Meister des Heisterbacher Altars

spätgotischer Maler (15. Jahrhundert) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Meister des Heisterbacher Altars war ein spätgotischer Tafelmaler, der um 1440/60 in Köln arbeitete.

Name

Der Name dieses manchmal als Schüler von Stefan Lochner gesehenen Künstlers[1] ist nicht bekannt. Er erhielt seinen Notnamen nach seinem dreiteiligen Altar, den er vor 1448 für das Zisterzienserkloster Heisterbach bei Königswinter geschaffen hat.[2] Nach Auflösung des Klosters 1806 blieben davon zwei gemalte Flügel erhalten; der Verbleib des vermutlich geschnitzten Mittelteils ist nicht bekannt.[3] Die erhaltenen Teile des Heisterbacher Altars zeigen in der Innenseite Szenen aus dem Leben Jesu und Mariens und im geschlossenen Zustand einzelne Heilige. Diese werden heute im Wallraf-Richartz-Museum in Köln und seit Übernahme der Sammlung Boisserée 1827 in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und mehreren anderen Museen in Deutschland aufbewahrt.

Kunsthistorische Bedeutung

Der Meister des Altars von Heisterbach wird wegen seiner Interpretation des Weichen Stils nicht zu den führenden Vertretern der Kölner Schule gezählt und steht auch in der Kunstfertigkeit seiner Ausführung anderen Meistern wohl etwas nach; trotzdem können Betrachtung und Analyse seiner Bilder Einblick in die Entwicklung der Malerei im Köln der Zeit vor Stefan Lochner geben.[4] Den Heisterbacher Altar allerdings als mögliches Frühwerk Lochners selbst zu sehen, bleibt sehr umstritten.[5]

Werke (Auswahl)

  • Verkündigung (in Verbindung mit Stefan Lochner)
    Anbetung der Könige
    Tafeln aus dem Hochaltarretabel des Zisterzienserklosters Heisterbach (um 1440, Eichenholz), eventuell unter Mitarbeit von Stefan Lochner
    • Verkündigung (100,1 × 74,5 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 589)[6]
    • Heimsuchung Mariens (100 × 74,5 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 590)[7]
    • Geburt Christi (100 × 74,5 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 591)[8]
    • Anbetung der Könige (100 × 74,2 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 592)[9]
    • Christus am Ölberg (99,8 × 73,5 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 593)[10]
    • Gefangennahme (99,5 × 73,7 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 597)[11]
    • Christus vor Pilatus (99,5 × 73,7 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 598)[12]
    • Geißelung und Dornenkrönung (100,5 × 74,5 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum, Inv. Nr. WRM 72)[13][14]
    • Kreuztragung Christi (99,6 × 73,7 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 599)[15]
    • Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes (101,5 × 74,2 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum, Inv. Nr. WRM 863)[16]
    • Grablegung (100,8 × 74,6 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum, Inv. Nr. WRM 73)[17]
    • Auferstehung (102,2 × 75,5 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum, Inv. Nr. WRM 762)[18]
    • Christus erscheint den 11 Jüngern (100,2 × 74,6 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 594)[19]
    • Himmelfahrt Christi (99,6 × 74,1 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 600)[20]
    • Pfingstwunder (100 × 74,6 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 595)[21]
    • Tod Mariens (99,7 × 74,7 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 596)[22]
    • Der hl. Benedikt und die Apostel Philippus, Matthäus und Jakobus d. J. (200,3 × 148,8 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 587)[23]
    • Die Apostel Bartholomäus, Simon, Matthias und der hl. Bernhard (200,2 × 148,9 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 588)[24]
    • Schutzmantelursula (182,7 × 122,1 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum, Inv. Nr. WRM 74)[25]
  • Kreuzigungsaltar (um 1430/40, Eichenholz), eventuell unter Mitarbeit von Stefan Lochner
    • Christus am Kreuz, Maria und die Apostel Jakobus d. Ä., Petrus, Johannes Ev. Andreas, Thomas und Bartholomäus (132,8 × 164,4 cm, München, Alte Pinakothek, Inv. Nr. WAF 503)[26]
    • Apostel Simon, Judas Thaddäus und Matthias (134,8 × 76,7 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 505)[27]
      • Rückseite: Hl. Gereon
    • Apostel Philippus, Matthäus und Jacobus d. J. (134,7 × 77,2 cm, Bamberg, Staatsgalerie, Inv. Nr. WAF 504)[28]
      • Rückseite: Hl. Christophorus
  • Zwei Tafeln aus einem Retabel (um 1440/50, Eichenholz)
  • Kreuzigung mit zwei Simultandarstellungen (um 1450, Eichenholz, 97,9 × 91,4 cm, Privatbesitz)[31]
  • Kreuztragung (um 1450, Öl auf leinwandbeklebtem Eichenholz, 78,8 × 41 cm, Privatbesitz)[32]
  • Hieronymus im Studierzimmer (um 1440, Eichenholz, 39,4 × 30,5 cm, Raleigh, North Carolina Museum of Art, Inv. Nr. G.52.9.139)[33][34]

Literatur

  • Ludwig Scheibler, Carl Aldenhoven: Geschichte der Kölner Malerschule (= Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde. Band 13). Köln u. a. 1902.
  • Frank Günter Zehnder: Katalog der Altkölner Malerei (= Kataloge des Wallraf-Richartz-Museums. Band 11). Köln 1990.
  • Michael Wolfson: Vor „Stefan Lochner“? Über den Maler des Kölner Dombildes und den Meister des Heisterbacher Altares. In: Frank Günter Zehnder (Hrsg.): Stefan Lochner, Meister zu Köln. Herkunft, Werke, Wirkung. Ausstellungskatalog. Köln 1993, S. 97–107.
  • Reinhard Liess: Der Heisterbacher Altar. Ein Frühwerk Stefan Lochners. Rasch Verlag, Osnabrück 1998, ISBN 3-932147-56-1.
  • Master of the Heisterbach Altar. In: The Concise Grove Dictionary of Art. Oxford, Oxford University Press 2002.
  • Julien Chapuis: Stefan Lochner. Image Making in Fifteenth Century (= Me Fecit). Brepols, Turnhout 2004.
  • Jeanine Walcher, Ulrike Fischer: Verborgene Ansichten. Neue Erkenntnisse zum „Heisterbacher Altars“. In: Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung 26 (2012), S. 54–70.
  • Felix Prinz: Zu Verbleib und Rekonstruktion des Heisterbacher Altars. In: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst 66 (2015), S. 141–150.
  • Felix Prinz: Gemalte Skulpturenretabel. Zur Intermedialität mitteleuropäischer Tafelmalerei des 15. Jahrhunderts. De Gruyter, Berlin/Boston 2018, S. 29–78.
Commons: Meister des Heisterbacher Altars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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