Mary Lawlor
irische Erziehungswissenschaftlerin und Menschenrechtsexpertin
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Mary Lawlor (* 1952) ist eine irische Psychologin, Erziehungswissenschaftlerin und Menschenrechtsexpertin. Seit 2020 ist sie Sonderberichterstatterin zur Lage von Menschenrechtsverteidigern beim UN-Menschenrechtsrat.
Herkunft und Ausbildung
Mary Lawlor wurde 1952 als zweitälteste von sieben Schwestern geboren und wuchs in Kilmacud, einem Vorort von Dublin, auf. Sie absolvierte von 1969 bis 1972 ein Studium in Philosophie und Psychologie am University College Dublin und im Anschluss Aufbaustudiengänge in Montessoripädagogik (1973–1974) in Sion Hill und Personalmanagement (1974–1976).[1][2]
Karriere
Nach ihrem Studium arbeitete sie einige Jahre als Vertreterin von Enzyklopädien in Kanada und als Vorschulpädagogin.[1]
Später schloss sie sich der irischen Sektion von Amnesty International an, die von Friedensnobelpreisträger Seán MacBride gegründet worden war. Zunächst arbeitete sie als Fundraiserin, 1975 wurde sie Mitglied des Vorstands, von 1983 bis 1987 Vorstandsvorsitzende, von 1988 bis 2000 war sie Direktorin der irischen Sektion.[3]
2001 gründete sie Front Line Defenders, eine Organisation zur Unterstützung gewaltfrei agierender Menschenrechtsaktivisten. Sie leitete die Organisation bis 2016 als Exekutivdirektorin.[3][4] Als ausführende Leiterin vertrat sie Front Line Defenders und spielte eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung der Organisation.[5]
Sie war maßgeblich an der Formulierung der EU-Leitlinien zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern beteiligt, die im Juni 2004 vom Rat der Europäischen Union verabschiedet wurden.[4][6] Die Leitlinien gelten als deutliches politisches Bekenntnis der EU-Institutionen und der Mitgliedstaaten zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern.[7] Sie dienten später auch Regierungen etwa in Norwegen, der Schweiz und den Vereinigten Staaten als Vorbild für eine stärkere Priorisierung des Schutzes von Menschenrechtsverteidigern.[7]
Seit Juli 2016 ist sie außerordentliche Professorin für Wirtschaft und Menschenrechte an der Business School des Trinity College in Dublin. Sie ist im Centre for Social Innovation der School of Business des Trinity College Dublin tätig und gehört dem Advisory Board der School of Business an.[5]
Sonstige Aufgaben
Lawlor ist Mitglied der Vorstände des Irish Council for Civil Liberties, des University College Dublin Centre for Ethics in Public Life und des Norwegian Human Rights Fund.[3]
Im März 2020 wurde Lawlor als Nachfolgerin von Michel Forst zur Sonderberichterstatterin zur Lage von Menschenrechtsverteidigern beim UN-Menschenrechtsrat ernannt.[8] Sie trat das Mandat am 1. Mai 2020 an.[5] Die Ernennung erfolgte durch Beschluss 43/115 des UN-Menschenrechtsrats.[5]
Im März 2026 kritisierte Lawlor die strafrechtlichen Ermittlungen nach § 129 StGB gegen fünf Aktivistinnen und Aktivisten der ehemaligen Klimaschutzgruppe Letzte Generation als unverhältnismäßig.[9] Sie verwies dabei auf weitreichende Ermittlungsmaßnahmen wie GPS-Ortung, die Überwachung einer Pressetelefonhotline, Hausdurchsuchungen und die Beschlagnahmung der Webpräsenz der Gruppe während einer Spendenkampagne.[9] Die Kriminalisierung von Klimaaktivismus bezeichnete sie als „feige“ und warnte vor einem „Kipppunkt“, an dem friedlicher Protest fälschlicherweise mit Kriminalität oder Terrorismus gleichgesetzt werde.[9] Zivilen Ungehorsam stellte sie als traditionelles Mittel im Kampf für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte dar, das auch im Kontext der Klimakrise eine Rolle spiele.[9]
Auszeichnungen
- 2007 König-Baudouin-Preis für Front Line Defenders[1]
- 2008 Irish Life WMB Social Entrepreneur of the Year Award[10]
- 2011 Irish Tatler Woman of the Year Special Recognition Award[10]
- 2014 Ernennung zur Chevalière der französischen Ehrenlegion.[7] Sie erhielt die Auszeichnung in Dublin vom französischen Botschafter Jean-Pierre Thébault.[7]
- 2014 Ehrendoktorwürde des Trinity College Dublin[10]
- 2016 Deutsch-Französischer Preis für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit[3]
- 2017 Ehrendoktorwürde des University College Dublin[10]
- 2019 Dóchas Lifetime Achievement Award[10]
Privates
Sie ist seit 1979 verheiratet und hat drei Kinder.[1]