Mathilde Jörres

deutsche Unternehmerin und Stifterin From Wikipedia, the free encyclopedia

Mathilde Jörres (* 27. März 1833 in Lindau; † 27. Mai 1912 in München, Königreich Bayern) war eine deutsche Unternehmerin und Stifterin.

Mathilde Jörres

Leben

Mathilde Jörres war die Tochter eines Oberzollinspektors und hatte die Schwestern Dora und Josefine. Mathilde war die jüngste der Schwestern. Sie wurde Lehrerin und übernahm eine von ihrer Schwester gegründete private Mädchenschule.[1] Diese musste jedoch kurze Zeit später wieder geschlossen werden.[2]

Jörres unternahm eine Englandreise und von dieser kehrte sie mit der Geschäftsidee Stickereiprodukte herzustellen zurück. Da sie wie auch ihre Schwestern als Lehrerinnen auch in den unterschiedlichen Sticktechniken ausgebildet waren, konnten sie den Bedarf der Kirche in Süddeutschland nach 1850 auf prunkvolle Behänge und Priestergewänder bedienen und mit genau diesen Kenntnissen Geld verdienen.[2] Dabei setzte sie sich auch für das Recht der Frauen auf eine Berufstätigkeit und bessere Bildungsmöglichkeiten für Mädchen ein, welches mit der Revolution von 1848 aufgekommen war.

Ihr Stickinstitut wurde 1862 in München eröffnet, es bot jungen Mädchen eine Ausbildung und wurde zur „Kunststickereianstalt und Kirchenparamentenfabrik“ ausgebaut.[1] Der Betrieb exportierte seine Produkte in verschiedene Länder Europas und beschäftigte bis zu 100 Stickerinnen, von denen einige aus Notlagen kamen. Jörres bildete sie kostenlos aus und sorgte auch dafür, dass die Frauen Essen und Wohnraum hatten. Einen neuen Kunden gewannen Mathilde Jörres und ihre Schwester Dora Anfang der 1870er Jahre. König Ludwig II. bestellte Stickereien für seine Kutsche und für seine Schlösser Herrenchiemsee, Linderhof und Neuschwanstein.[2] Unter den Produkten waren reich bestickte Vorhänge, Tisch- und Tagesdecken. Doch es wurden bei den Schwestern auch die Bettvorhänge für das wichtige „Chambre de parade“ von Herrenchiemsee bestellt. Die Rückwand mit dem schlafenden Amor wurde mit 9800 Mark vergütet. Diese Summe entsprach dem dreifachen Jahresgehalt eines Professors an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste. Die Schwestern lieferten Waren im Wert von gut 165.900 Mark allein für das Paradebett, zuzüglich 2284 Mark Zoll für den Staat.[3]

Durch die gute wirtschaftliche Lage war es Mathilde Jörres möglich, sich noch stärker sozial zu engagieren. In München erwarb sie das ehemalige Hotel National an der Ottostraße 7, gründete 1878 den Verein „Marienstift“ und wandelte das Hotel in ein Wohnstift für alleinstehende Frauen um.[2] Jörres wurde 1890 die Vorsteherin des ersten privaten Münchner Damenstifts, das alleinstehenden berufstätigen Frauen als Unterkunft diente.[1] Bis ins hohe Alter blieb Mathilde Jörres für das Stift aktiv. Vom Verein wurde es 1888 in eine „selbständige Wohltätigkeitsstiftung“ umgewandelt und „landesherrlich anerkannt“. Es ist bis heute existent.[4]

Mathilde Jörres starb am 27. Mai 1912 in München. Sie wurde auf dem Alten Südlichen Friedhof bestattet.[5]

Ehrungen

1875 wurde Mathilde Jörres wurde zu Lebzeiten vom Bayerischen König Ludwig II. mit der Ludwigsmedaille Abteilung für Industrie ausgezeichnet.[4]

Prinzregent Luitpold zeichnete sie 1903 anlässlich ihres 70. Geburtstages und des 25-jährigen Bestehens des Marienstifts mit der Medaille des Verdienstordens der Bayerischen Krone aus.[4]

Das Marienstift wurde noch lange nach ihrem Tod so sehr mit seiner Stifterin identifiziert, dass man vom Jörresstift sprach und nicht vom Marienstift.[4]

Eine Stele wurde für Mathilde Jörres in der Münchner Klugstraße im Bezirk Neuhausen-Nymphenburg errichtet.[6]

Mathilde Jörres wurde in ihrer Geburtsstadt Lindau mit einem FrauenOrt gewürdigt.[2]

Literatur

Einzelnachweise

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