Martha Welch
US-amerikanische Ärztin und Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Säuglings- und Kindesentwicklung
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Martha G. Welch (* 21. Juni 1944 in Buffalo, New York) ist eine US-amerikanische Ärztin und Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Säuglings- und Kindesentwicklung. Sie ist Professorin für Pädiatrische Psychiatrie sowie für Pathologie und Zellbiologie am Columbia University Irving Medical Center in New York.[1]

Werdegang
Nach Abschluss ihres Medizinstudiums an der Columbia University Vagelos College of Physicians and Surgeons absolvierte sie eine Facharztausbildung in Allgemeiner Psychiatrie sowie in Kinder- und Jugendpsychiatrie am Albert Einstein College of Medicine.[2] 1975 eröffnete sie eine eigene Privatpraxis, 1978 gründete sie das Mothering Center, eine gemeinnützige Einrichtung zur Behandlung von Kindern mit emotionalen, Verhaltens- und Entwicklungsstörungen, darunter Autismus.[3] 1997 wurde Welch Professorin an der Columbia University Vagelos College of Physicians and Surgeons, wo sie Lehrtätigkeiten in Psychiatrie, Pädiatrie sowie Pathologie und Zellbiologie übernahm.[1] 2008 gründete sie gemeinsam mit Michael M. Myers das Nurture Science Program, das neurobiologische Grundlagen frühkindlicher Bindung, hormonelle Signalwege und autonome Ko-Regulation erforscht.[3]
Veröffentlichungen und Rezeption
1988 veröffentlichte Welch das Buch Holding Time, in dem sie eine Form intensiver körperlicher Zuwendung zwischen Eltern und Kindern als Mittel zur Förderung emotionaler Bindung beschrieb.[4] Sie vertrat die Auffassung, dass anhaltender Körperkontakt und emotionales Mitfühlen Kommunikationsprobleme mindern und die Entwicklung des Kindes positiv beeinflussen könnten.
In späteren Jahren wandte sich Welch zunehmend der empirischen Erforschung dieser Zusammenhänge zu. Als Leiterin des Nurture Science Program an der Columbia University untersuchte sie neurobiologische Mechanismen emotionaler Nähe, insbesondere deren Einfluss auf autonome Regulation und frühkindliche Entwicklung.[5]
Kontroversen und Kritik
Ein zentral umstrittener Aspekt von Welchs Arbeit ist ihr früher Bezug zur sogenannten Festhaltetherapie. In ihrem Buch Holding Time propagierte sie körperliche Nähe und Beruhigungsinteraktionen zwischen Eltern und Kindern. Es wurde berichtet, dass es bei extremen Formen des therapeutischen Haltens in der Vergangenheit zu Todesfällen während solcher Interventionen kam. Dies führte 1999 zu Reglementierungen durch das Center for Medicare and Medicaid Services sowie die Joint Commission on Accreditation of Healthcare Organizations.[4][6]
Kritiker und Fachstellen verweisen auf erhebliche Risiken der Festhaltetherapie, darunter Angst- und Ohnmachtserleben, Bindungsschäden und mögliche Traumatisierungen; sie sprechen von therapeutisch verbrämter Gewalt[7] und warnen vor ethischen Grenzverletzungen.[8][9] Auch die Presse dokumentiert seit Jahren Warnungen aus der Wissenschaft gegenüber Verfahren, bei denen Kinder über längere Zeiträume fixiert werden, und verweist auf gesundheitliche sowie psychische Risiken.[10][11] Heute gilt die Festhaltetherapie als nicht evidenzbasiertes und ethisch inakzeptables Verfahren, das von Fachverbänden und wissenschaftlichen Gesellschaften abgelehnt wird.