben war.[1] Auf dem Rückweg wurde sie in Moskau von Freunden überredet, für einige Spielzeiten am Moskauer lettischen Theater „Skatuve“ (Die Bühne) zu gastieren.
Verhaftung in der Sowjetunion und Hinrichtung
Während des Großen Terrors wurde Marija Leiko im Zuge der Lettischen Operation des NKWD von Stalins Handlangern am 15. Dezember 1937 verhaftet.[1] Sie wurde bezichtigt, einer „konterrevolutionären nationalistischen lettischen faschistischen Organisation“ anzugehören, zum Tode verurteilt und am 3. Februar 1938 von Schergen des NKWD auf dem Butowo-Poligon erschossen, ebenso wie das gesamte „Skatuve“-Ensemble.[1] Die Sowjetbehörden ließen die Lüge verbreiten, sie habe Selbstmord begangen.[2]
Postume Rehabilitierung
Im Zuge der Entstalinisierung wurde Marija Leiko 1958 juristisch rehabilitiert.
Filmografie
- 1917: Die Diamantenstiftung
- 1918: Das Frühlingslied
- 1918: Die Vase der Semiramis, Regie: Willy Grunwald[3]
- 1918: Die Brüder von Zaarden
- 1918/19: Kain (4 Teile)
- 1919: Lola Montez, 2. Teil: Am Hofe Ludwigs I. von Bayern
- 1919: Die Frau im Käfig
- 1919: Freie Liebe
- 1919: Satanas
- 1919: Ewiger Strom
- 1920: Die Kwannon von Okadera
- 1921: Die rote Redoute
- 1921: Brandherd
- 1921: Am Webstuhl der Zeit
- 1921: Das Opfer der Ellen Larsen
- 1921: Die Furcht vor dem Weibe
- 1921: Die Frau von morgen
- 1921: Die Ratten
- 1921: Kinder der Finsternis, 1. Teil: Der Mann aus Neapel
- 1922: Kinder der Finsternis, 2. Teil: Kämpfende Welten
- 1922: Versunkene Welten
- 1922: Die Schneiderkomtess
- 1923: Der Schatz der Gesine Jakobsen
- 1923: Der Frauenkönig
- 1924: Dr. Wislizenus
- 1925: Aufstieg der kleinen Lilian
- 1927: Am Rüdesheimer Schloß steht eine Linde
- 1928: Die Rothausgasse
- 1928: Die Räuberbande
Schriften
- Mans atmiņu dārzs (lettisch: Mein Garten der Erinnerung), Memoiren, erschienen in der Rigenser Tageszeitung Jaunākās ziņas in den Ausgaben vom 27. April bis zum 18. Mai 1929 sowie vom 7. Februar bis zum 14. März 1931.
Literatur
in der Reihenfolge des Erscheinens
- Rudolf Adrian Dietrich: Vier Lithographien für Marija Leiko (= Graphische Reihe, Mappe 13). Mit einem Vorwort des Dichters. Dresdner Verlag, Dresden 1922.
- Guna Zeltiņa, Anita Uzulniece: Marija Leiko. Liesma, Riga 1989, ISBN 5-410-00276-8 (lettisch).
- Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 302 f.
- Anita Uzulniece: Marija Leiko. Spēlēt – dzīvot! in der Quartalsschrift Kino Raksti, Ausgabe vom 24. August 2017 (online), abgerufen am 29. Dezember 2025 (lettisch).
- Guna Zeltiņa: Art. Marija Leiko. In: Silvija Radzobe (Hrsg.): 100 izcili Latvijas aktieri, Band 2. Marija Leiko – Gustavs Žibalts. Latvijas Universitātes Akadēmiskais apgāds, Riga 2019, ISBN 978-9934-18-403-1, S. 522–533 (lettisch).
- Anita Uzulniece: Hat ihr Stern am Filmhimmel geleuchtet? Die Lettin Marija Leiko im deutschen Stummfilm. In: Erika Wottrich, Swenja Schiemann (Red.): Fluchtlinien. Filmkarrieren zwischen Ost- und Westeuropa. Edition text + kritik, München 2023, ISBN 978-3-96707-729-2, S. 41–50.