Menalamba-Rebellion
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Die Menalamba-Rebellion war ein Aufstand des Merina-Volkes[1] in Madagaskar gegen die französischen Kolonialtruppen ab dem September 1895.[2] Die Rebellion breitete sich in der Folge rasch aus und bedrohte die Hauptstadt, doch die französischen Streitkräfte konnten 1897 die Kapitulation vieler Rebellengruppen erzwingen.[3]
Hintergrund


Frankreich erhob seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch diplomatische Initiativen und militärischen Druck Ansprüche auf Madagaskar und verstärkte diese während der Herrschaft von Königin Ranavalona II. und Königin Ranavalona III., den letzten Monarchinnen der Insel.[4] Nach einem erfolgreichen Feldzug unter General Jacques Duchesne annektierte Frankreich Madagaskar offiziell am 1. Januar 1896 und erklärte es im August desselben Jahres zu seiner Kolonie. Der madagassische Premierminister Rainilaiarivony wurde nach Algier verbannt, wo er im folgenden Jahr starb.[5] Königin Ranavalona III. und ein Großteil ihrer Regierung blieben zwar im Amt, hatten aber keine wirkliche politische Macht mehr.[6] Hippolyte Laroche wurde zunächst als Zivilgouverneur mit der Verwaltung des Gebiets betraut.[7]
Ausbruch
Im Dezember 1895, zwei Monate nach der französischen Eroberung der Hauptstadt Antananarivo und der Besetzung des Königspalasts, entstand in Form des „Menalamba“-Aufstands (madagassisch: „Roter Schal“) eine Widerstandsbewegung gegen die französische Herrschaft, die hauptsächlich von einfachen Bauern getragen wurde. Diese trugen mit dem roten Lateritboden des Hochlands beschmutzte Schals.[2] Dieser Guerillakrieg gegen Fremde, das Christentum und die politische Korruption breitete sich rasch über die ganze Insel aus. Die Rebellion zielte nicht darauf ab, die Autorität der Königin wiederherzustellen, da die Konversion führender Mitglieder der Königsfamilie zum Christentum von vielen Rebellen als Ursache der Zerstörung der alten Ordnung angesehen wurde. Die Rebellion konzentrierte sich auf Randgebiete fernab der Hauptstadt, die bereits von Banditen, entlaufenen Sklaven und Deserteuren beherrscht wurden. Eines ihrer Hauptmotive war die Wiederherstellung der traditionellen Ahnenverehrung.[8] Ein weiterer Aspekt war die Ablehnung der Frondienste (Fanompoana), die in der madagassischen politischen Ordnung immer üblicher geworden waren, auf die sich die Kirche stützte und die sie förderte.[9]
Der Aufstand begann spontan in mehreren Zentren und war ohne einheitliche Führung.[8] Da es an zentraler Koordination mangelte, beteiligten sich im Verlauf seiner Entwicklung sowohl religiöse Traditionalisten, aber auch populäre christliche Prediger, und obwohl alle die korrupte alte politische Ordnung ablehnten, gab es Verbindungen zum königlichen Palast.[8]
Das Ausmaß und die Gefahr des Aufstands waren den Franzosen zunächst nicht bewusst; im März 1896 begann ein umfassender Aufstand, der sie völlig überraschte.[10] Es gab erstmals eine Welle koordinierter Angriffe auf Verwaltungsposten der madagassischen Regierung.[11]
Die Menalamba-Rebellen waren größtenteils Gesetzlose, die sich selbst „Fahavalo“ nannten. In der Region Anjozorobe zwischen dem Alaotra-See und dem Fluss Betsiboka wurden sie von Raboboza und Rabezavana angeführt, in der Region Vakinankaratra von Rainibetsimisaraka.
Bei dem Aufstand wurden Hunderte von Kirchen zerstört und eine unbekannte Anzahl madagassischer Geistlicher sowie fünf ausländische Missionare getötet,[2] unter ihnen der Jesuit Jacques Berthieu. Er wurde 2012 zum Märtyrer und Heiligen der katholischen Kirche erklärt.[12]



Die Franzosen beschuldigten Mitglieder des Hofes von Königin Ranavalona, die Rebellen angestiftet zu haben. Am 15. Oktober 1896 ließ General Joseph Gallieni den Onkel der Königin, Ratsimamanga, sowie ihren Kriegsminister Rainandriamampandry exekutieren.[10][13] Ramisindrazana, die Tante der Königin und ihre bevorzugte Beraterin, wurde 1897 nach Réunion verbannt, weil die französische Kolonialverwaltung sich weigerte, eine Frau hinzurichten.[14]
Die französische Regierung ersetzte den zivilen Gouverneur Laroche durch Joseph Gallieni als Militärgouverneur.[14] Königin Ranavalona III. wurde im selben Jahr nach Réunion verbannt,[15] später wurde ihr Algerien als Ort der Verbannung zugewiesen, wo sie 1917 starb, ohne jemals Madagaskar wiedergesehen zu haben.[16][17]
Scheitern der Rebellion
Auf dem Höhepunkt des Konfliktes kontrollierten die Rebellen ein Gebiet mit bis zu 300.000 Einwohnern.[11] Es gelang ihnen im Sommer 1896, Antananarivo drei Monate lang zu blockieren, im September wurde der Belagerungszustand in der Hauptstadt ausgerufen.[18]
Einige Rebellen – insbesondere Protestanten – glaubten, die Briten würden ihnen gegen die Franzosen zu Hilfe kommen. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht, und 1897 zwang der Hunger die Rebellengruppen zu Kapitulationsverhandlungen. Eine dieser Gruppen im Norden des Landes, angeführt von Rabezavana, kapitulierte im Mai 1897 vor Hubert Lyautey.[10]
Die Widerstandsbewegung war im Wesentlichen bis 1900 niedergeschlagen, die Aufstände im Westen, Nordwesten und Osten Madagaskars dauerten vereinzelt bis 1903 an.[3]
Die Zahl der Todesopfer unter den Madagassen infolge des Aufstands wird auf etwa 100.000 geschätzt, während die Zahl der französischen Todesopfer im dreistelligen Bereich lag.[11]
Literatur
- Stephen Ellis, Faranirina Rajaonah: L'insurrection des menalamba: une révolte à Madagascar, 1895–1898. Karthala Editions, Paris 1998, ISBN 978-2-86537-796-1 (französisch, google.com).
- Capitaine Nèple, Alain Grandidier: Guide de l'immigrant à Madagascar. Band 1. Imprimerie Officielle, Tananarive 1899, S. 69 (französisch).