Mary Moloney
irisch-britische Suffragette
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Mary Moloney, eigentlich Horatia Dorothy Maloney Lancaster, geborene Horatia Charlotta (Moloney) O’Connor, auch Dolly und Malony, Molony oder O'Connor (* 29. September 1878 in Sandycove, Dún Laoghaire, County Dublin; † 1. Dezember 1921 in Richmond, London), war eine irisch-britische Suffragette.

Nach der Spaltung der Women’s Social and Political Union wurde sie 1908 Organisatorin des London Council der Women’s Freedom League.[1] Sie sorgte für Aufsehen, als sie Veranstaltungen zu einer Nachwahl in Dundee 1908 dadurch störte, dass sie jedes Mal eine Glocke läutete, wenn Winston Churchill versuchte, sich an die Menge zu wenden, und forderte, dass er sich für seine beleidigenden Äußerungen über die Frauenwahlrechtsbewegung entschuldige.[2][3][4]
Leben
Maloney wurde als Tochter von Edward O'Connor und Henrica Croasdella Moloney geboren.[5] Maloney zog nach London und heiratete 1911 Egbert T. Lancaster. Maloney trat wohl in die Women’s Social and Political Union (WSPU) ein, gehörte aber zu dem Teil der sich wegen des autokratischen Führungsstils der Pankhursts 1907 in die Women’s Freedom League (WFL) abspaltete.
1908 gab es im schottischen Dundee viele Aktivitäten für das Frauenwahlrecht, da der damalige Premierminister H. H. Asquith den Sitz für den benachbarten Wahlkreis East Fife innehatte und Winston Churchill bei den Nachwahlen 1908 als liberaler Abgeordneter für den Wahlkreis Dundee kandidierte.[2] WSPU wie WFL waren aktiv, und Mary Gawthorpe, Emmeline Pankhurst und Christabel Pankhurst hielten Versammlungen in Dundee ab. Maloney erzielte aber die meiste Aufmerksamkeit. Sie reiste aus London an und immer wenn Churchill sprach, holte sie eine Handglocke hervor und läutete sie, um seine Worte zu übertönen. Die resultierenden lautstarken Wortgefechte wurden zunächst als Spaß aufgefasst, doch einige Versammlungen mussten wegen des entstandenen Tumults abgesagt werden.[6] Über ihren Protest gegen die Nachwahl wurde in der Presse ausführlich berichtet. Die Zeitung The Irish Times veröffentlichte am 5. Mai 1908 einen Bericht über die Nachwahl, in der behauptet wurde, Maloney sei Churchill eine Woche lang gefolgt:[4]
„[Maloney] complained of a passage in a speech which the latter [Churchill] delivered on Saturday last, and in which, alluding to the women’s suffrage movement, he said «I have seen with some regret some most earnest advocates of the cause allying themselves with the forces of drink and reaction. They were carried shoulder-high, I am informed, by the rowdy elements, which are always to be found at a public house-made manifestation.» […] Amid great laughter Miss Maloney retorted that if any man attempted to lift her in his arms she would have boxed his ears. At the time appointed for him to address the meeting (and when there were about 500 or 600 present), Mr. Churchill drove up in his motor car only to find that the gathering was in full possession of the ladies […] who had the sympathy of a goodly majority of the crowd […] Mr. Churchill re-entered the vehicle and was about to speak from it when the Suffragette carriage came up, a lady inside loudly ringing a bell. The carriage drew close up to the motor, the bell clanging all the time, and creating so much din […] The lady said to be Miss Maloney shook her fist at the right hon. gentleman, and exclaimed in a loud voice: «Who is the strongest, an Irish woman or Mr. Winston Churchill?»“
„[Maloney] beschwerte sich über eine Passage in einer Rede, die dieser am vergangenen Samstag gehalten hatte und in der er in Anspielung auf die Frauenwahlrechtsbewegung sagte: ‚Ich habe mit einigem Bedauern beobachtet, wie sich einige der eifrigsten Verfechter dieser Sache mit den Kräften des Alkohols und der Reaktion verbündet haben. Ich habe erfahren, dass sie von den rowdyhaften Elementen, die bei öffentlichen Kundgebungen immer anzutreffen sind, auf den Schultern getragen wurden.‘ […] Unter großem Gelächter erwiderte Miss Maloney, dass sie jedem Mann, der versuchen würde, sie in seine Arme zu nehmen, eine Ohrfeige verpassen würde.
Zu der für seine Rede angesetzten Zeit (als etwa 500 bis 600 Personen anwesend waren) fuhr Herr Churchill in seinem Auto vor, nur um festzustellen, dass die Versammlung vollständig von den Damen beherrscht wurde […] die die Sympathie einer großen Mehrheit der Menge auf sich gezogen hatten […] Herr Churchill stieg wieder in sein Fahrzeug und wollte gerade von dort seine Rede halten, als die Kutsche der Suffragetten vorfuhr, in der eine Dame laut eine Glocke läutete. Die Kutsche hielt dicht neben dem Auto, die Glocke läutete ununterbrochen und verursachte einen solchen Lärm […] Die Dame, die als Miss Maloney benannt wurde, schüttelte ihre Faust in Richtung des Abgeordneten und rief mit lauter Stimme: ‚Wer ist stärker, eine irische Frau oder Winston Churchill?‘“
Über einen Glockengeläutwettbewerb im Aberdeenshire später im selben Jahr wurde mit der Überschrift Miss Maloney Overshadowed und mit einer Abbildung von ihr bebildert.[7] Während ihres Aufenthalts in Schottland sprach Maloney zudem vor WFL-Gruppen in Dundee und im Aberdeenshire.[8][9]

Am 27. Oktober 1908 nahm sie in London an einer koordinierten Demonstration teil, die von der WFL organisiert wurde.[10] Einem Zeitungsbericht zufolge fanden mehrere Aktionen zur gleichen Zeit statt. Eine Gruppe von Frauen befand sich in der Ladies’ Gallery des Unterhauses[11] und begann zu rufen: „Mr. Speaker, Mitglieder der liberalen Regierung, wir haben lange genug hinter dem Gitter zugehört. Die Frauen Englands fordern das Wahlrecht.“ Gleichzeitig wurde ein Plakat durch das Gitter der Ladies’ Gallery geschoben, auf dem stand: „Women's Freedom League demand votes for women“. Im Old Palace Yard vor dem Palace of Westminster fand eine Demonstration statt, in der auch Maloney war, und eine Zeitung berichtete, dass „vier sehr sportliche Suffragetten“ auf die Statue von Richard Löwenherz kletterten.[12][10][13] Maloney wurde anschließend verhaftet, nachdem sie sich „geweigert hatte, die Menschenmenge zu verlassen, und sich an den Beinen des Pferdes festhielt“,[10] aber ihre Geldstrafe von 5 Pfund wurde von einem Freund bezahlt, „sehr zu ihrem Leidwesen“.[14]
Am 18. Juni 1910 nahm sie an einer großen Demonstration in London teil, einem der ersten von der Wahlrechtsbewegung organisierten Massenaufmärsche. Sie marschierte in einer Gruppe von „Prisoners“, Suffragetten, die für die Sache bereits inhaftiert worden waren.[15][16]
Maloney starb kurz nach der Geburt ihres Sohnes in ihrem Haus in Richmond im Jahr 1921. In ihrem Nachruf in der Zeitung The Vote hieß es: Alle langjährigen Mitglieder der Women’s Freedom League waren zutiefst betrübt, als sie vom Tod unserer alten Genossin Dolly Malony erfuhren, die nach kurzer Krankheit verstorben war. Sie war ein kluges, hübsches und einfallsreiches kleines irisches Mädchen, das bei der historischen Wahl von Churchill in Dundee die Glocke läutete, nachdem die Frauen beschlossen hatten, dass er nicht sprechen durfte.”[17]
Maloney ist als „Miss Maloney“ in der sogenannten Roll of Honour of Suffragette Prisoners der Suffragette Fellowship aufgeführt.[18] Sylvia Pankhurst berichtet über einen Spitznamen für sie, „La Belle Maloney“, eine Anspielung auf die Glocke.[19] Die Glasgower Songwriterin Lainey Dempsey verfasste 2022 ein Lied über die Glocken-Episode, Mary LaBelle.[20]