Mauerner Höhlen
Karsthöhle im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen in Bayern
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Die Mauerner Höhlen, auch Weinberghöhlen von Mauern genannt, sind natürliche Karsthöhlen nordwestlich der Ortschaft Mauern, einem Ortsteil der oberbayerischen Marktgemeinde Rennertshofen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen in Bayern. Die Höhlen liegen im linken Talhang des Wellheimer Trockentals, einem Seitental des Altmühltales im Naturpark Altmühltal.
| Mauerner Höhlen | ||
|---|---|---|
| Lage: | Mauern (Rennertshofen), Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, Bayern, Deutschland | |
| Höhe: | 425 m ü. NN | |
| Geographische Lage: | 48° 46′ 29,5″ N, 11° 3′ 12″ O | |
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| Geologie | Gebankter Dolomit (Oberjura) | |
| Typ | Horizontalhöhlensystem | |
| Beleuchtung | keine | |
| Gesamtlänge | 121 m | |
| Website | Mauerner Höhlen | |
Beschreibung
Die Höhlen sind vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als bedeutendes Geotop (185H003[1]) und Naturdenkmal ausgewiesen. Im Höhlenkataster Fränkische Alb werden die Höhlen als L 9a – L 9e geführt. Sie bilden ein Karsthöhlensystem. Die geologische Formation des Oberen Jura (Malm Zeta 5) stellt hier eine Riffschuttfazies dar.
Lage und Topographie
Das Höhlensystem besteht aus fünf Einzelhöhlen mit insgesamt sieben Höhleneingängen. Diese liegen rund 20 m über der Talsohle auf etwa 425 m ü. NHN. Das Areal um die Höhlen ist als Naturschutzgebiet Mauerner Höhlen ausgewiesen.[2] Die Gesamtlänge des Höhlensystems beträgt 121 m, die Gesamtfläche ca. 600 m².[3] Die Höhlen sind über einen unbefestigten Fußweg zugänglich.
Archäologische Ausgrabungen
Durch den Neuburger Heimatpfleger Michael Eckstein wurden 1935 erste mittelpaläolithische Funde geborgen. Ausgrabungen wurden 1936–1937 von Robert Rudolf Schmidt durchgeführt und unter Leitung von Assien Bohmers 1937–1938 fortgesetzt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden sie 1947–1949 unter Leitung von Lothar Zotz fortgesetzt. 1967 und 1974 führte Hansjürgen Müller-Beck nochmals Grabungen durch, wobei er einen einsturzgefährdeten „Zeugenblock“ abbaute und damit die stratigraphischen Erkenntnisse auf den bislang letzten Stand brachte. Wegen Einsturzgefahr und zum Schutz vor Raubgräbern sind die Eingänge seit 1977 vergittert.[4]
Menschen nutzten die Mauerner Höhlen bereits im späten Mittelpaläolithikum, die gesamte Schichtenfolge der Höhlen stammt aus der mittleren bis späten Würmeiszeit.[4] Zugehörige Steinwerkzeuge der unteren Schichten (G, H und I) wurden von Bohmers zunächst dem Moustérien zugeordnet, da dieser die basalen Schichten in das letzte Interglazial verortete. Die späteren Grabungen von Zotz zeigten, dass die darin enthaltenen Knochen einer kaltzeitlichen Fauna (Lagurus-Horizont) das letzte Interglazial ausschließen lassen. Zotz ordnete auch die ältesten Steinwerkzeuge dem Micoquien zu, während Müller-Beck in der unteren „Zone 5“ einen Komplex des Mousteriens aus der letzten Kaltzeit mit asymmetrischen Blattformen („sog. Faustkeilblätter“) sah.[5]
Auch in den darüber liegenden Schichten wurden eiszeitliche Tierknochen gefunden. Neben regelhaften Blattspitzen des Micoquiens (Schicht F) gibt es auch Steinwerkzeuge aus der Zeit des Gravettiens sowie chronologisch umstrittene Funde des Magdaléniens (Schichten C, D, E). Als diagnostisch für das Magdalénien wurde ein Mammutelfenbeinstäbchen von langschmalem Querschnitt mit seitlichen Einkerbungen angesehen, das von Bohmers als harpunenähnliche Elfenbeinspitze beschrieben wurde.[6] Die ergiebigste Fundschicht des Gravettiens enthielt eine große Zahl von Mammutknochen, die teilweise zu Geräten umgearbeit wurden. Bohuslav Klíma sah aufgrund der Knochenwerkzeuge und deren Verzierungen eine kulturelle Verbindung der Gravettienfunde zum mährisch-österreichischen Pavlovien und ordnete auch die Elfenbeinspitze dieser Zeitstellung zu.[7]
Einer der wichtigsten Funde war die ca. 27.000 Jahre alte Venusfigurine aus Kalkstein, die als Venus von Mauern bzw. „Rote von Mauern“ bezeichnet wird. Sie wurde 1948 in der jungpaläolithischen Fundschicht unter dem Felsdach zwischen den Höhlen 1 und 2 gefunden.
Literatur
- Assien Bohmers: Die Ausgrabungen in den Höhlen von Mauern. In: Forschungen und Fortschritte, Jg. 15, Nr. 14. 10. Mai 1939, S. 183–185, ISSN 0367-2794
- Assien Bohmers: Die Höhlen von Mauern. Palaeohistoria Bd. 1. Groningen 1951, S. 3–58, ISSN 2773-1723
- Wighard von Koenigswald, Hansjürgen Müller-Beck, Emma Pressmar: Die Archäologie und Paläontologie in den Weinberghöhlen bei Mauern (Bayern). Grabungen 1937–1967. (= Archaeologica Venatoria, Band 3). Institut für Urgeschichte, Tübingen 1974.
- Lothar Zotz (Hrsg.): Das Paläolithikum in den Weinberghöhlen bei Mauern. Quartär-Bibliothek, Bd. 2. Röhrscheid-Verlag, Bonn 1955.

