Mathilde Clasen-Schmid

deutsche Schriftstellerin, Übersetzerin und Frauenrechtlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Mathilde Clasen-Schmid (manchmal auch Clasen-Schmidt, Pseudonym: Curt von Wildenfels bzw. C. von Wildenfels) (* 4. August 1834 in Wildenfels; † 5. Dezember 1911 in Leipzig) war eine deutsche Schriftstellerin, Übersetzerin und Frauenrechtlerin.

Mathilde Clasen-Schmid, um 1897

Leben und Wirken

Mathilde Schmidt wurde als jüngste Tochter des Gutsverwalters und späteren Geodäten[1] Johann Wilhelm Schmidt und seiner Frau Wilhelmine Louise geboren. Sie wuchs zunächst bei ihren Großeltern auf, bevor sie 1847 zu ihren seit dem Jahr zuvor[1] in Leipzig lebenden Eltern zog. In Leipzig besuchte sie die 1. Bürgerschule und bekam Privatunterricht u. a. in Französisch und Italienisch. 1857 ging sie nach Kongresspolen und arbeitete dort u. a. in Warschau, Kalisz und Lublin als Erzieherin, Lehrerin und Gesellschafterin in polnischen und russischen Privathaushalten bzw. in einer Privatschule. 1858 schloss sie in Warschau erfolgreich eine Ausbildung zur Lehrerin für die französische und deutsche Sprache ab, 1861 kehrte sie nach Leipzig zurück, um aber bald darauf nach Paris zu gehen. Dort heiratete sie 1862 den Kaufmann Gustav Adolf Quasdorf, der kurze Zeit nach der Eheschließung 1863 an Typhus starb. 1865 ging Mathilde Schmidt endgültig nach Leipzig zurück, um als Privatlehrerin zu arbeiten.

In Leipzig lernte sie 1870 den Historienmaler und Publizisten Lorenz Clasen kennen, den sie 1873 heiratete. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete sie zunächst als Übersetzerin und ab etwa 1880 als Schriftstellerin. Dem Zeitgeist entsprechend gab z. B.ihr späterer Hausverlag Leipziger Hoffmann & Ohnstein die deutsch-französischen Modezeitschriften Revue des Modes Parisiennes, La Couturière Parisienne und La Modiste de Paris heraus, für die sie zwischen 1877 und 1899 neben als Übersetzerin auch als Redakteurin und Autorin arbeitete. Bis Anfang der 1880er Jahre verfasste sie ihre Schriften unter dem Pseudonym Curt von Wildenfels, ab dann nutzte sie den Künstlernamen Mathilde Clasen-Schmid für ihre Publikationen und öffentlichen Auftritte. Unter ihrem Pseudonym Carl von Wildenfels veröffentlichte sie noch 1887 den autobiografisch angehauchten Roman Aus russischen Kreisen, der zuvor bereits als Fortsetzungsroman in einer der Modezeitschriften erschienen war.

Im Oktober 1890 gründete Clasen-Schmid den Leipziger Schriftstellerinnen-Verein, dem sie bis zu ihrem Tod vorstand und in dem sie Schriftstellerinnen und Frauenrechtlerinnen um sich scharte. Bekannteste Mitglieder und später auch Ehrenmitglieder waren die Wegbereiterinnen der deutschen Frauenbewegung Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt. Als Organ für die Vereinsmitteilungen konnte sie ab 1900 die von Hugo Rösch herausgegebene Fachzeitschrift Die literarische Praxis[2] gewinnen. Zwischen 1894 und 1906 war Clasen-Schmid zudem Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Leipzig im Allgemeinen Deutschen Frauenverein. Dort und u. a. im Leipziger Frauenbildungsverein hielt sie zahlreiche Vorträge und Referate, die auch teilweise veröffentlicht wurden.[3]

Clasen-Schmid publizierte Erzählungen, Novellen und Romane sowie Sachbücher zu den Themen Mode, Kostüm und Handarbeit. Sie hatte ihre Bücher teilweise selbst mit Holzschnitten illustriert.

Mathilde Clasen-Schmid, um 1907

Ehrung

Zum Andenken an sie wurde im November 1912 die Mathilde-Clasen-Schmid-Stiftung ins Leben gerufen, um einmal jährlich kurz vor Weihnachten finanziell in Bedrängnis gekommene Schriftstellerinnen zu unterstützen.[4]

Schriften (Auswahl)

  • Musterbuch für Frauenarbeiten. Band 2. Hoffmann & Ohnstein, Leipzig 1881 (digital.slub-dresden.de [abgerufen am 17. April 2026]).
  • Handbuch für Frauenarbeiten. Eine Anweisung in der Anfertigung der verschiedenen Arten der Stickerei, Strickerei, Häkelei, Passementerie und sowie in der Verfertigung von Kleidern und Confectionen. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Hoffmann & Ohnstein, Leipzig 1883.[5]
  • Künstliche Blumen aus verschiedenem Material. Aus Stoffen, Papier [...] naturgetreu herzustellen. Nebst einem Anhang über Blumen- und Farben-Symbolik. Ein Handbuch für Blumenarbeiterinnen, Modistinnen und Dilettantinnen. Nach französischen Quellen bearbeitet und ergänzt. Hoffmann & Ohnstein, Leipzig 1886.[6]
  • Curt von Wildenfels (Pseud.): Aus russischen Kreisen. Roman. Peterson, Leipzig 1887.[7]
  • Das Frauencostüm in practischer, conventioneller und ästhetischer Beziehung. Vierzehn Capitel über die Hauptmomente der weiblichen Bekleidung. Hoffmann & Ohnstein, Leipzig 1888.[8]
  • Musterbuch für Frauenarbeiten. Band 1: Canevas-Stickerei – Strickerei – Häkelarbeit – Stickerei in Weiß und Bunt. 3. vermehrte und verbesserte Auflage. Hoffmann & Ohnstein, Leipzig 1893 (digital.slub-dresden.de [abgerufen am 17. April 2026]).
  • Jean Collin. Roman. Ehrlich, Leipzig 1904.[9]
  • Die bürgerliche Küche. Teutonia-Verlag, Leipzig 1908.[10]
  • Gesammelte Erzählungen. Band 2. 3. Auflage von Genrebilder und Skizzen. Erzählungen. Leipzig 1909.[11]
  • Kinderlieder. Kindliche Wünsche, vermischte Gedichte, Rätsel. Verlag deutsche Zukunft, Leipzig 1909.[12]
  • mit Leo Weißmantel: Ein Juliabend und andere Novellen. Hartung, Leipzig 1920, DNB 578282380.
  • Schicksalswege. Roman. 3. Auflage. Hartung, Leipzig 1921, DNB 572613784.

Literatur (Auswahl)

  • Clasen-Schmid, Mathilde, pseud. Carl von Wildenfels. In: Franz Brümmer (Bearb.): Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten des neunzehnten Jahrhunderts. Band 1: A bis Ge. Reclam, Leipzig 1895, S. 220–221 (digitale-sammlungen.de [abgerufen am 17. April 2026]).
  • Clasen-Schmid, Frau Mathilde. In: Das litterarische Leipzig. Illustriertes Handbuch der Schriftsteller- und Gelehrtenwelt, der Presse und des Verlagsbuchhandels in Leipzig. Fiedler, Leipzig 1897, DNB 57485116X, S. 86.
  • Clasen-Schmid, Frau Mathilde. In: Sophie Pataky (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Eine Zusammenstellung der seit dem Jahre 1840 erschienenen Werke weiblicher Autoren, nebst Biographieen der lebenden und einem Verzeichnis der Pseudonyme. Leipzig 1898, S. 128129 (literature.at [abgerufen am 16. April 2026]).
  • Clasen-Schmid, Mathilde. In: Deutsches Zeitgenosssenlexikon. Biographisches Handbuch deutscher Männer und Frauen der Gegenwart. Schulze, Leipzig 1905, Sp. 228 (archive.org [abgerufen am 17. April 2026]).
  • Clasen-Schmid, Mathilde. In: Bruno Volger (Hrsg.): Sachsens Gelehrte, Künstler und Schriftsteller in Wort und Bild. Volger, Leipzig 1907, DNB 1002967759.
  • Clasen-Schmid, Mathilde. In: Wilhelm Kosch (Begr.), Bruno Berger, Heinz Rupp (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Band 2: Bremer – Davidis. Francke, Bern und München 1969, ISBN 978-3-907820-02-5, Sp. 643–644.
  • Monika Badock: Die Schriftstellerin Mathilde Clasen-Schmidt. In: Erzgebirgische Heimatblätter. 33 (2011), Nr. 1, ISSN 0232-6078, S. 16–17.
  • Clasen-Schmid(t), Mathilde. In: Jochen Schmidt-Liebich: Lexikon der Künstlerinnen 1700–1900. Deutschland, Österreich, Schweiz. Saur, München 2005, ISBN 3-598-11694-2, S. 82.
  • Manfred Leyh, Heiner Thurm: Mathilde Clasen-Schmid (1834–1911). Pseudonym Curt von Wildenfels. Eine biografische Skizze zur Mitbegründerin und langjährigen Vorsitzenden des Leipziger Schriftstellerinnen-Vereins. In: Gerlinde Kämmerer, Sandra Berndt (Hrsg.): Louise Otto-Peters und ihre literarischen Netzwerke. Berichte vom 22. Louise-Otto-Peters-Tag 2014 (= LOUISEum. Band 36). Sax-Verlag, Beucha und Markkleeberg 2015, ISBN 978-3-86729-160-6, S. 79–91.

Einzelnachweise

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