Max Régis
französischer Politiker
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Max Régis (geboren als Massimiliano Milano am 8. Juni 1873 in Sétif; gestorben 1950) war ein antisemitischer französischer Politiker während der Dritten Republik.

Vorbemerkungen
→ zum Hauptartikel Décret Crémieux
→ zum Hauptartikel Dreyfus-Affäre
Frankreich hatte 1871, nach dem Ende des Zweiten Kaiserreichs im annektierten Teil Algeriens das Décret Crémieux erlassen, das den dort lebenden Juden die volle Staatsbürgerschaft verlieh. Dieses Gesetz wurde von der politischen Rechten der in Algerien lebenden französischen Siedler abgelehnt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Frankreich in der Folge der Dreyfus-Affäre eine enorme Zunahme antisemitischer Ausschreitungen.
Leben
Anfänge
Max Régis wurde 1873 in Sétif geboren, das damals zum Département Constantine gehörte.[1] Seine Eltern, Émilie Guelpa und Jean Régis, genannt Milano,[2] waren Italiener; sein Vater war Schlosser, geboren in Riello, stammte aus Mosso Santa Maria (Piemont) und ließ sich 1864 als Schmiedearbeiter in Algerien nieder, wo er 1888 die französische Staatsbürgerschaft erhielt.[1] Er schuf sich dort eine komfortable Existenz, nachdem er bei der Compagnie ferroviaire de l’Est-algérien eingetreten war und sich als Unternehmer selbstständig gemacht hatte.[3] Max hatte neun Geschwister, darunter Louis[4], der sich ebenfalls als Aktivist betätigte.[5]
Im Alter von zehn Jahren ging Max Régis zum Studium an das Lycée Louis-le-Grand in Paris, kehrte dann zum Gymnasium in Algier zurück und legte schließlich sein Abitur in Geistes- und Naturwissenschaften in Montpellier ab. Bevor er sich 1896–1897 an der juristischen Fakultät in Algier einschrieb, unternahm er eine Studienreise nach Deutschland.[1]

Zunächst war er Chefredakteur des Progrès de Sétif, anschließend von 1897 bis 1904 Leiter der Zeitung L’Antijuif algérien[6], die eine Auflage von 20.000 Exemplaren erreichte.[7] Régis lebte in Algier zusammen mit Madame Gabaude, die eine so genannte „antijüdische Brasserie“ betrieb.[1] Von 1899 bis 1900 bestand in Algier die Zeitung L’Express algérien[8], die wie der Antijuif von Max Régis geleitet wurde, sich aber stärker auf politische Themen konzentrierte.
Politische Laufbahn
Anfang 1897 löste die Ernennung eines jungen Professors für römisches Recht namens Emmanuel Lévy[9] an der Rechtshochschule in Algier Streiks und antisemitische Demonstrationen von Studenten aus.[1][10] Diese Unruhen fanden einen Anführer in Max Régis, der darauf aus war, bei „Youpinades“[A 1] auf Juden loszugehen.[11] Unterstützt von seinem Bruder Louis Régis, leitete er die neu angekommenen Emigranten und junge Araber an, die für ihre Überfälle rekrutiert worden waren.[10] Ihm und seinen Anhängern gelang es, die Versetzung von Professor Lévy ins Mutterland zu erwirken, doch die Brüder Régis wurden vom Disziplinarrat zu einem sechsmonatigen Vorlesungsverbot für den Medizinstudenten Louis und zu zwei Jahren für Max verurteilt.[1][12]
1898 wurde er wegen eines Duells mit einer Person, die er in seiner Zeitung beleidigt hatte, zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt.[13] Im selben Jahr kandidierte mit Édouard Drumont einer der bekanntesten antisemitischen Politiker Frankreichs bei den Parlamentswahlen in Algier, was eine Welle von Anschlagen auf jüdische Personen und Einrichtungen auslöste.
Im November 1898 wurde die antijüdische Liste bei den Kommunalwahlen mit 36 Kandidaten gewählt.[14] Régis wurde Bürgermeister von Algier[15], was starke Einschränkungen für Juden in der Öffentlichkeit zur Folge hatte. Im Dezember wurde Régis von seinem Amt für drei Monate suspendiert und durch einen Präfekten namens Lutaud ersetzt.[16] Im Februar 1899 wurde er wegen Verherrlichung von Mord, Plünderung, Brandstiftung oder Diebstahl zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt, floh nach Spanien und kehrte nach seinem Freispruch im Revisionsverfahren zurück.[1][17]

Abberufung und späteres Leben
Am 9. Januar 1899 wurde Max Régis aufgrund beleidigender Äußerungen gegen die Staatsgewalt aus seinem Amt als Bürgermeister von Algier abberufen.[19] Er ging darauf nach Paris, bewarb sich um einen Parlamentssitz, wurde aber geschlagen.[20]
Sein Hauptgegner in Algier war zu dieser Zeit Étienne Laberdesque[21], ein Politiker der Parti républicain, radical et radical-socialiste, die damals ein Hauptgegner der Antisemiten in Frankreich war. Bei einer Auseinandersetzung dieser Gruppen wurde Régis am 29. April 1901 durch Revolverschüsse verletzt.[22] Der Historiker Bertrand Joly vertritt sogar die These, Laberdesque sei ein bezahlter Killer gewesen, der auf Régis angesetzt worden sei.[23] Bei einem Duell zwischen den beiden im Juni 1901 wurde Régis am Unterarm verletzt.[24]
1902 wurde er erneut zum Bürgermeister von Algier gewählt, wurde aber erneut sofort wieder abberufen. Er verließ Algerien daraufhin endgültig, wurde vergessen und starb 1950 irgendwo in den Pyrenäen.
Literatur
- Geneviève Dermenjian: Antijudaïsme et antisémitisme en Algérie coloniale 1830–1962. Presses universitaires de Provence, 2018, ISBN 979-1-03200178-3.
- Fernand Lafitte: Max Régis et son œuvre (avec portrait). Ernest Mallebay, 1898 (Max Régis et son œuvre auf Gallica).
Weblinks
- Régis, Max. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Angaben zu Max Régis in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Anmerkungen
- Das Wort Youpinade ist eine im 19. Jahrhundert in Frankreich aufgekommene rassistische und beleidigende Bezeichnung für Juden. Es setzt sich zusammen aus dem Wort Youpin, das eine extrem abwertende Bezeichnung für Juden ist (im Deutschen entspricht dem vielleicht Drecksjud) und dem eine Handlung ausdrückenden ade (Bedeutung wie in Maskerade, Charade). Siehe dazu erläuternd den Artikel Histoire du terme Youpin in der französischsprachigen Wikipédia.