Mechtild Höflich
deutsche Soziologin und Pädagogin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Mechtild Höflich (häufig auch Mechthild Höflich; * 27. Dezember 1925 in Haste, Landkreis Osnabrück als Mechtildis Engeline Luise Maria Schlömann; † 20. April 2009[1]) war eine deutsche Soziologin, Pädagogin und Hochschullehrerin.

Leben und Wirken
Höflich war eine Tochter des Pädagogen und Schulgründers Johannes Schlömann und seiner Ehefrau Maria Katharina geb. Niemann (1899–1990).[2][3] Ab Ostern 1932 besuchte sie die Volksschule in Sutthausen und ab April 1935 die Ursulinenschule in Osnabrück, auf der sie ein Jahr später in die Sexta der Oberschule aufgenommen wurde. Der Beruf ihres Vaters, dessen katholische Bauernschule kurz nach Beginn der Zeit des Nationalsozialismus geschlossen worden war, führte dazu, dass sie unter staatlichem Druck 1938 ihrerseits die konfessionell ausgerichtete Schule verlassen musste und fortan bis zum Abitur im Februar 1944 die städtische Oberschule für Mädchen in Osnabrück besuchte. Anschließend wurde sie statt eines Arbeitsdienstes als Schulhelferin in Wietmarschen eingesetzt.[4]
Im Herbst 1945 nahm Schlömann an einem auf das Universitätsstudium hinführenden Übergangskurs teil, der aufgrund der kriegsbedingt verkürzten Schulzeit erforderlich geworden war, und studierte ab Ostern 1946 Philosophie und Soziologie, anfänglich auch Geschichte, an der Universität Münster. Das Studium unterbrach sie für zwei Semester, um ihrem Vater beim Wiederaufbau der von ihm begründeten Landvolkshochschule in Rulle zu helfen. Anschließend wandte sich ihr Studieninteresse vermehrt der Pädagogik zu. Zum Sommersemester 1949 wechselte sie an die Ludwig-Maximilians-Universität München und studierte dort Philosophie, Soziologie und Pädagogik, unter anderem bei Alois Dempf, Alfred von Martin und Friedrich Schneider. Ab Winter 1951/52 wirkte sie darüber hinaus beim Aufbau der katholischen Landvolkshochschulen Bayerns mit.[4] Anfang 1953 wurde Schlömann bei Alois Dempf mit der Arbeit Die Denksoziologie Wilhelm Jerusalems zum Dr. phil. promoviert. Ab Herbst 1953 war sie Kursleiterin an der neu eröffneten Katholischen Landvolkshochschule in Petersberg.[5] Darüber hinaus betätigte Schlömann sich in dieser Zeit auch als Schriftleiterin zweier Zeitschriften der Katholischen Landjugendbewegung Bayerns und Süddeutschlands.[6][7]
Am 8. August 1954[8] heiratete sie ihren Münchner Studienkollegen Egbert Höflich (1929–2018), einen Theologen und späteren Ministerialbeamten, mit dem sie acht Kinder bekam.[9][10][11] Beide zogen nach Köln, wo sie in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig wurde, insbesondere in den Fachgebieten Ehefragen und Sexualerziehung.[12] Später war sie Professorin für Soziologie an der Kölner Fachhochschule für Sozialarbeit, wo sie gemeinsam mit Maria Mies das Projektstudium am Fachbereich Sozialpädagogik aufbaute.[13][11][14] Öffentlich in Erscheinung trat Höflich vor allem ab 1968 durch ihr Engagement im Ökumenischen Arbeitskreis Köln und für die von diesem initiierten Politischen Nachtgebete. In deren Folge rief sie auch eine Hilfsaktion für obdachlose Jugendliche ins Leben, die damals in größerer Zahl aus den Kölner Jugendheimen entliefen, vermittelte für diese Wohnungen an das Jugendamt und gewann Studenten und Sozialarbeiter, sich um sie zu kümmern.[10] 1968 gehörte sie auch zu den Mitunterzeichnern eines Memorandums des Bensberger Kreises zu deutsch-polnischen Fragen, später engagierte sich Höflich in der Friedensbewegung gegen den NATO-Doppelbeschluss von 1979.[15][16] Um 1980 war sie als stellvertretende Vorsitzende Mitglied der Studienreformkommission für das außerschulische Erziehungs- und Sozialwesen (SK II) des Landes Nordrhein-Westfalen.[17] 1993 erhielt sie den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.[18] Höflich war eine enge Freundin der bekannten Theologin und Dichterin Dorothee Sölle.[19][20] 2002 organisierte sie zusammen mit Sölle und Maria Mies nach langjähriger Unterbrechung nochmals ein kapitalismuskritisches politisches Nachtgebet in der Kölner Antoniterkirche.[21][22]
Mechtild Höflich lebte zuletzt im Windecker Ortsteil Wilberhofen und wurde auf dem Friedhof im benachbarten Dattenfeld beigesetzt.[23][1]
Schriften
- Die Denksoziologie Wilhelm Jerusalems: Eine grundlagenkritische Untersuchung. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 1953.
- Feste und Feiern. In: Zentralkomitee der deutschen Katholiken (Hrsg.): Kirche und Landvolk. Arbeitstagung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Würzburg / Herbst 1953. Verlag Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1953, S. 133–137.
- Mein Vater Johannes Schlömann. In: Katholische Landvolkshochschule Oesede (Hrsg.): Festschrift 30 Jahre katholische Landvolkshochschule: von Haste über Sutthausen, Rulle nach Oesede. 1929–1959. Franz Josef Levien, Osnabrück 1959, S. 18–22.
- Die Mutter. In: Zwei in eins gegeben: der gemeinsame Weg. Verlag Wort und Werk, Köln 1963, S. 63–66.
- Zur Situation der Frau in der Kirche. In: Diakonia, 2. Jahrgang (1967), Heft 4, S. 248–250. (diakonia.digitheo.de)
- (mit Egbert Höflich) Stellungnahme zur Enzyklika »Humanae vitae«. In: Diakonia, 3. Jahrgang (1968), Heft 5, S. 309–311. (diakonia.digitheo.de)
- (mit Michael Dohle und Egbert Höflich) CSSR – Santo Domingo – Vietnam. In: Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky: Politisches Nachtgebet in Köln. Band 1, Kreuz-Verlag, Stuttgart/Berlin 1969, S. 13–28.
- (mit Jakob David) Christliche Ehe ohne Zukunft? Ihre Rolle in der neuen Gesellschaft. Jakob David antwortet Mechtild Höflich (= Das theologische Interview, Nr. 6). Patmos-Verlag, Düsseldorf 1969.
- (u. a. mit Fulbert Steffensky) Zur Kritik der Praxis: Ein Gruppengespräch. In: Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky (Hrsg.): Politisches Nachtgebet in Köln. Band 2, Kreuz-Verlag, Stuttgart/Berlin 1970, ISBN 3-7867-0301-9, S. 183–196.
- Verein zur Förderung und Betreuung spastisch gelähmter Kinder und anderer Körperbehinderter (Hrsg.); Mechtild Höflich: Behindertes Kind in der Familie. Düsseldorf ca. 1976. [Vortrag]
- Fachhochschulen und ihr Praxisbezug zu den Institutionen. In: Neue Praxis, ISSN 0342-9857, 9. Jahrgang (1979), Heft 3, S. 313–318.
- (u. a. mit Nando Belardi) Didaktik und Methodik sozialer Arbeit (= Soziale Arbeit, Band 4). Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-425-07754-6.
- (mit Werner Springer) Probleme des Praxisbezuges in den Studiengängen der Sozialpädagogik und Sozialarbeit an Fachhochschulen und Gesamthochschulen. In: Siegfried Keil, Gerd Bollermann, Wolfgang Nieke (Hrsg.): Studienreform und Handlungskompetenz im außerschulischen Erziehungs- und Sozialwesen. Ein Zwischenbericht aus der Arbeit der Studienreformkommission II – Außerschulisches Erziehungs- und Sozialwesen – des Landes Nordrhein-Westfalen. Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied/Darmstadt 1981, ISBN 3-472-58052-6, S. 89–101.
- Friedensarbeit durch Sozialarbeit? In: Theorie und Praxis der sozialen Arbeit, ISSN 0342-2275, 34. Jahrgang, Heft 1 (Januar 1983), S. 11–15.
- Über Mitgliedschaft in einer Friedensgruppe. In: Gruppendynamik: Zeitschrift für angewandte Sozialpsychologie, ISSN 0046-6514, 15. Jahrgang, Heft 4 (Dezember 1984), S. 343–353.
- Vilma Sturm: Die Lust, etwas zu verändern. In: Christine von Weizsäcker, Elisabeth Bücking (Hrsg.): Mit Wissen, Widerstand und Witz: Frauen für die Umwelt. Herder, Freiburg im Breisgau 1992, ISBN 3-451-04093-X, S. 118–131.
- (u. a. mit Ute Projahn) Die Sicht der betroffenen „Zöglinge“ seit den 60er Jahren: Zeitzeugen über ihre Erfahrungen. In: Landesjugendamt des Landschaftsverbandes Rheinland (Hrsg.): Spiel nicht mit den Schmuddelkindern: 100 Jahre Umgang mit Randgruppen in der Öffentlichen (Ersatz-)Erziehung. Köln o. J. (1997/2001), S. 60–70. [Tagungsdokumentation]