Mary Dormer Harris

englisch-britische Historikerin, Dozentin und Frauenrechtlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Mary Dormer Harris (* 11. August 1867 in Stoneleigh, Warwickshire; † 3. März 1936 in Leamington Spa, Warwickshire)[1] war eine englisch-britische Mittelalterhistorikerin, Autorin, Dozentin und Frauenrechtlerin. Ihr Schwerpunkt war die mittelalterliche Geschichte von Coventry.[2]

Gravierte Stahlplatte vor dem Herbert Art Gallery and Museum in Coventry mit Inschriften für 1866–1957 Sir Alfred Herbert industrialist benefactor und 1867–1936 Mary Dormer Harris historian

Leben

Harris wurde als einziges überlebendes Kind von Thomas Harris (1832–1882) und Mary Dormer (1834–1923) auf der Dale Farm in Stoneleigh, Warwickshire, geboren.[3] Sie erhielt ihre Ausbildung als Wocheninternatsschülerin an der Richmond and Twickenham High School und studierte anschließend englische Literatur in der Lady Margaret Hall der Universität Oxford. Sie erzielte Ergebnisse mit Auszeichnung erster Klasse,[4] erhielt jedoch keinen akademischen Grad, da Frauen erst ab 1920 formell graduieren durften. Harris sprach Französisch, Deutsch und Latein.[2] Von engen Freunden wurde sie „Molly“ genannt; sie hatte eine schwache Sehkraft, die durch ihre Arbeit beeinträchtigt worden war. Anschließend unterrichtete sie Englisch und arbeitete hilfsweise bei der Oxford University Press. Die inzwischen verwitwete Mutter verließ 1896 die Farm und zog nach Leamington Spa, und Harris zog zu ihr. 1898 veröffentlichte sie ihr erstes Buch und begann damit ihre Laufbahn als Historikerin und Schriftstellerin. Sie wurde Dozentin für Regionalgeschichte an der University of Birmingham.[5]

Harris war eine Aktivistin für das Frauenwahlrecht und trat 1898 der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) bei.[2] Sie war im Zweig in Leamington Spa und Warwick aktiv und schrieb Briefe an den Leamington Spa Courier, in denen sie sich für das Frauenwahlrecht einsetzte.[4] Sie half bei der Organisation lokaler Konferenzen, darunter eines Vortrags von Millicent Garrett Fawcett.[6] Sie stand im Briefwechsel mit der Suffragettenführerin Christabel Pankhurst,[2] für deren Militanz sie Sympathien hatte, die sie aber nicht selbst betrieb.[5] Sie schrieb 1906 an den irischen Dramatiker George Bernard Shaw, um dessen Unterstützung für das Frauenwahlrecht zu erbitten.[7]

Harris war eine Historikerin mit besonderem Interesse an der mittelalterlichen Geschichte Coventrys. Ihr erstes Buch 1898, Life in an Old English Town enthält die früheste bekannte Karte der Stadt Coventry, veröffentlicht von John Speede aus London im Jahr 1610. In der Folge setzte sich Harris dafür ein, viele der mittelalterlichen Gebäude Coventrys vor dem Abriss zu bewahren.[5] Von 1904 bis 1913 übersetzte sie Einträge von 1420 bis 1555 in Latein, Normannischem Französisch und Frühenglisch aus dem Coventry Leet Book,[2][8] das sie in den Stadtarchiven entdeckt hatte. Sie veröffentlichte zudem zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Warwickshires.[9] Sie machte Beobachtungen zu den Ursprüngen mittelalterlicher Konflikte zwischen der Stadt Coventry und ihren Wards um Allmende,[10] dokumentierte die Miserikordien der Whitefriars (Karmelitenkloster),[11] und verglich das mittelalterliche Coventry mit der bayerischen Stadt Nürnberg.[12][13]

Harris war die erste Frau, die vor der Leamington Literary Society sprach,[14] mit einem Vortrag mit dem Titel Warwickshire Life in Shakespeare’s Day.[5] Sie war außerdem die erste Frau, die vor der Birmingham and Warwickshire Archaeological Society sprach. Da Frauen nicht vor der Society of Antiquaries of London auftreten durften, wurde ihr Vortrag über die Handwerkszünfte Coventrys dort stellvertretend für sie verlesen.[3]

1914 war Harris ein Gründungsmitglied der Coventry Guild.[3] 1916, während des Ersten Weltkriegs, war sie dafür verantwortlich, die Sammlungen des Coventry Archive in den Tresor der Lloyds Bank zu verlegen, um sie vor Beschädigung oder Zerstörung bei Luftangriffen zu schützen.[15] Sie schrieb regelmäßig für Zeitungen wie den Coventry Herald, etwa mit einem Artikel über die Geschichte und Legende von Lady Godiva im Jahr 1915[16] oder über mittelalterliche Wandmalereien im Coventry Charterhouse.[17]

1922 war Harris ein Gründungsmitglied des Warwick and Leamington Dramatic Study Club, des Vorläufers des Loft Theatre. Sie spielte selbst und schrieb Theaterstücke für den Club, darunter 1925 The Christmas Mummers at Stoneleigh, basierend auf dem örtlichen traditionellen Mummenschanz.[2]

Zum Zeitpunkt ihres Todes 1936 arbeitete Harris am zweiten Band zu den Zunftaufzeichnungen Coventrys; das Werk wurde von Phillip Styles und Geoffrey Templeman, ihren Kollegen am Department of History der University of Birmingham, vollendet.[18] Sie starb infolge eines Verkehrsunfalls und wurde auf dem Milverton Cemetery beigesetzt.[2]

1938 wurde das Mary Dormer Harris Memorial Bursary bei einer öffentlichen Versammlung in der Leamington Town Hall ins Leben gerufen, um ihr zu gedenken und junge Studierende in den Bereichen Lokalgeschichte, lokales Theater oder musikalische Aktivitäten zu fördern.[19] Am Herbert Art Gallery and Museum wurde eine stählerne Gedenkplatte errichtet. Im Stadtteil Tile Hill von Coventry ist die Dormer Harris Avenue nach ihr benannt. Die Leamington Literary Society brachte eine Blue Plaque zu Harris’ Erinnerung an ihrem früheren Wohnhaus in der Gaveston Road in Leamington Spa an.[5]

Werke (Auswahl)

  • Laurence Saunders, Citizen of Coventry. In: The English Historical Review. Band 9, Nr. 36, 1894, S. 633–651, JSTOR:547563.
  • Life in an Old English Town: A History of Coventry from the Earliest Times. Swan Sonnenschein & Co., London 1898 (google.com).
  • Medieval Towns: The Story of Coventry. J.M. Dent, Covent Garden 1911 (archive.org).
  • The Coventry Leet Leet Book or Mayor's Register. Containing the records of the city Court Leet or View of frankpledge, A.D. 1420–1555 with divers other matters. Published for the Early English Text Society by Kegan Paul, Trench, Trübner & Co., London 1907 (archive.org).
  • Memoirs of the Right Hon. Edward Hopkins, M. P. for Coventry. In: The English Historical Review. Band 34, Nr. 136, 1919, S. 491–504, doi:10.1093/ehr/XXXIV.CXXXVI.491.
  • A Social and Industrial History of England: Before the Industrial Revolution. William Collins & Sons, London 1920 (google.com).
  • The Ancient Records of Coventry (= Occasional Papers. Band 1). Dugdale Society, Stratford-upon-Avon 1924.
  • Unknown Warwickshire, illustrated by James Edward Duggins. The Bodley Head, London 1924 (hathitrust.org).
  • The Register of the Guild of the Holy Trinity, St. Mary, St. John the Baptist and St. Katherine of Coventry. Dugdale Society, Stratford-upon-Avon 1935 (google.com).

Einzelnachweise

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