Mayens-de-Sion
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Die Mayens-de-Sion sind ein Ferien- und Maiensäss-Gebiet in der Schweiz im Kanton Wallis. Es liegt zwischen 1250 m ü. M. und 1600 m ü. M. an einem Hang am linken Ufer der Rhone, oberhalb des Rhonetals und mit Blick ins Val d’Hérens (Eringertal). Das Gebiet erstreckte sich historisch über die Gemeinden Vex, Salins und Les Agettes und gehört seit den Gemeindefusionen von 2013 und 2017 zu Vex und Sitten.[1][2] Rund 500 Chalets liegen verstreut zwischen jahrhundertealten Lärchen.[1]

Name
Der Ausdruck Mayen bezeichnet eine Weide und Behausung in mittlerer Höhenlage, die ab dem Monat Mai genutzt wurde, woher der Name stammt. Das Vieh weidete dort im Frühjahr, bevor es im Sommer auf die Alp zog.[1] Der Name «Mayens-de-Sion» ist in älteren Dokumenten selten; erstmals 1871 belegt, verbreitete er sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem aufkommenden Tourismus.[2]
Geografie
Die Mayens-de-Sion liegen an einem bewaldeten Hang unterhalb des Ferienorts Thyon. Der Untergrund gehört zu den metamorphen Schiefern paläozoischen Alters der Walliser Alpen.[2] Der von Lärchen geprägte Wald wird vom Bisse de Vex und vom Bisse des Collons durchzogen, ehemaligen Bewässerungskanälen, die heute als Wanderwege dienen.[1][2]
Geschichte
Ursprünglich waren die Mayens-de-Sion Weiden in mittlerer Höhenlage, auf denen die Bauern ihr Vieh weideten und Heu ernteten; bereits 1433 stritten sich Les Agettes und die Burger von Sitten um Weiderechte. Ab dem frühen 17. Jahrhundert wich die landwirtschaftliche Nutzung zunehmend dem Bau von Sommerchalets, die von den Patrizierfamilien Sittens errichtet wurden, um der Hitze der Ebene zu entfliehen. Mehrere bedeutende Sittener Familien (de Torrenté, de Riedmatten, de Kuntschen, de Lavallaz, de Rivaz, de Kalbermatten, Ambuel) besassen dort Sommersitze.[2]
Das Gebiet gehörte einst zu zwei Herrschaften: Salins, ein Lehen der Burgerschaft von Sitten, und Les Agettes, ein Lehen des Bischofs von Sitten. Mit dem Ende des Ancien Régime 1798 kamen Vex und Les Agettes zum Bezirk Hérens, Salins zum Bezirk Sitten.[2][1]
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts öffneten sich die Mayens-de-Sion dem Sommertourismus mit deutscher, englischer, französischer, russischer und schweizerischer Gästeschaft. Das erste Hotel wurde 1880 von der Familie de Torrenté erbaut. Um 1900 gab es fünf Betriebe mit insgesamt rund 250 Betten (Dent d’Hérens, später Bon Accueil; Beau Séjour; la Forêt; Rosablanche; sowie das 1912 abgebrannte Grand Hôtel).[1][2] Der erste Winteraufenthalt wurde im März 1873 in der Gazette du Valais beschrieben; im Dezember 1907 fand im örtlichen Hotel ein erster Skikurs für Walliser Offiziere statt.[2]
Die 1938 gegründete Société de développement des Mayens-de-Sion ist einer der ältesten Verkehrsvereine des Kantons.[2][3]
Kulturgüter
Die Sittener Familien liessen mehrere Kapellen zwischen den alten Lärchen errichten.[1] Die Kapelle der Heimsuchung (Visitation) von 1680 ist die älteste; ihre geschnitzte Tür trägt das Wappen der Familie de Platea–de Riedmatten, und sie besitzt Glasfenster des Künstlers Richard Seewald. Die Burgerschaft von Sitten übernahm 2000 ihre Trägerschaft.[4] Die «weisse Kapelle» Notre-Dame du Bon Conseil entstand um 1770–1773 oberhalb des Bisse de Vex.[5]
Kultur
Der Walliser Maler Raphy Dallèves (1878–1940), einer der wichtigsten Vertreter der Walliser Bauernmalerei, verbrachte jeden Sommer mit seinem Bruder Étienne in den Mayens-de-Sion, wo er im Familienchalet wohnte und bis zu seinem Tod 1940 arbeitete. Das «Petit Chalet», ursprünglich eine Scheune der Familie de Riedmatten, ist auf seinem Gemälde Jeunes filles aux paniers (um 1920) zu erkennen.[2] Der Schriftsteller Georges Simenon hielt sich in den 1960er-Jahren in einem dortigen Chalet auf.[2]