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Massnahmenzentrum Uitikon

Institution des Kantons Zürich für eingewiesenen männliche Straftäter im Alter zwischen 16 und 25 Jahren From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) in Uitikon, Schweiz, hat als Institution des Kantons Zürich die Aufgabe, die eingewiesenen männlichen jungen Straftäter im Alter zwischen 16 und 25 Jahren zu befähigen, selbstständig und gesetzestreu zu leben und für ihre Lebensgestaltung in jeder Beziehung Selbstverantwortung zu übernehmen. Das MZU verfügt über 28 Vollzugsplätze in der geschlossenen und 30 in der offenen Abteilung.

Schnelle Fakten Informationen zur Anstalt ...
Massnahmenzentrum Uitikon
Schloss Uitikon
Informationen zur Anstalt
Name Massnahmenzentrum Uitikon
Bezugsjahr 1874
Haftplätze 58
Anstaltsleitung Carmelo Campanello
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Geschichte

Gründungsphase (1873–1926)

Ein Konkordat von Armenfürsorgen mehrerer Gemeinden des Bezirks Zürich richtete 1873/1874 im Schloss Uitikon, der ehemaligen Barockresidenz der Gerichtsherren von Uitikon, ein «Armenhaus mit verschärfter Disziplin» ein. Anlass dazu hatte die 1869 erfolgte Erneuerung der Kantonsverfassung gegeben, welche Subventionszahlungen an Zwangserziehungsanstalten ermöglichte.

1882 übernahm der Kanton Zürich die Trägerschaft der Einrichtung. Die Korrektionsanstalt, wie sie nun bis 1926 hiess, nahm bis zu 40 erwachsene, arbeitsfähige Personen beiderlei Geschlechts auf, welchen die Fürsorgebehörden «Arbeitsscheu» oder «Liederlichkeit» vorwarfen. Die Eingewiesenen, von denen rund 10 % Frauen waren, wurden zur Selbstversorgung in einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb beschäftigt, ausserdem in der Holzverarbeitung sowie in einer Schreinerwerkstatt und einer Schneiderei. 1920 wurden die alten Schlafsäle durch einen Neubau (später «Burschenhaus» genannt) ersetzt, der verteilt auf Einzel-, Dreier- und Viererzimmer maximal 50 Plätze bot.

Reformära unter Fritz Gerber-Boss (1926–1957)

Mit der Einführung des kantonalen Gesetzes über «die Versorgung von Jugendlichen, Verwahrlosten und Gewohnheitstrinkern» von 1925 wurde die Zürcher Anstaltslandschaft umstrukturiert und die Korrektionsanstalt in eine offen geführte Arbeitserziehungsanstalt (AEA) für junge Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren umgewandelt.

Als Verwalter amtierte von 1926 bis 1957 Fritz Gerber-Boss, der das neue Betriebskonzept massgeblich prägte. Unter Verzicht auf Sicherungsmassnahmen etablierte er ein hierarchisches Gruppensystem zur Selbstverwaltung der Eingewiesenen, das als pionierhaft galt. Mit seinen Kontroll- und Sanktionsmechanismen und dem Loyalitätsgebot gegenüber der Anstaltsleitung nahm das System allerdings zunehmend totalitäre Züge an, wie Berichte von Betroffenen, u. a. Arthur Honegger, belegen.

Eine vom Regierungsrat eingesetzte Untersuchungskommission stellte 1954 erhebliche Mängel im Anstaltsbetrieb fest und kritisierte unter anderem die ungenügende psychologisch-psychiatrische Betreuung. Für Gerber, der 1957 in den ordentlichen Ruhestand trat, blieb die Kritik weitgehend folgenlos; Hinweise auf ein modifiziertes Gruppensystem finden sich bis in die 1960er Jahre.

Dank Investitionen der Kantonsverwaltung in den «Musterbetrieb» erlebte die Anstalt unter Gerber ein starkes Wachstum und steigerte ihre Aufnahmekapazität ab den späten 1930er Jahren auf permanent über 80 Plätze. Die Mehrheit der Einweisungen erfolgte auf gerichtlichem Weg. Schätzungsweise ein Viertel bis ein Drittel der Internierten waren administrativ Eingewiesene, die mit Aufenthalten von bis zu drei Jahren häufig länger in der Anstalt verblieben als die strafrechtlichen Gefangenen. Der Personaletat wurde unter der Leitung Gerbers nicht klar ausgewiesen. Um 1960 beschäftigte die Einrichtung 27 Angestellte zuzüglich der Beamten im Nebenamt (Arzt, Pfarrer, Psychiater).

Moderne Reformen und Medienbeobachtung (1970er–2000er Jahre)

Aufnahme vom August 1964

Durch die Aktionen der von der 68er-Bewegung angestossenen Heimkampagne und insbesondere die aufsehenerregende Massenflucht von 17 Jugendlichen im Herbst 1971 geriet die Anstalt in den Fokus der Medien. Kritisiert wurden vor allem Bestrafungen wie Kahlrasur, Essensentzug und wochenlanger Arrest.

Nach 1975 erfolgten massgebliche Reformen, so 1977 die Trennung der verschiedenen Gefangenengruppen und 1979 die Einführung eines Stufensystems mit geschlossener Eintrittsabteilung (GEA). Letzteres führte im Herbst 1979 zu neuerlichen Protesten linker und autonomer Kreise. Ausserdem steigerte das Konzept der GEA den Betreuungsaufwand, wodurch der Personalbestand sprunghaft auf 51 Vollzeit- und 14 Teilzeitstellen anstieg, während die Zahl der Eingewiesenen auf rund 40 Personen sank.

Die 2006 in Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) umbenannte Einrichtung startete im Herbst 2014 nach Umbauarbeiten mit einem neuen Betriebskonzept. 2023 bot die Anstalt insgesamt 64 Vollzugsplätze an.

Aktueller Betrieb

Rechtlicher Rahmen

Das MZU vollzieht folgende Rechtstitel:

  • Massnahmen für junge Erwachsene (Art. 61 StGB)
  • Schutzmassnahmen für Jugendliche (Art. 15 Abs. 2 und Art. 15 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 16 Abs. 3 JStG)
  • Freiheitsstrafen für Jugendliche ab sechs Monaten (Art. 25 Abs. 2 JStG)

Auftrag

Die Einrichtung arbeitet nach dem Konzept der Risikoorientierten Täterarbeit (ROTA), das als zentrales Leitmodell für alle Bereiche des MZU dient. Ziel ist es, die Rückfallwahrscheinlichkeit durch möglichst effiziente Deliktprävention und effektiven Opferschutz deutlich zu reduzieren. Nach ihrem Aufenthalt sollen die Jugendlichen dazu befähigt sein, ein selbstständiges und gesetzeskonformes Leben zu führen. Dabei ist es wichtig, dass sie lernen, Verantwortung für ihr eigenes Handeln und ihre Lebensgestaltung zu übernehmen.[1]

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten im MZU die Bereiche Sozialpädagogik, Therapie und Ausbildung eng zusammen. Die Berufsausbildung ist dabei ein zentrales Mittel, damit sowohl die Integration in den Arbeitsprozess als auch die soziale Integration eines jungen Straftäters gelingen kann.[2]

Neben der Berufsausbildung und dem Ausführen von Kundenaufträgen haben sich die MZU-Ausbildungsbetriebe auch auf das Herstellen von unkonventionellen Möbeln und Wohn-Accessoires spezialisiert. Die Produkte werden im eigenen Verkaufsladen angeboten.

Literatur

  • Sonja Furger: Uitikon und seine Anstalt: eine Beziehungsgeschichte. Erster Teil: Von der Anstaltsgründung bis zum Jahr 1926. In: Uitikon. Weihnachtskurier 2007, Zürich 2007, S. 7–42.
  • Sonja Furger: Uitikon und seine Anstalt: eine Beziehungsgeschichte. Zweiter Teil: Die Ära Fritz Gerber-Boss (1926–1957/1961). In: Uitikon. Weihnachtskurier 2008, Zürich 2008, S. 7–52.
  • Sonja Furger: Uitikon und seine Anstalt: eine Beziehungsgeschichte. Dritter Teil: Ankommen in der Gegenwart. In: Uitikon. Weihnachtskurier 2009, S. 9–61.
  • Loretta Seglias et al.: Alltag unter Zwang. Zwischen Anstaltsinternierung und Entlassung. Zürich 2019.

Einzelnachweise

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