Melanie Kurt

österreichische Opernsängerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Melanie Kurt (ursprünglich Melanie Kohn, * 8. Jänner 1879 in Wien;[1]11. März 1941 in New York City) war eine österreichische Opernsängerin (Sopran).

Die letzte Schallplatte von Melanie Kurt (Berlin 1923)

Leben

Melanie Kurt war die jüngste Tochter des jüdischen Kaufmanns Salomon Kohn (* 1829 in Trenčín; † 1895 Wien) und der Anna Kohn, geb. Ponzen (* 1839 Wien; † 1898 ebendort). Sie studierte zunächst in ihrer Heimatstadt Klavier und später Gesang. Schließlich wechselte sie nach Berlin, wo Marie Lehmann, die Schwester der Sopranistin Lilli Lehmann, ihre Lehrerin wurde, trat zunächst zwischen 1897 und 1900 als Pianistin auf. 1902 debütierte sie am Stadttheater Lübeck als Elisabeth in Richard Wagners Tannhäuser. In diesem Jahr änderte sie ihren Nachnamen Kohn offiziell zu Kurt.

Es folgten Engagements am Opernhaus Leipzig (1903 bis 1904), dann nach weiteren Studien in Berlin, von 1905 bis 1908 in Braunschweig. Ab 1908 war Berlin ihre künstlerische Heimat, zunächst die Hofoper (bis 1913), dann das Deutsche Opernhaus Charlottenburg (1913 bis 1915).

Von Berlin aus begann ihre eigentliche Karriere, die sich auch in ersten Gastspielen auswirkte, zum Beispiel am Royal Opera House Covent Garden in London, ab 1910, oder beim Salzburger Mozart-Fest von 1910, dem Vorläufer der Salzburger Festspiele. Später kamen Auftritte an der Mailänder Scala, der Wiener und der Dresdner Staatsoper und dem Nationaltheater München hinzu.

Im Juli 1909 heiratete sie in Wien den Kunsthistoriker Dr. Max Deri (ursprünglich Max Deutsch; * 1878 in Preßburg; † 1938 in Los Angeles) und nannte sich seitdem auch Kurt-Deri bzw. Deri-Kurt.[2][3]

Einen Höhepunkt ihrer Karriere erreichte Kurt 1915 als Nachfolgerin der großen Olive Fremstad an der Metropolitan Opera in New York. Dieses Engagement endete jedoch – nach 85 Auftritten – mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg im April 1917.[4] Ab diesem Jahr wurden in den USA keine Wagneropern mehr aufgeführt. Kurt blieb zunächst in Amerika, fand dort jedoch auch nach Kriegsende keine Beschäftigung mehr und kehrte 1919 nach Deutschland zurück.

Hier sang sie in den Folgejahren vor allem an verschiedenen Berliner Häusern und der Leipziger Oper, daneben in Stuttgart, Dresden, Wien und an der Waldoper Zoppot (1922), damals einer ernsthaften Konkurrenz zu den Bayreuther Festspielen.

Ende der 1920er Jahre zog sich die Sängerin nach und nach von der Bühne zurück und arbeitete vermehrt als Pädagogin, zunächst in Berlin, dann – nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten – in Wien. 1938 musste sie als Jüdin auch aus Österreich fliehen und emigrierte im November 1939 über Italien in die USA. Im September 1940 eröffnete sie in New York ein Gesangsstudio,[5] starb aber wenige Monate darauf.
Melanie Kurt wurde auf dem Ferncliff Cemetery in Hartsdale, New York begraben (Grabstelle JAME, 110A, 1).[6]

Repertoire und Bedeutung

Angesichts der Hindernisse, die Kurts Karriere durch den Ersten Weltkrieg und später durch den aufkommenden Nationalsozialismus erfuhr, muss man von einer außergewöhnlichen Laufbahn sprechen.

Dafür spricht auch ihr außergewöhnlich großes und breit gefächertes Repertoire: Obwohl sie ihre größten Erfolge als Wagnersängerin feierte – die Isolde in Tristan und Isolde hat sie allein an der Met in nur drei Jahren 49 mal gesungen –, sang sie auch Verdi-Partien (Aida, Amelia in Un ballo in maschera), Beethovens Fidelio, Mozarts Pamina (Die Zauberflöte) und Donna Anna Don Giovanni, die Rachel in Halévys Jüdin, Opern von Ruggiero Leoncavallo, Richard Strauss (Marschallin im Rosenkavalier), Christoph Willibald Gluck und Händel.

Der Musikkritiker Jürgen Kesting schließt in seinem Buch über die großen Sänger des 20. Jahrhunderts den Artikel über Kurt mit den Worten: „Eine wundervolle Stimme und eine zentrale Sängerin.“ (S. 246)

Melanie Kurt hinterließ Schallplatten für Gramophone (Berlin 1910–14), Parlophon (Berlin 1912), Columbia (New York 1916–17), Grammophon (Berlin 1921) und Homokord (Berlin 1923). 13 Titel wurden im Jahr 2000 auf einer CD der Firma Preiser Records wiederveröffentlicht.[7]

Literatur

  • Kesting, Jürgen: Die großen Sänger des 20. Jahrhunderts. ECON Verlag, Düsseldorf 1993, ISBN 3-517-07987-1
  • Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände), S. 2552
  • Rainer E. Lotz, Axel Weggen und Oliver Wurl: Discographie der deutschen Gesangsaufnahmen, Band 2. Birgit Lotz Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-9805808-0-6, S. 409–413.

Einzelnachweise

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