Marktal und Morast

Naturschutzgebiet im Ilm-Kreis, Thüringen, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Das ehemalige Naturschutzgebiet Marktal und Morast befindet sich im UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald. Es verfügt über eine Gesamtfläche von 426,8 ha und verteilt sich in der Zone I (Kernzone) mit 148,7 ha und der Zone II (Pflegezone) mit 280,3 ha. Es ist dem FFH-Gebiet der Nummer 72 zugeordnet. Es hatte die Register-Nummer 115 in der Liste der Thüringer Naturschutzgebiete im Ilm-Kreis.[1]

Schnelle Fakten
Marktal und Morast

IUCN-Kategorie IV – Habitat/Species Management Area

Wasserfall im Marktal

Wasserfall im Marktal

Lage Thüringen, Deutschland
Fläche 4,426 km²
Kennung 115
WDPA-ID 14493
Geographische Lage 50° 38′ N, 10° 53′ O
Marktal und Morast (Thüringen)
Marktal und Morast (Thüringen)
Einrichtungsdatum 1961
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Karte des Biosphärenreservat Vessertal – Naturschutzgebiet Marktal & Morast

Seit 2017 ist das Gebiet Bestandteil der geschützten Kern- und Pflegezonen des Biosphärenreservats Thüringer Wald.[2] Der Schutzstatus als eigenständiges Naturschutzgebiet wurde in diesem Zuge aufgehoben.[3]

Lage/Bedeutung

Marktal und Morast war vor seiner Integration in das Biosphärenreservat Thüringer Wald das größte Naturschutzgebiet des Ilm-Kreises mit einer sehr komplexen Ausstattung. Es umfasst die Standortabfolge der Hochlagen des Rennsteiggebietes am Dreiherrnstein in der Flur Neustadt am Rennsteig mit dem waldbedeckten Hochmoor des „Morast“ über den gesamten Talraum des Schorte-Marktales von 575 bis 821 m ü. NN einschließlich mehrerer Nebentäler und markanter Bergrücken, Felsbildungen, Schluchten, Teiche, Wasserfall und Bergwiesen. Teile des Hochmoores sowie der Talkerbe des oberen Marktales bilden mit 114,00 ha eines der größten Totalreservate Thüringens. Die 1990 auf 420,35 ha erweiterte Schutzgebietsfläche stellte gleichzeitig das zweitgrößte Naturschutzgebiet innerhalb des Biosphärenreservates Vessertal – Thüringer Wald dar. Das schwer erschließbare, steilwandige Marktal konnte großflächig naturnahe, montane Buchenmischwälder vor dem Zugriff frühindustrieller Holznutzungen bewahren. Auf den Hochflächen und Verebnungen finden sich weitgehend Fichtenforsten, die im Zuge enormen Holzbedarfes in den letzten 200 Jahren entstanden. Im Bereich des Morastes sowie auf Felsköpfen wie dem Hohen Hundsrück konnten sich kleinflächig auch autochthone Fichtenvorkommen erhalten. Das überwiegend waldbestande Hochmoor hat sich über kambrischen Schiefern und Quarziten entwickelt, die hier wasserundurchlässige, tonige Schichten gebildet haben. Die Moorausbildung mit holozänen Torfen erstreckt sich über 26 ha und erreicht eine Mächtigkeit von ca. 1 m. Die Entwässerung des Moorkörpers erfolgt im Wesentlichen in Richtung Schorte.

Das Gebiet umfasst den Oberlauf der Schorte (Marktal), das Silbertal und den unteren Teil des Breiten Grundes. Oberhalb des Marktales, auf einer Verebnungsfläche, befindet sich der „Morast“, das Initialstadium eines etwa 1 m mächtigen waldbestandenen Hochmoores. In den engen Kerben des Mark- und Silbertales befinden sich zahlreiche Felsbildungen aus Felsitporphyr mit artenreicher Moos-, Flechten- und Farnflora.

  • Größe des NSG: 442,61 ha,
  • Höhenlage: 575 – 821 m ü. NN,
  • Naturraum: Mittlerer Thüringer Wald,
  • Gemarkung: Neustadt, Langewiesen und Stützerbach,
  • Bedeutung: Bundesweit,
  • Unterschutzstellung: 30. März 1961 - 1. Erweiterung 1986 und 2. Erweiterung am 12. September 1990,
  • Schutzzweck: Erhaltung eines Komplexes montaner Buchen- und Fichtenwälder mit Hochmoorflächen,
  • Jahresniederschlag: 1015 mm,
  • Mittlere Jahrestemperatur: 6,4 °C.

Flora bestimmende Arten

Montaner Hainsimsen-, Harzlabkraut- und Zahnwurz-Buchenwald sowie in den oberen Lagen Wollreitgras-, Rauschbeeren- und Peitschenmoosfichtenwald. Auf den Freiflächen finden sich Rundblättriger Sonnentau. Die Moosflora des Marktales ist sehr artenreich und reicht von Gewässerarten bis zu Felsspaltenbewohnern. Die besonderen Klimaverhältnisse der Kerbtäler der Nordabdachungen werden sichtbar durch das Vorkommen von solchen Arten wie Alpen-Milchlattich. Auf den von Porphyriten und Felsitporphyr geprägten Standorten finden sich im Wesentlichen Buchenwaldgesellschaften wie der Hainsimsen-Buchenwald. Auf kleinflächigen Standorten hat sich der Eschen-Bachwald eingestellt.

Gesellschaften

Einzelarten

Besondere Arten der Hochstauden- und Quellfluren sowie der Torfmoosgesellschaften sind:

Baumarten im Hauptbestand:

  • Europäische Fichte (Picea abies),
  • Rotbuche (Fagus sylvatica).

Moose:

Moosvegetation

Im Gebiet Marktal und Morast, das sich im mittleren Teil des Thüringer Waldes befindet, konnten 40 Moosgesellschaften nachgewiesen werden, die auf Silikatgestein, Mineralboden, der Borke lebender Bäume, morschem Holz und Rohhumus gedeihen. Für das Gebiet sind die Moosverbände Grimmio-Hypnion, Isothecion myosuroidis, Diplophyllion albicantis, Dicranellion heteromallae, Nowellion curvifoliae, Tetraphidion pellucidae, Bryo-Brachythecion, Ctenidion mollusci und Racomitrion acicularis charakteristisch. Die synsystematische Stellung der Gesellschaften wird dargestellt, eine Liste mit 227 Arten vermittelt den aktuellen Moosbestand.

Fauna

Neben der floristischen und vegetationskundlichen Vielfalt ist auch das faunistische Inventar bemerkenswert. Erste umfangreiche Daten zur Vogelwelt liegen aus dem Jahr 1981 durch die Fachgruppe Naturschutz/Ornithologie Ilmenau vor. Danach sind solche Brutvögel nachgewiesen wie:

Für Amphibien spielt das Gebiet ebenfalls eine bedeutende Rolle und kommen an verschiedenen Stellen vor:

Bei den Säugetieren ist der Rothirsch als markanter Vertreter zu nennen, der in diesem Schutzgebiet mehrere Einstände und Brunftplätze besitzt. Von den Marderartigen sind Hermelin und Baummarder im Gebiet regelmäßig anzutreffen:

Untersuchungen bei den Wirbellosen erstrecken sich bisher im Wesentlichen auf moorbewohnende Arten (JESCHKE & PAULSON, 1998). Pflege und Bewirtschaftungsmaßnahmen im Gebiet richten sich vor allem auf die Stabilisierung des Wasserhaushaltes im Morast durch Verbau der Entwässerungsgräben, auf die Mahd der Wiesen im Breiten Grund sowie auf die Erhöhung der Naturnähe der Fichtenforste durch Pflege und Voranbau von Buche, Bergahorn und Weißtanne.

Quellen

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