Mauro Ferri

italienischer Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Mauro Ferri (* 15. März 1920 in Rom; † 29. September 2015 ebenda) war ein italienischer Jurist und Politiker des Partito Socialista Italiano (PSI) und des Partito Socialista Democratico Italiano (PSDI), der unter anderem von 1953 bis 1976 Mitglied der Camera dei deputati, zwischen 1972 und 1973 im Kabinett Andreotti II Minister für Industrie, Handel und Handwerk, von 1979 bis 1984 Mitglied des ersten Europäischen Parlaments sowie zwischen 1995 und 1996 Präsident des Verfassungsgerichtshofes war.

Mauro Ferri (1972)

Leben

Mitglied der Abgeordnetenkammer, Fraktions- und Parteivorsitzender

Mauro Ferri absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften, welches er mit einem „Laurea in giurisprudenza“ beendete, und war danach als Rechtsanwalt tätig. Er schloss zudem eine Promotion zum Doktor der Rechte ab und war anfangs von 1944 bis 1969 Mitglied der Sozialistischen Partei PSI (Partito Socialista Italiano). Bei den Parlamentswahlen am 7. Juni 1953 wurde er für den PSI erstmals zum Mitglied der Abgeordnetenkammer (Camera dei deputati) gewählt und gehörte dieser nach seinen Wiederwahlen am 25. Mai 1958, 28. April 1963, 19./20. Mai 1968 und 7. Mai 1972 von der zweiten bis zum Ende der sechsten Legislaturperiode vom 25. Juni 1953 bis zum 4. Juli 1976 an. Während seiner 23-jährigen Parlamentszugehörigkeit gehörte er verschiedenen Ausschüssen an und war unter anderem Mitglied des Ausschusses für Innere Angelegenheiten, politische und administrative Ordnung, religiöse Angelegenheiten, Unterhaltung, Sport und Presse (1. Juli 1953 bis 11. Juni 1958), des Ausschusses für Verfassungsangelegenheiten, Staatsorganisation, Regionen, allgemeine Vorschriften für den öffentlichen Dienst (12. Juni 1958 bis 30. Juni 1962, 1. Juli 1963 bis 20. Januar 1964, 16. März bis 23. November 1974), des Ausschusses für die Angelegenheiten des Vorsitzes des Ministerrates, Inneres, religiöse Angelegenheiten und Öffentliche Einrichtungen (12. Juni 1958 bis 30. Juni 1960, 1. Juli 1962 bis 15. Mai 1963), des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und Auswanderung (1. Juli 1963 bis 4. Juli 1976) sowie des Geschäftsordnungsausschusses (5. Juni 1968 bis 20. Januar 1969).

Er fungierte zudem vom 21. Februar 1956 bis zum 11. Juni 1958 als Sekretär des Sonderausschusses zur Prüfung des Verfassungsentwurfs Nr. 1942 bezüglich einer „Ermächtigung zur Einsetzung von Sonderrichtern in Steuersachen durch ordentliches Gesetz“ und des Entwurfs Nr. 1944 zur „Reform des Steuerstreitverfahrens“.[1] Innerhalb der PSI-Fraktion wurde er am 18. Juni 1958 Fraktionssekretär und fungierte zudem in der dritten Legislaturperiode vom 5. Juli 1962 bis zum 15. Mai 1963 als stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für die Angelegenheiten des Vorsitzes des Ministerrates, Inneres, religiöse Angelegenheiten und Öffentliche Einrichtungen (Commissione affari della presidenza del consiglio, affari interni e di culto, enti pubblici).[2]

Nachdem Ferri vom 1. Juli 1963 bis zum 1. Januar 1964 stellvertretender Vorsitzender der PSI-Fraktion war, übernahm er am 1. Januar 1964 von Pietro Nenni[3] die Funktion des Vorsitzenden der PSI-Fraktion und war vom 17. November 1966 bis 4. Juni 1968 Vorsitzender der gemeinsamen Fraktion der Sozialistischen Partei und der Sozialistisch-Demokratischen Partei PSDI (Partito Socialista Democratico Italiano). Als Nachfolger der Co-Sekretäre Francesco De Martino[4] und Mario Tanassi[5] übernahm er am 9. November 1968 den Posten als Politischer Sekretär der PSI und bekleidete diesen bis zu seiner Ablösung durch Francesco De Martino am 20. Mai 1969.[6] Daraufhin war er von Juli 1969 bis zu seiner Ablösung durch Mario Tanassi im Februar 1972 Politischer Sekretär der PSDI nach der Sozialistischen Vereinigung (unificazione socialista).[7]

Minister, Mitglied des Europäischen Parlaments und Präsident des Verfassungsgerichtshofes

Ferri (rechts) mit seinen beiden späteren Vizepräsidenten Luigi Mengoni und Enzo Cheli bei ihrer Berufung zu Richtern am Verfassungsgerichtshof (3. November 1987).

Im Kabinett Andreotti II fungierte er zwischen dem 26. Juni 1972 und dem 7. Juli 1973 als Minister für Industrie, Handel und Handwerk (Ministro dell’Industria, Commercio e Artigianato).[8] Nach seinem Ausscheiden aus der Abgeordnetenkammer am 4. Juli 1976 nahm er zunächst seine Tätigkeit als Rechtsanwalt wieder auf und wurde bei der ersten Europawahl zwischen dem 7. und 10. Juni 1979 für den PSDI zum Mitglied des Europäischen Parlaments gewählt, dem er als Vertreter Italiens vom 17. Juli 1979 bis zum 23. Juli 1984 in der ersten Legislaturperiode angehörte. Er schloss sich der Sozialistischen Fraktion an und war zwischen dem 17. Juli und dem 9. Dezember 1979 kurzzeitig Vorstandsmitglied der Fraktion. Er war zunächst vom 20. Juli 1979 bis zum 20. Januar 1982 Vorsitzender des Rechtsausschusses, dessen Mitglied er im Anschluss zwischen dem 21. Januar 1982 und dem 23. Juli 1984 angehörte, sowie vom 21. Januar 1982 bis zum 23. Juli 1984 Vorsitzender des Institutionellen Ausschusses. Darüber hinaus gehörte er zwischen dem 11. April 1983 und dem 23. Juli 1984 der Delegation für die Beziehungen zu den Jugoslawien als Mitglied an.[9]

Er wurde am 27. Oktober 1987 von Staatspräsident Francesco Cossiga[10] zum Richter am Verfassungsgerichtshof (Corte costituzionale)ernannt und am 3. November 1987 vereidigt. Für seine Verdienste wurde ihm am 19. November 1986 das Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik verliehen. Am 23. Oktober 1995 wurde er als bisheriger Vizepräsident als Nachfolger von Vincenzo Caianiello[11] zum Präsidenten des Verfassungsgerichtshofs gewählt und blieb bis zum 3. November 1996 im Amt, woraufhin Renato Granata ihn ablöste.[12]

Commons: Mauro Ferri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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