Max Reich (Physiker)
deutscher Physiker
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Leben und Werk
Reich studierte Physik in Heidelberg und Berlin, wo er 1899 bei Emil Warburg promoviert (Über elektrische Leitung reiner Substanzen[1]) wurde. In Heidelberg trat Reich der Verbindung Leonensia bei. 1900 ging er zu Hermann Theodor Simon am Physikalischen Verein in Frankfurt am Main und folgte diesem auch 1905 an das damals neu gegründete Institut für Angewandte Elektrizität der Universität Göttingen, bevor er nach Jena ging, wo er sich habilitierte und forschte.[2]
Nach seiner Habilitation verließ er Jena und ging 1909 zum Aufbau der Radioelektrischen Versuchsanstalt für Heer und Marine nach Göttingen, die er leitete. Im Sommer 1910 nahm er an der Studienreise der Zeppelin-Expedition nach Spitzbergen teil, die das Ziel hatte, die Möglichkeiten einer Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff zu erkunden.[3] 1914 wurde er Professor. Während des Ersten Weltkriegs war er zunächst Hauptmann der Artillerie und unternahm ab 1915 Torpedoversuche für die Kaiserliche Marine in Kiel (Leiter des Torpedo-Versuchskommandos). Dort war er auch am Einsatz der mit Simon entwickelten Lichttelegraphie und Lichttelefonie (über eine sprechende Bogenlampe) beteiligt, von der man sich beim Militär eine abhörsichere drahtlose Kommunikation versprach.
Danach ging er wieder an die Universität Göttingen, wo er als Nachfolger des 1918 verstorbenen Hermann Theodor Simon zunächst dessen Lehrstuhlvertretung und 1920 die Leitung des Instituts für Angewandte Elektrizität übernahm. 1920 wurde Reich ordentlicher Professor (erst außerordentlicher Professor, im selben Jahr erhielt er auch ein persönliches Ordinariat) für angewandte Elektrizität. Vom Wintersemester 1932/33 bis 1937 war er Dekan der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät. Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.374.362).[4] Auch 1939 war er wieder in der militärischen Forschung (Leiter des Nachrichtenmittelversuchskommandos der Marine) und auch schon vorher arbeitete er an seinem Institut mit dem Heereswaffenamt zusammen. 1940 ging er offiziell in den Ruhestand.
Neben der Funktechnik befasste er sich mit vielen anderen elektrischen Anwendungen wie Piezoelektrizität, Glühemission, Lichtbögen, Elektroakustik und mit Vakuumtechnik.
Seit 1937 war er ordentliches Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften.[5] Er erhielt die Gauß-Weber-Medaille der Universität Göttingen.
Literatur
- Martin Fimpel (Bearbeiter): Spezialinventar zur Geschichte der Mathematik und Naturwissenschaften an der Universität Göttingen von 1880–1933. Ein Führer zu den archivalischen Quellen (= Schriften des Universitätsarchivs Göttingen. Bd. 1). Göttingen 2002, S. 95 f. (Personalakten). – Digitalisat auf d-nb.info, abgerufen am 3. April 2026.
- Rainer G. Ulbrich: Max Reich. In: Karl Arndt (Hrsg.), Ruth Slenczka (Redaktion): Göttinger Gelehrte. Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in Bildnissen und Würdigungen 1751–2001. Wallstein, Göttingen 2001, ISBN 978-3892444855.
- Gerhard Rammer Die Nazifizierung und Entnazifizierung der Physik an der Universität Göttingen. Dissertation, Universität Göttingen 2004, S. 28, 31, 35, 38, 58, 81.(Digitalisat auf ediss.uni-goettingen.de, abgerufen am 3. April 2026; PDF, 2,51 MB).
Weblinks
- Literatur von und über Max Reich im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

