Martin Hilger
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Martin Hilger (* 1538; † 1601 in Dresden) war ein Stückgießer und Glockengießer.
Leben
Martin Hilger stammt aus der Glockengießerfamilie Hilger in Freiberg in Sachsen, einem Zentrum des Bergbaus und der Metallverarbeitung. Er führte die Gusshütte in Freiberg und die kurfürstliche Gießerei in Dresden.
Im Jahr 1577 erhielt er von Erzherzog Karl II. den Auftrag, für 10 Jahre in Graz zu arbeiten, um Geschütze für die Verteidigung der Landesgrenze herzustellen. Hilger arbeitete zumeist neben der Kaiserlichen Gusshütte am Sacktor in der zweiten Gußstätte vor dem Paulustor, welche er selbst eingerichtet hat. In den 10 Jahren goss er sowohl für den Landesfürsten wie auch für die steirische Landschaft zahlreiche Geschütze, für deren Unterbringung ein neues Zeughaus errichtet wurde. Nach Ablauf seines Vertrages 1588 stellte er eine General-Relation aller von ihm für den Landesfürsten ausgeführten Gussarbeiten aus, wie auch eine Zusammenstellung für die steirische Landschaft, beide sind erhalten und bei Wastler veröffentlicht.[1] Demnach schuf Hilger mindestens 185 Geschütze im Gesamtgewicht von ca. 230.000 kg, eine starke Leistung in 10 Jahren. Daneben goss Hilger auch einige Glocken, zumeist im Auftrag des Erzherzogs. Die zweite Gußstätte vor dem Paulustor wurde um 1600 geschlossen.
Hilger kehrte wieder nach Freiberg zurück, wo er seine Arbeiten in der kurfürstlichen Gießhütte wieder aufnahm.
Werk
Kein einziges Geschütz blieb in Österreich erhalten.
Hilger, einer der besten Gießer der Renaissance, goss Glocken mit spätgotischer Rippe, die dem Non-, aber auch Oktav- und Septimtyp angehören und durchwegs eine gute Klangqualität haben. Manche Glocken zeigen die später gebräuchliche Barockrippe („gotische Barockform“). Die Glocken sind sowohl gusstechnisch wie auch künstlerisch sehr schön, die Dekoration ist sämtlich im Renaissancestil.
Die Glocken sind großteils erhalten.
- 1581 Große Glocke (Dm 111,5 cm) in der Wallfahrtskirche Maria Rehkogel in Frauenberg
- 1581 Große Glocke (Dm 135 cm) und zweite Glocke im Schichtturm in Eisenerz
- 1581 Glocke im Schloss Weinburg am Saßbach
- 1585 Glocke in Oberort in Tragöß
- 1585 unsigniert, zugeschrieben: Große Glocke der Burg Hochosterwitz (Dm 80,1 cm).
- 1587 Hilgers Meisterwerk befindet sich am Grazer Schloßberg, die sogenannte Schlossbergliesl (Dm 197 cm, 4633 kg), die größte und schönste Renaissanceglocke Österreichs.
Literatur
- Steiermark. Kaiserliche Gußhütte am Sacktor. Martin Hilger (1577–1588). In: Jörg Wernisch: Glockenkunde von Österreich. Journal Verlag, Lienz in Osttirol 2006, ISBN 3-902128-10-0, S. 165.