Maxime Adam-Tessier
französischer Bildhauer (1920-2000)
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Leben
Maxime Adam wurde 1920 in Rouen als Sohn von Madeleine Pouchin und André Adam geboren. Seine Mutter stammte aus Yvetot, sein Vater aus Alençon. Letzterer besaß in Rouen ein großes Geschäft für Strickwaren. Adam-Tessier wuchs als Einzelkind auf und wurde von der langjährigen Kinderfrau Cécile betreut, die er später porträtierte. Er besuchte das Lycée Corneille und verbrachte seine Ferien bei Verwandten in Saint-Aubin-sur-Mer und Veules-les-Roses. Zwischen 1935 und 1937 hielt er sich regelmäßig im Manoir de Lammerville bei der Familie Rion auf. Dort lernte er den Abbé Carton kennen, einen ehemaligen Architekten, der ihn in Bildhauerei, Grafik, Zeichnung und Malerei unterrichtete. Nach dem Schulabschluss verbrachte Maxime Adam sechs Monate in London, wo er Anschluss an die Familie Heard fand. Bei dieser Familie wohnte er zwischen 1939 und 1951 häufig.[1]
1939 lernte er über seinen Freund Jean Lelong dessen Verlobte Claude Chevalier („Tita“) kennen. Über ihre Familie wurde er in Pariser Künstler- und Intellektuellenkreise eingeführt, zu denen unter anderem der Arzt Louis Chevalier und die Fotografin Yvonne Chevalier gehörten. Dort begegnete er Paul Éluard, Jean Paulhan, André Gide, Yves Tanguy, André Breton und dem Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin. Mehrere Jahre lang lebte er in Paris bei Michel Soupault, bevor er 1947 ein eigenes Atelier in der Impasse Nansouty bezog. Später zog er in ein weiteres Atelier in der Rue Schoelcher, das bis zu seinem Lebensende sein Arbeitsort blieb. Ab 1940 besuchte er die Académie Julian, wo er unter anderem mit Françoise Gilot studierte. Er arbeitete bei Souverbie und besuchte zusätzlich die Ateliers von Marcel Gromaire, Fernand Léger und André Derain. Während dieser Zeit verdiente er seinen Lebensunterhalt im Handel und als Schaufenstergestalter. 1942 wurde er Schüler von Charles Despiau und 1945 von Henri Laurens, durch den er Georges Braque kennenlernte. Ab 1943 gehörte er einem Widerstandsnetzwerk an und war nach der Landung der Alliierten als Minenräumer im Département Calvados eingesetzt. Von 1945 bis 1946 arbeitete er für die Benediktinerabtei Saint-Wandrille, wo er ein steinernes Pelikanrelief restaurierte.[1]
Im Atelier von Jean Lombard begegnete Maxime Adam Isabelle Rouault. Für sie fertigte er Abgüsse der Hände ihres Vaters Georges Rouault sowie später dessen Totenmaske an. Ende der 1940er Jahre lernte er Baptiste Marrey kennen, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. 1948 hatte er seine erste große Ausstellung in der Londoner Galerie Gimpel. Über den Galeristen Freddy Mayor lernte er Georges Duthuit kennen, der 1951 Trauzeuge bei seiner Hochzeit wurde. Auf Anregung des Bildhauers Henri-Georges Adam nahm er zunächst den Namen „Maxime Ardan“ an, danach die Form „Maxime Adam-Tessier“. Im Jahr 1948 reiste er zu seiner damaligen Verlobten Anne Cunningham nach Kanada, hielt Vorträge über zeitgenössische französische Kunst und unterrichtete an der École des Beaux-Arts in Winnipeg. Anschließend reiste er an die Westküste der Vereinigten Staaten sowie nach New York. 1951 heiratete Adam-Tessier Marion Lombard in Aix-en-Provence. Manuel Rosenthal komponierte die Musik für die Hochzeitsmesse, die von Rosenthals Ehefrau Claudine Verneuil gesungen wurde. 1957 wurde der gemeinsame Sohn Antoine geboren.[1]
In den 1950er Jahren war Adam-Tessier am Wiederaufbau zahlreicher Kirchen beteiligt, vor allem in der Normandie und im Elsass, häufig in Zusammenarbeit mit Léon Zack. 1953 fertigte er gravierte Schiefertafeln für die Kapelle des Passagierschiffs La Bourdonnais, 1954 die Galionsfigur des Frachtschiffs Le Balzac. Ende der 1950er Jahre lernte er den Londoner Galeristen Victor Waddington kennen, der ihm 1960 eine große Ausstellung widmete. In dieser Zeit entstand eine langjährige Freundschaft mit den Bildhauerinnen Elisabeth Frink und Mary Hutchinson. Maxime Adam-Tessier war ein leidenschaftlicher Segler und besaß mehrere Boote, mit denen er an der französischen Atlantikküste und in der westlichen Mittelmeerregion segelte. Später nahm er an Regatten zwischen Cowes und Dinard teil.[1]
Ab 1963 unterrichtete er regelmäßig als Gastdozent an verschiedenen Londoner Kunsthochschulen, darunter der Middlesex Polytechnic und dem Royal College of Art. Während dieser Zeit knüpfte er zahlreiche Kontakte innerhalb der britischen Kunstszene. 1964 erwarb er ein Haus in Plan-du-Castellet. Zwischen 1965 und 1979 schuf er im Rahmen des Programms „1 % artistique“[2] mehrere Werke, meist aus Edelstahl. Nach dem Tod von Georges Duthuit im Jahr 1974 fertigte er dessen Grabstein in Nizza an. 1973 gründete er die Vereinigung „Art Accord“, die den internationalen Austausch zwischen Kunsthochschulen förderte und die Unterstützung des British Council erhielt. Von 1972 bis 1986 war er Inspecteur principal im französischen Kulturministerium und an der Reform der Kunsthochschulen beteiligt. Er wurde zum Chevalier und später zum Officier des Arts et Lettres ernannt. In den späten 1970er Jahren begann er, sich intensiver mit Astronomie zu beschäftigen, und nutzte ein eigenes Teleskop. Einige seiner Arbeiten tragen Namen astronomischer Objekte. 1980 erlitt Adam-Tessier einen Herzinfarkt. 1982 reiste er nach Algerien und 1984 nach Patmos. Er erlernte Altgriechisch, um die Texte des Evangelisten Johannes im Original lesen zu können. 1986 musste er sich nach mehreren Angina-pectoris-Anfällen einer Bypass-Operation unterziehen. Danach widmete er sich verstärkt dem Zeichnen. In den 1990er Jahren unternahm er Reisen nach Granada, in die baltischen Staaten und erneut in die USA, bevor er 1995 einen weiteren Herzinfarkt erlitt. Zwischen 1996 und 1998 entstand seine letzte Arbeit in direkter Steinbearbeitung. Im Jahr 1996 wurde bei ihm ein Prostatakarzinom diagnostiziert. Adam-Tessier lebte in seinen letzten Jahren abwechselnd in Paris und im Plan-du-Castellet und unternahm weitere Reisen innerhalb Frankreichs. Er starb am 9. Juni 2000 und wurde auf dem Friedhof Montparnasse bestattet.[1]
Werk
Adam-Tessier arbeitete überwiegend als Bildhauer und schuf sowohl sakrale als auch monumentale Werke. Sein Œuvre umfasst Altäre, Tabernakel, Taufsteine, Kreuzwege und weitere liturgische Ausstattungen, zahlreiche Arbeiten im Rahmen des französischen „1 % artistique“ sowie freie plastische Werke in Stein, Holz und Edelstahl. Daneben entstanden grafische Arbeiten und zahlreiche Zeichnungen, insbesondere in seinen späteren Lebensjahren.[3]
Literatur
- Alden M. Hayashi: Two Nails, One Love, Black Rose Writing, Texas, 2021.
- Michel Seuphor: Plastik unseres Jahrhunderts, DuMont, Köln, 1959.
- Georges Mercier: L’Architecture religieuse contemporaine en France, Éditions Vincent, Paris, 1968.
- Jean Capellades: Guide des églises nouvelles en France, Éditions du Cerf, Paris, 1969.
- Allgemeines Künstlerlexikon: Maxime Adam-Tessier, De Gruyter, Berlin, 2009.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 1: A – Bedeschini. Paris, 2006.