Melissa Lotholz
kanadische Bobfahrerin
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Melissa Lotholz (* 2. Dezember 1992 in Barrhead, Alberta) ist eine kanadische Bobsportlerin, die als Anschieberin von Kaillie Humphries zwei Weltmeisterschaftsmedaillen gewann. Nach den Olympischen Winterspielen 2018 wechselte Lotholz auf die Pilotenposition und gehört mittlerweile vor allem im Monobob zur erweiterten Weltspitze. Sie ist bisher die einzige kanadische Bobsportlerin, die sowohl als Anschieberin als auch als Pilotin an Olympischen Winterspielen teilnahm.
| Melissa Lotholz | |||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Nation | |||||||||||
| Geburtstag | 2. Dezember 1992 (33 Jahre) | ||||||||||
| Geburtsort | Barrhead, Kanada | ||||||||||
| Größe | 169 cm | ||||||||||
| Gewicht | 73 kg | ||||||||||
| Karriere | |||||||||||
| Position | Anschieberin Pilotin | ||||||||||
| Trainer | Justin Kripps | ||||||||||
| Nationalkader | seit 2014 | ||||||||||
| Status | aktiv | ||||||||||
| Medaillenspiegel | |||||||||||
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| Platzierungen im Bob-Weltcup | |||||||||||
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| letzte Änderung: 05. Februar 2026 | |||||||||||
Karriere
Beginn als Anschieberin
Nachdem Lotholz verschiedene Sportarten wie Eiskunstlauf, Basketball und Volleyball in ihrer Kindheit ausprobierte, blieb sie bei der Leichtathletik hängen. Ihre Leistungen waren so ansprechend, sodass sie nach Aufnahme ihres Studiums an der University of Alberta für das dortige Leichtathletik-Team nominiert wurde. Mitstreiterin war zu dieser Zeit Christine de Bruin, die zum Ende von Lotholz erstem Studienjahr 2011 zum Bobsport wechselte. 2013 nahm Lotholz selbst an einem Sichtungscamp für den Bobsport teil, während sie noch für das Leichtathletikteam der Universität von Alberta aktiv war. Nach guten Testergebnissen beendete Lotholz ihre Teilnahme an Leichtathletikwettkämpfen und begann 2014 mit dem Bobtraining, wofür sie nach Calgary zog, um im zentralen Leistungsstützpunkt zu trainieren.
Zum Saisonbeginn 2014/15 wies der kanadische Verband Lotholz dem Anschieberteam der damals 29-jährigen Kaillie Humphries zu. Humphries war zu diesem Zeitpunkt schon zweifache Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Das neu zusammengestellte Duo gab sein Debüt beim Nordamerikacup im November 2014 mit einem 3. Platz. Nach einem Abstecher auf die Bahn nach La Plagne Anfang Dezember 2014 gab Lotholz bereits am 13. Dezember 2014 ihr Debüt im Weltcup in Lake Placid, wobei sie mit Humphries den 5. Platz belegte. Bereits beim zweiten Weltcupauftritt in Altenberg erkämpfte sie mit Humphries mit einem 3. Platz ihre erste Podestplatzierung. Insgesamt fuhr Lotholz bei sechs von acht Weltcuprennen und erzielte noch zwei Podestplätze. Sie hatte damit wesentlichen Anteil am 2. Platz von Kaillie Humphries in der Weltcupgesamtwertung. Bei seinem Weltmeisterschaftsdebüt in Winterberg erreichte das Duo Humphries/Lotholz den 7. Platz.
Die Saison 2015/16 gestaltete sich für das Duo Humphries/Lotholz höchst erfolgreich. In allen Weltcuprennen stand es auf dem Podest, vier von acht Rennen konnten die Kanadierinnen gewinnen. Dies bedeutete zum Saisonende den Sieg in der Weltcupgesamtwertung. Lotholz hatte sich dadurch zu einer der weltweit besten Bob-Anschieberinnen entwickelt. Bei der zweiten Weltmeisterschaft, an der Lotholz teilnahm, gewann sie mit Silber im Zweierbob ihre erste internationale Medaille.
Mit Beginn der Saison 2016/17 kam es innerhalb des kanadischen Teams zu Wechseln. Kaillie Humphries fuhr vorerst mit Cynthia Appiah, während Lotholz zunächst in den Bob von Alysia Rissling wechselte. Beim dritten Weltcup in Altenberg saß Lotholz wieder bei Humphries im Bob. In der Folge fuhr Lotholz in weiteren drei Weltcuprennen bei Humphries und hatte damit erheblichen Anteil am 2. Platz von Humphries in der Weltcup-Gesamtwertung. Bei der Weltmeisterschaft auf der Bahn am Königssee fuhr Lotholz als Anschieberin ebenfalls bei Humphries und gewann im Zweierbob ihre zweite Silbermedaille. Im Teamwettbewerb, für den sie erstmals nominiert wurde, belegte sie mit Team Kanada II den 7. Platz.
Zum Start der Olympiasaison 2017/18 verschärfte sich die Konkurrenz unter den kanadischen Anschieberinnen, als Phylicia George sowie Olympiasiegerin Heather Moyse ins Team stießen beziehungsweise im Fall von Moyse nach einer Pause zurückkehrten.[1] Lotholz fuhr in der ersten Saisonhälfte bei Humphries und erreichte mit ihr in drei von vier Rennen Podestplätze. Danach kam es im Weltcup nur noch zu einem Einsatz in St. Moritz als Anschieberin von Christine de Bruin. Mit dieser ging Lotholz auch bei ihren ersten Olympischen Winterspielen an den Start und erreichte den 7. Platz.
Umstieg auf den Pilotensitz
Nach diesen Olympischen Winterspielen gab es im kanadischen Frauenbobteam einen erheblichen Einschnitt. Kaillie Humphries pausierte für eine Saison und gab an, eine Pause machen zu wollen. In Wahrheit prozessierte sie gegen den kanadischen Verband und wechselte 2019 zum US-Verband. Cynthia Appiah wollte durch die Nichtberücksichtigung bei Olympia schon aufhören, ihr wurde dann aber ein Pilotenlehrgang seitens der IBSF empfohlen. Mit der Pause von Humphries musste sich auch Lotholz neu orientieren und letzten Endes wechselte auch sie auf die Pilotenposition. Lotholz wurde vom Verband zunächst für den Nordamerikacup nominiert, wo sie aber erst einmal als Anschieberin von Christine de Bruin agierte. Beim dritten Rennen durfte sie erstmals als Pilotin an die Lenkseile und absolvierte in der Folge noch vier weitere Rennen im NA-Cup als Pilotin und belegte den 7. Platz in der Gesamtwertung des NA-Cup. Allerdings fungierte Lotholz im NA-Cup zeitweise auch immer noch als Anschieberin wie auch bei ihrem einzigen Weltcupeinsatz, wo sie Kori Hol unterstützte. Mit dieser nahm sie auch an den Heimweltmeisterschaften in Whistler teil und belegte den 14. Platz.
In der Saison 2019/20 ähnelte sich das Bild. Der kanadische Verband steckte seine Aufwendungen vor allem in das Team von Christine de Bruin, die in der Weltcupgesamtwertung den 3. Platz belegte. Lotholz fuhr wohl auch wegen fehlender finanzieller Mittel hauptsächlich mit Sara Villani im Nordamerikacup und wurde Gesamtvierte. Mit je einem Start im Welt- und Europacup in Innsbruck war für Lotholz die Saison bereits Ende Januar 2020 beendet. Für die Weltmeisterschaften in Altenberg wurde sie nicht nominiert, der Verband nahm nur mit dem Team von de Bruin teil. Darüber hinaus nahm Lotholz an zwei Monobobrennen teil, bei denen sie mit vorderen Platzierungen aufhorchen ließ.
In der Saison 2020/21 griff das kanadische Bob-Team pandemiebedingt erst zum Jahreswechsel in das Wettkampfgeschehen in allen Wettbewerben ein. Zunächst startete Lotholz bei 2 Europacuprennen, deren Ergebnisse am Ende Rang 5 in der Europacupgesamtwertung bedeuteten. Darüber hinaus gelang ihr am 14. Januar 2021 ihr erster Monobob-Sieg. In der erstmals durchgeführten Monobob-Weltserie belegte sie als beste Kanadierin den 11. Platz. Für die Weltmeisterschaft in Altenberg nominierte sie daher der Verband für den erstmals ausgetragenen Monobob-Wettbewerb, bei dem sie den 7. Platz belegte. Für den Zweierbob-Wettbewerb wurde sie hingegen nicht nominiert, da de Bruin, Appiah und Rissling vom Verband stärker eingeschätzt wurden.
In der Olympiasaison 2021/22 wurde Lotholz statt Alysia Rissling für den Weltcup nominiert und nahm an 7 von 8 Rennen teil. Mit dem 13. Platz in der Weltcupgesamtwertung im Zweierbob in ihrer ersten richtigen Weltcupsaison als Pilotin war sie zweitbeste Kanadierin. Bei der 2. Monobob-Weltserie, welche von den kanadischen Athletinnen geprägt war, belegte Lotholz den 8. Platz. Da beim Olympiadebüt im Monobob dem kanadischen Verband nur zwei Startplätze zustanden, nominierte dieser Christine de Bruin, die die Bronzemedaille gewann, und Cynthia Appiah, die den 8. Platz belegte. In der Zweierbob-Konkurrenz stand Kanada als einzigem Land neben Deutschland 3 Startplätze zu, so dass auch Lotholz neben de Bruin und Appiah nominiert wurde. Zusammen mit Sara Villani belegte sie den 12. Platz.
Nach den Olympischen Spielen legte Lotholz für die Saison 2022/23 eine Pause ein, um ihr Studium an der University of Alberta abzuschließen. Gefördert wurde diese Pause sicher auch durch immer wiederkehrende Dissonanzen mit dem kanadischen Bobverband in Bezug auf die Finanzierung einer Bobsaison und die medizinische Versorgung.
Diesen Mangel bekam Lotholz sofort bei ihrem Neustart wieder zu spüren. Zum einen war ihr in Bianca Ribi mittlerweile teamintern eine Konkurrenz erwachsen, die vom Verband neben Appiah für den Weltcup nominiert wurde. Zum anderen ließen die finanziellen Mittel, aber auch ihre Form zunächst nur eine Nominierung für den Nordamerikacup zu, in dem sie aber äußerst erfolgreich ihr Comeback feierte. Sie absolvierte zusammen mit Anschieberin Alex Klein sieben von acht Rennen, von denen sie vier gewann. Dies bedeutet am Saisonende den Gewinn der Gesamtwertung im Nordamerikacup bei den Zweierbobs. Das gleiche Bild zeigte sich im Monobob. Lotholz belegte bei den acht Rennen immer einen Podestplatz, vier Wettbewerbe gewann sie. Mit diesen Leistungen wurde Lotholz für die Weltmeisterschaften 2024 in Winterberg in beiden Disziplinen nominiert. Im Monobob belegte sie den 14. Platz, in der Zweierbobkonkurrenz belegte sie zusammen mit Alex Klein den 17. Platz.
Da aber Alex Klein aus gesundheitlichen Gründen ihre Karriere nicht fortsetzen konnte, musste sich Lotholz für die Saison 2024/25 eine neue Anschieberin suchen. Die Wahl fiel dabei zunächst auf Leah Walkeden, die mit Lotholz sechs von sieben Weltcups bestritt. Den letzten Wettbewerb in Lillehammer fuhr Lotholz mit Skylar Sieben, wo das Duo mit Platz 3 die erste Podestplatzierung für Lotholz erzielen konnte. Zum Saisonende war Lotholz in der Zweierbob-Gesamtwertung mit Rang 8 beste Kanadierin. In der Monobob-Gesamtwertung belegte sie den 13. Platz. Bei den Weltmeisterschaften in Lake Placid belegte Lotholz auf der schwierig zu fahrenden Olympia-Bobbahn Mount Van Hoevenberg im Monobob-Wettbewerb einen eher schwachen 14. Platz. Besser lief es in der Zweierbob-Konkurrenz. Mit Stammanschieberin Walkeden belegte sie den 8. Platz, allerdings war der Rückstand auf Weltmeisterin Laura Nolte mit über 3 Sekunden gewaltig.
Dennoch hatte sich Lotholz nach ihrer Rückkehr in den Bobsport nunmehr im kanadischen Team etabliert und bildete zusammen mit Cynthia Appiah die Leistungsspitze im kanadischen Frauenbobsport zu Beginn der Olympiasaison 2025/26. Wenngleich Podestplätze fehlten, etablierte sie sich vor allem im Monobob in der Weltspitze und fuhr in sechs von sieben Rennen in die Top Ten. Zum Saisonende bedeutete das in der Weltcupgesamtwertung Rang 6. Im Zweierbob probierte Lotholz mit Skylar Sieben, Radsportolympiasiegerin Kelsey Mitchell, Eden Wilson und Dawn Richardson Wilson 4 Anschieberinnen aus und belegte in der Weltcupgesamtwertung den 13. Platz. Am 23. Januar 2026 wurde Lotholz vom kanadischen NOK für die Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo sowohl für den Monobob als auch für den Zweierbob nominiert. Im Monobob-Wettbewerb belegte sie nach einem eher durchwachsenen ersten Lauf nach vier Läufen den sechsten Platz.
Privates
Lotholz wurde für das Leichtathletikteam der University of Alberta rekrutiert, besuchte aber zunächst das Musikprogramm am Vanguard Bible College in Edmonton. An der Universität studierte sie bis 2013 drei Jahre lang Ernährungswissenschaften mit Nebenfach Sport. Danach unterbrach sie für den Leistungssport zunächst ihr Studium. Im Studienjahr 2022/23 pausierte Lotholz vom Sport und schloss ihr Studium ab.
Platzierungen nach Saison
| Saison | NAC | Weltcup | OS/WM | Anmerkung | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Komb. | Team | ||||||||
| 2014/15 | – | 2. 1 | 7. 1 | – | 1 Anschieberin bei Kaillie Humphries | ||||
| 2015/16 | – | 1. 1 | 2. 1 | – | 1 Anschieberin bei Kaillie Humphries | ||||
| 2016/17 | – | 2. 2 | 2. 1 | 7. 1 | 2 Anschieberin bei Kaillie Humphries bei 4/8 Weltcuprennen | ||||
| 2017/18 | – | 1. 2 | 7. 3 | – | 3 Anschieberin bei Christine de Bruin | ||||
| 2018/19 | 7. 4 | – | 14. 5 | – | 4 als Pilotin 5 Anschieberin bei Kori Hol | ||||
| 2019/20 | 4. | – | – | Pilotin | |||||
| 2020/21 | – | – | 11. | – | 7. | – | |||
| 2021/22 | – | – | 8. | 13. | – | 12. | |||
| 2023/24 | 1. | 1. | – | – | – | 14. | 17. | ||
| 2024/25 | – | – | 13. | 8. | 12. | 8. | 14. | ||
| 2025/26 | – | – | 6. | 13. | 10. | 6. | |||
Olympische Spiele
Weltcupsiege
Zweierbob Damen
| Nr. | Datum | Ort | Bahn | Pilotin |
|---|---|---|---|---|
| 1. | 27. Nov. 2015 | Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg | Kaillie Humphries | |
| 2. | 11. Dez. 2015 | Kombinierte Kunsteisbahn am Königssee | ||
| 3. | 15. Jan. 2016 | Bobbahn Park City | ||
| 4. | 23. Jan. 2016 | Whistler Sliding Centre | ||
| 5. | 6. Jan. 2017 | Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg | ||
| 6. | 9. Nov. 2017 | Olympia-Bobbahn Lake Placid | ||
| 7. | 25. Nov. 2017 | Whistler Sliding Centre | ||
Weblinks
- Melissa Lotholz in der Datenbank von Olympedia.org (englisch)
- Profil auf der Seite des kanadischen Olympiateams
- Profil von Lotholz auf der Seite vom kanadischen Bob- und Skeletonverband
- Melissa Lotholz in der Datenbank der International Bobsleigh & Skeleton Federation