Maurice Magendie

französischer Romanist und Literaturwissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Maurice Magendie (mit vollem Taufnamen: Maurice François Joseph Magendie; * 22. Februar 1884 in Béziers; † 29. Juni 1944 im Weiler Chambon-de-Bavas in der Gemeinde Saint-Vincent-de-Durfort)[1] war ein französischer Romanist und Literaturwissenschaftler.

Leben

Maurice Magendie war der Sohn von Pierre Magendie, Schulleiter in Foix, und seiner Ehefrau Hortense. Er wuchs in Foix auf und, nach dem Umzug der Familie, in Chartres. Nach dem Abschluss des Gymnasiums studierte er Geisteswissenschaften an der Sorbonne und unterrichtete anschließend an einem Gymnasium in Toulon.[2] Wegen seiner Sehschwäche wurde er im Ersten Weltkrieg nicht an der Front eingesetzt und schließlich als „für den Militärdienst untauglich“ entlassen.[2] Er kehrte nach Toulon zurück, nahm seine Tätigkeit als Lehrer wieder auf und schrieb nebenher zwei Dissertationen zur französischen Literatur- und Kulturgeschichte, mit denen er von der Sorbonne zum Dr. phil. promoviert und habilitiert wurde:

  • La politesse mondaine et les théories de l’honnêteté, en France au XVIIe siècle, de 1600 à 1660, ein „monumentales Werk“[3] über die Entwicklungen der Ideale und der Normen der Höflichkeit in der Frühen Neuzeit, das zu einem Standardwerk wurde
  • L’Honneste Homme ou l’Art de plaire à la Cour, eine Untersuchung der gleichnamigen Savoir-vivre-Schrift von Nicolas Faret, die die Kunst des „feinen“ Umgangs an den Adelshöfen lehren sollte

Zudem veröffentlichte Magendie mehrere Bücher über den Schäferroman L’Astrée von Honoré d’Urfé. Ab 1932 war er Gymnasiallehrer in Paris.

1936 wurde Magendie Privatdozent an der Philosophischen Fakultät der Universität Straßburg. Zum 1. Januar 1937 berief sie ihn zum Professor.[2] Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Universität Straßburg nach Clermont-Ferrand evakuiert. Nachdem das Elsass als CdZ-Gebiet der „reichsdeutschen Zivilverwaltung“ unterstellt worden war (was viele Elsässer wie eine Annexion durch das Deutsche Reich empfanden) und die Université de Strasbourg 1941 durch die Reichsuniversität Straßburg ersetzt wurde, verließen Maurice Magendie und seine Ehefrau Marguerite, geb. Chazal, Straßburg. Sie fanden Unterkunft im Weiler Chambon-de-Bavas in der Gemeinde Saint-Vincent-de-Durfort.

Ende Juni 1944 erhielten deutsche Besatzungstruppen die Nachricht, dass sich eine Gruppe von Maquisards in die Wälder am Col du Moulin à Vent, 5 km südwestlich von Chambon-de-Bavas zurückgezogen hatte: Soldaten der Wlassow-Armee,[4] die die Wehrmacht zur Partisanenbekämpfung einsetzte, durchsuchten das Umland. Magendie, der fließend Deutsch sprach, ging ihnen entgegen, um die Soldaten zu bitten, die Bürger von Chambon-de-Bavas zu verschonen. Er nahm eine Aktentasche mit Geld und Schmuck mit. Weil er nicht zurückkehrte, suchte ihn seine Frau, nachdem die Soldaten weitergezogen waren. Sie fand ihn durch Folter schwer verletzt. Er starb kurz darauf.[5]

Ehrungen

  • Maurice Magendie ist einer der 197 Schriftsteller, die im Pariser Pantheon als im Zweiten Weltkrieg für Frankreich gestorbene Schriftsteller (französisch: Ecrivains morts pour la France) verewigt sind.[6]
  • Im Palais universitaire de Strasbourg, dem Hauptgebäude der Universität Straßburg, erinnert eine Gedenktafel an die Toten der Universität im Zweiten Weltkrieg, darunter Maurice Magendie.[7]
  • In Saint-Vincent-de-Durfort erinnert eine Gedenktafel am Kriegerdenkmal an Maurice Magendie.[2]

Schriften

  • La politesse mondaine et les théories de l’honnêteté, en France au XVIIe siècle, de 1600 à 1660, zwei Bände. Librairie Félix Alcan, Paris 1925; Neuausgaben: Genf 1970, 1979 und 1993.
  • L’Honneste Homme ou l’Art de plaire à la Cour. Presses Universitaires de France, Paris 1925; Neuausgaben: Paris 1932, Genf 1970 und 2011.
  • Du nouveau sur l’Astrée. Paris 1927.
  • Le Premier des grands romans français. L’Astrée. Analyse et extraits. Paris 1928.
  • L’Astrée d’Honoré d’Urfé. Paris 1929.
  • Le Roman français au XVIIe siècle. De l’Astrée au Grand Cyrus. Eugénie Droz, Paris 1932; Neuausgaben: Genf 1970, 1978.
  • als Herausgeber: Honoré d’Urfé: L’Astrée. Extraits. Paris 1935 (in der Reihe Classiques Larousse).

Literatur

  • Adolphe Demontès: L’Ardèche martyre. Crimes commis par les Allemands ou leurs serviteurs en violation du droit international public, les années sanglantes de 1942 à 1944. Mazel, Largentière 1946, darin das Kapitel: L’Affaire Magendie, S. 76–77.
  • Jean Fabre: Nachruf. In: Université de Strasbourg. Faculté des Lettres (Hrsg.): Mémorial des années 1939–1945. Paris 1947.
  • Georges Mongrédien: Art. Maurice Magendie. In: Association des Ecrivains Combattants (Hrsg.): Anthologie des écrivains morts à la guerre 1939–1945. Michel, Paris 1960, S. 480–481.

Fußnoten

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