Martin Naumann
deutscher Fotograf, Journalist, Autor und Radrennfahrer
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Martin Naumann (* 14. Februar 1932 in Leipzig; † 23. November 2018) war ein deutscher Fotograf, Journalist, Autor und Radrennfahrer.
Leben und Werk
Naumann machte nach seiner Schulzeit eine Berufsausbildung zum Stukkateur und arbeitete anschließend in Leipzig und Berlin vorrangig an kriegszerstörten Gebäuden. Den Beruf gab er aus gesundheitlichen Gründen auf, von 1955 bis 1992 war er als Pressefotograf für die Leipziger Volkszeitung (LVZ) tätig, ab 1990 als Ressortleiter der Bildredaktion. Während seiner Tätigkeit bei der LVZ absolvierte er zwischen 1959 und 1964 ein Journalistik-Fernstudium. Von 1966 bis 1987 war er im Verband der Journalisten der DDR Vorsitzender der Sektion Bildjournalisten im Bezirk Leipzig, von 1979 bis 1988 hatte Naumann einen Lehrauftrag an der Universität Leipzig zum Thema Methodik der Bildnachricht.
Naumanns Fotografien aus der politischen Wendezeit und der Montagsdemonstrationen in Leipzig erlangten teils internationale Bekanntheit und wurden zahlreich publiziert.[1] Sein erstmals 1998 im Militzke-Verlag veröffentlichtes Wende-Tage-Buch[2] – eine Mischung aus Bildband mit Fotografien und Tagebuch – war mit drei Auflagen (Stand 2026) sein erfolgreichstes Werk. In seinem Ruhestand verlegte er sich vor allem auf das Schreiben von autobiografisch geprägter Prosa und Reisetagebüchern.
Zwischen 1951 und 1956 war Naumann auch als Radrennfahrer aktiv und nahm an zahlreichen Amateurrennen teil. So gewann er beispielsweise 1954 das Straßenradrennen Rund um Leipzig und belegte im gleichen Jahr bei Rund um die Hainleite den dritten und bei Rund um Dortmund den fünften Platz.[3] Von 1952 bis 1956 gehörte er dem erweiterten Kader der Nationalmannschaft des Deutschen Radsport-Verbandes der DDR an. 1954 nahm er an den Studentenweltmeisterschaften im Straßenradsport in Budapest teil. Im Einzelrennen belegte er den sechsten Platz (Sieger wurde Täve Schur), in der Mannschaftswertung gewann er mit dem Siegerteam DDR die Goldmedaille.[4]
Er war mit der Illustratorin Elisabeth Naumann verheiratet, seine Tochter ist die Schriftstellerin, Autorin und Museologin Kati Naumann. Sein Fotoarchiv und seine Tagebuchaufzeichnungen werden im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig verwahrt.[5][6] Seinen letzten Wohnsitz hatte er in Großpösna.
Ausstellungen
- 2008: Martin Naumann. Brennpunkt Leipzig, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig[7]
- 2010: Wir sind das Volk – Pressefotographie für die Schublade!, Westsächsische Hochschule Zwickau, Hochschulbibliothek[8]
Schriften und Bildbände
- Das verlorene Land. Eine Insel am Rande der Stadt. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2005, ISBN 978-3-938607-89-3.
- Alaska – the last frontier. 2100 Kilometer mit dem Rad. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2006, ISBN 978-3-939144-84-7.
- Das Römische Haus zu Leipzig. Einem verlorenen Kleinod auf der Spur. Pro Leipzig, Leipzig 2007, ISBN 978-3-936508-33-8.
- Das verlorene Aschenbrödel. Geschichten von Wahrheit und Phantasie. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86703-256-8.
- Wende-Tage-Impressionen. 10 Postkarten mit Fotos der Wendezeit. Militzke, Leipzig 2008, ISBN 978-3-86189-813-9.
- Leipzig Fotografie. Von den Fünfzigern bis zur Deutschen Einheit. Militzke, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86189-836-8, Texte in Deutsch, Englisch und Französisch.
- Australien. Tagebuch einer Radreise quer durch den Kontinent. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2012, ISBN 978-3-86268-614-8.
- Kein Weg war zu weit. Eine Erzählung nach Tatsachen. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-95488-442-1.
- mit Elisabeth Naumann: Sabine und das rote Heft. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-95488-669-2.
- Neuseeland. Ein Reisebericht vom Ende der Welt. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2014, ISBN 978-3-95488-757-6.
- Der Wende-Journalismus. Verraten und verkauft? Roman. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2014, ISBN 978-3-95744-195-9.
- Wende-Tage-Buch. Ein Tagebuch von der Wende bis zur Einheit. 3., überarbeitete Auflage, Pro Leipzig, Leipzig 2019, ISBN 978-3-945027-18-9.
Literatur
- Mathias Orbeck: Ein Foto-Galopp durch eine bewegte Zeit. Pro Leipzig gibt Neuauflage von Martin Naumanns „Wende-Tage-Buch“ heraus. In: Leipziger Volkszeitung 126 (2019), Nr. 246 vom 22. Oktober, ISSN 0232-3222, S. 14.
- Andrea Klimt: Naumann, Martin. In: Wilhelm Kosch (Begr.), Lutz Hagestedt (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Band 43: Müller, Gottfried – Nebel, Otto Wilhelm Ernst. De Gruyter, Berlin und Boston 2024, ISBN 978-3-11-131489-1, Sp. 584.
Weblinks
- Literatur von und über Martin Naumann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur von und über Martin Naumann in der Sächsischen Bibliografie
- Martin Naumann. In: traueranzeigen.de. Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG, 15. Dezember 2018, abgerufen am 18. März 2026.
- Ralf Julke: Wende-Tage-Buch. Martin Naumanns Tagebuch aus dem großen Jahr der Revolution in seiner dritten Auflage. In: LZ. Leipziger Zeitung. LZ Medien GmbH, 10. Oktober 2019, abgerufen am 18. März 2026.