Mary Matilda Betham

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Mary Matilda Betham (* 16. November 1776 in Stradbroke, Suffolk; † 30. September 1852 in London) war eine englisch-britische Dichterin, Literatin und Miniaturporträtmalerin. Sie stellte von 1804 bis 1816 an der Royal Academy of Arts aus. Der erste von vier Gedichtbänden erschien 1797. Sechs Jahre lang erforschte sie bedeutende historische Frauen aus aller Welt und veröffentlichte 1804 A Biographical Dictionary of the Celebrated Women of Every Age and Country.[1][2]

Matilda Betham, zwischen 1790 und 1820

Leben

Betham war das älteste von 14 Kindern des Reverend William Betham aus Stonham Aspal, Suffolk, und seiner Ehefrau Mary Damant aus Eye, Suffolk. Ihr Vater erforschte die Genealogie des englischen Hochadels und des Baronetage‑Standes und veröffentlichte dazu mehrere Werke. Zudem war er Schulmeister und anglikanischer Pfarrer von Stoke Lacy, Herefordshire.[1][3]

Bethams Kindheit gilt als glücklich, wurde jedoch durch eine fragile Gesundheit beeinträchtigt.[2] Sie war weitgehend Autodidaktin und bildete sich vor allem in der Bibliothek ihres Vaters; aus dieser und aus seinem gelegentlichen Unterricht entwickelte sie ein Interesse an Geschichte und Literatur.[1] Sie erklärte später, ein wesentlicher Nachteil fehlender Schulbildung habe darin bestanden, dass sie die „Kunst der Rechtfertigung“ nicht gelernt habe. Schon früh rezitierte Betham Gedichte und las mit großem Eifer Theaterstücke und historische Werke.[2] Sie wurde zu Nähunterricht geschickt, „um meine zu strenge Hingabe an Bücher zu einzugrenzen“.[4] Auf Reisen nach London erlernte Betham die französische Sprache.[3]

Mit dem Wachsen der Familie wurden Möbel verkauft, um den Lebensunterhalt zu sichern, und obwohl sie nicht aus dem Elternhaus gedrängt wurde, sah Betham die Notwendigkeit, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.[2] Sie brachte sich daher das Malen von Miniaturporträts selbst bei.[1] Bei einem Aufenthalt bei ihrer Tante Isabella Beetham, selbst Künstlerin, lernte sie John Opie kennen, der ihre Cousine Jane Beetham Read unterrichtete, und erhielt während ihres Aufenthalts selbst Unterricht von ihm. Ihr Onkel Edward Beetham, der als Verleger tätig war, ermutigte sie zugleich, ihre schriftstellerischen Begabungen zu entfalten. 1796 studierte sie in Cambridge bei William Wordsworth und lernte Italienisch.[2][3][5]

1797 veröffentlichte Betham Elegies, and Other Small Poems, das Übersetzungen italienischer Gedichte sowie Arthur & Albina, eine druidische Ballade, enthielt. Samuel Taylor Coleridge, der 1802 das Gedicht To Matilda from a Stranger verfasste, zollt ihr Tribut, in dem er sie mit Sappho verglich und sie ermutigte, weiterhin Lyrik zu schreiben.[2][5]

Betham malte ansprechende, fein ausgearbeitete Miniaturporträts, die sie von 1804 bis 1816 an der Royal Academy of Arts ausstellte,[6] um finanziell unabhängig von ihren Eltern zu sein, die eine große Familie zu versorgen hatten.[2]

1804 veröffentlichte sie A Biographical Dictionary of the Celebrated Women of Every Age and Country, den Abschluss von sechs Jahren intensiver Forschung.[1][3] Das Werk enthält breite gestreute Kurzbiografien, von Maria Magdalena und Kleopatra über Katharina die Große bis hin zu zeitgenössischen Frauen. Unter dem Namen „Cresilla“ identifizierte Betham irrtümlich den männlichen Bildhauer Kresilas als Frau. Infolgedessen wurde Kresilas fälschlich in Judy Chicagos symbolische Geschichte der Frauen in der westlichen Zivilisation, The Dinner Party, am Gedeck für Sappho aufgenommen.

Betham war eng befreundet mit Robert Southey und dessen Ehefrau, mit Anna Laetitia Barbauld und ihrem Mann sowie mit Charles Lamb und dessen Schwester Mary. Weitere Bekannte in dieser Zeit waren JohnOpie, Fanny Margaretta Holcroft, Hannah More, Germaine de Staël und Samuel Taylor Coleridge. Sie schuf Porträts der Coleridges und der Southeys und verfasste ein Gedicht zur Hochzeit von Emma Isola, der Adoptivtochter der Lambs, mit EdwardMoxon.[5]

1808 erschien ihr zweiter Gedichtband, Poems.[1] Weitere Arbeiten veröffentlichte Betham anonym in Zeitschriften,[7] während sie zugleich in London öffentliche Shakespeare‑Lesungen abhielt. Ihr erfolgreichstes Gedicht war Lay of Marie (1816), das auf der Geschichte der mittelalterlichen Dichterin Marie de France beruhte.[3] Es ist in Reimversen verfasst und enthält einen wissenschaftlichen Anhang, wie ihn Southey empfohlen hatte.[5] Southey erklärte auch, sie sei „wahrscheinlich die beste Dichterin ihres Zeitalters“.[8]

Trotz dieses Erfolges gab Betham ihre literarische Laufbahn nach einer Reihe von Kränkungen, gesundheitlichen Zusammenbrüchen, Unglücksfällen und familiären Umständen auf und kehrte aufs Land zurück.[1] So wurde etwa der Name der Heldin in Werbeanzeigen zu ihrem Buch als „Mario““ falsch gedruckt und ihr eigener Name falsch geschrieben; viele gedruckte Exemplare waren verschimmelt, und die Kosten für Werbung und Veröffentlichung brachten sie in finanzielle Bedrängnis. Sie verarmte und versuchte, durch Porträtmalerei Arbeit zu finden, was sich als schwierig erwies.[2]

Spätestens am 17.Juni1819 wurde Betham von ihrer Familie nach einem psychischen Zusammenbruch in eine Nervenheilanstalt eingewiesen; 1820 verhielt sie sich jedoch wieder normal im Handeln und im Gespräch.[2] Betham erklärte, sie habe an einem „Nervenfieber“ infolge der harten Arbeit und seelischen Belastung durch die Veröffentlichung von Lay of Marie gelitten und sei ohne Untersuchung oder Behandlung zu Unrecht in eine Anstalt gebracht worden.[2] Nach ihrer Entlassung zog sie nach London und hielt ihre Adresse geheim. GeorgeDyer erwirkte für sie erfolgreich Unterstützung aus dem Royal Literary Fund, der 1790 von DavidWilliams zur Hilfe für Schriftsteller gegründet worden war.[2]

Betham setzte sich für Frauenrechte ein, forderte eine stärkere Beteiligung von Frauen an parlamentarischen Angelegenheiten, und verfasste Challenge to Women, Being an Intended Address from Ladies of Different Parts of the Kingdom, Collectively to Caroline, Queen of Great Britain and Ireland. Darin wandte sie sich gegen die gegen Königin Caroline im Zuge ihrer gescheiterten Ehe mit König GeorgIV. erhobenen Vorwürfe und rief Frauen dazu auf, die Königin gegen staatliche Verfolgung zu unterstützen und eine Petition zu ihren Gunsten zu unterzeichnen.[2]

1822 wurde Betham von ihrer Familie erneut in eine Anstalt eingewiesen.[2] In den 1830er‑Jahren lebte sie mit ihren Eltern in Islington.[3] Um 1836 brachte sie ihre Trauer über den Tod mehrerer Geschwister in Sonnets and Verses, To Relations and their Connexions zum Ausdruck.[2]

Grabstein von Mary Matilda Betham auf dem Highgate Cemetery

In ihren späteren Jahren kehrte Betham nach London zurück.[3] Sie pflegte weiterhin ihre Freundschaften, ihre Liebe zur Literatur, ihren Witz sowie ihre anregende Gesprächsführung und Präsenz.[1] Gleichwohl fiel es ihr schwer, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie konnte eine zugesagte Unterstützung zur Veröffentlichung ihres Manuskripts Crow‑quill Flights nicht erlangen.[2]

Betham starb am 30.September1852 in London und wurde auf der Westseite des Highgate Cemetery neben ihrer ältesten Schwester Theresa, die ein Jahr zuvor verstorben war, beigesetzt.[1][2][7] Einige ihrer Briefe sowie eine biografische Skizze erschienen in Six Life Stories of Famous Women (1880) ihrer Nichte, der Schriftstellerin Mathilda Betham-Edwards.[9] Edwards veröffentlichte zudem eine Biografie über sie in Friendly Faces of Three Nationalities.[2]

Werke (Auswahl)

Literarische Werke

  • Elegies, and Other Small Poems. Jermyn & Forster, Ipswich 1797 (gutenberg.org).
  • A Biographical Dictionary of the Celebrated Women of Every Age and Country. B. Crosby and Co., London 1804 (archive.org).
  • Poems. Hatchard, London 1808 (gutenberg.org).
  • Lay of Marie. Rowland Hunter, London 1816 (archive.org).
  • Vignettes: In Verse. Rowland Hunter, London 1818 (gutenberg.org).
  • Caroline, Queen consort of George IV King of Great Britain. Moses, London 1821 (hathitrust.org).

Gemälde

  • Miss Armstrong (1808)
  • F. F. Baker, Esq (1805)
  • Harriot Beauclerk, Duchess of St Albans (1804)
  • Miss B. Betham (1811)
  • Miss E Betham (1806)
  • Mrs. J. Betham (1816)
  • Miss M. Betham (1805)
  • Mr. R. G. Betham (1810)
  • Mrs. R. G. Betham (1816)
  • Rev. William Betham (1810)
  • Rev. William Betham (1812)
  • Mr. Boughton (1806)
  • Sir C. R. Boughton (1806)
  • Miss R. Boughton (1807)
  • Miss Rouse Boughton (1805)
  • Miss Chesshyre (1806)
  • Mr. Cromie (1805)
  • Miss A. Dove (1816)
  • Miss Duncan (1810)
  • George Dyer] (1807)
  • Countess of Dysart (1804)
  • Rt. Hon. Lady Fauconberg (1806)
  • Mr. Finucane (1805)
  • Gaiety (1808)
  • Rt. Hon. Lady E. Gamon (1807)
  • Mrs. Colonel Gardner (1816)
  • Miss M. Graham'' (1807)
  • Mr. Manners'' (1804)
  • Miss Manners'' (1804)
  • Portrait of a lady' (1807)
  • Portrait of a lady'' (1808)
  • Portrait of Mr. de Venville, Mr. Southey the poet, and Messrs. C. and G. Betham (1808)
  • Mrs. Pymar (1812)
  • Mr. Saxon (1807)
  • Self portrait (1810)
  • Rev. P. Stockdale (1811)
  • Mrs. C. Thompson' (1807)
  • Master F. Thompson (1807)
  • Lady Wilson'' (1806)
Commons: Mary Matilda Betham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Mary Matilda Betham – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise

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