Merkur Group
deutsches Unternehmen der Glücksspiel-Branche
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Die Merkur Group (amtlich: Merkur.com AG; bis 2023: Gauselmann AG) ist ein Unternehmen der Glücksspiel-Branche mit Sitz in Espelkamp, das 1957 von Paul Gauselmann gegründet wurde. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Spielautomaten, betreibt Spielhallenketten und ist darüber hinaus in den Bereichen Sportwetten, Online-Gaming, Finanzdienstleistungen und Spielbanken tätig. Die Gruppe erzielte im Jahr 2024 mit 14.328 Mitarbeitenden einen Umsatz von 2,770 Milliarden EUR.[1]

| Merkur Group (Merkur.com AG) | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1957 |
| Sitz | Espelkamp |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 14.328[1] |
| Umsatz | 2,770 Milliarden EUR[1] |
| Branche | Spielautomaten, Dienstleistungskonzepte, Sportwetten, Geldverarbeitungssysteme, Spielotheken, Spielbanken, Online-Gaming, Financial Services |
| Website | merkur.group |
| Stand: 31. Dezember 2024 | |
| Gauselmann Familienstiftung | |
|---|---|
| Bestehen | 21. Dezember 2015 |
| Stifter | Paul Gauselmann und Familie |
| Sitz | Espelkamp |
| Zweck | Halten der Stimmanteile an der Merkur Group und deren Unternehmen |
| Vorsitz | Michael Gauselmann (Vorsitzender)
Manfred Stoffers (stellvertretender Vorsitzender) |
| Website | Auszug des Stiftungsregisters NRW |
Unternehmensgruppe
Die Unternehmensgruppe ist seit 2016 eine Familienstiftung der vormaligen Inhaberfamilie Gauselmann.[2] Gründer der Unternehmensgruppe ist der 1934 geborene Paul Gauselmann, der bis Oktober 2024 auch Vorstandssprecher der Aktiengesellschaft war. Der Markenname, unter dem mehrere Unternehmen der Unternehmensgruppe auftreten, ist Merkur. Er wurde erstmals 1977 für den Spielautomaten Merkur B verwendet.[3][4]
Die Merkur Group ist (Stand 31. Dezember 2023) an 241 Unternehmen beteiligt.[5] Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen der Merkur Group hat den Firmensitz in Deutschland.[6]
Die Merkur Group ist an Spielbanken in Deutschland beteiligt[7][8] und betreibt des Weiteren Spielbanken auf Kreuzfahrtschiffen.[8] Darüber hinaus vermarktet und betreibt die Merkur Group auch Online-Casino-Lösungen, Online-Spiele und Sportwetten unter dem Dach der adp Merkur GmbH.
Geschichte

Der Firmengründer Paul Gauselmann arbeitete zunächst 1956 bei einem Spielautomatenimporteur in Coesfeld. Ab 1956 konstruierte er für Harting in Espelkamp elektronische Musik- und Zigarettenautomaten und leitete dort ab 1960 die Entwicklungsabteilung für Automaten.[9]
Parallel dazu gründete er 1957 das Unternehmen. 1958 stieg sein Bruder Willi Gauselmann in das Geschäft ein und 1962 der Bruder Eugen Gauselmann. Das Unternehmen firmierte fortan unter dem Namen Gebrüder Gauselmann. 1964 gab Paul Gauselmann seine Arbeit bei Harting auf und konzentrierte sich vollständig auf seine Firma, die bereits 15 Mitarbeiter hatte. Das Geschäftsmodell war das Aufstellen von aus den Vereinigten Staaten importierten Musikautomaten in Gaststätten.[9]
1970 begann der Vetrieb von Automaten von Fremdherstellern.[9] 1972 wurde mit der Entwicklung eigener Spielautomaten begonnen. 1974 eröffnete Gauselmann in Delmenhorst die erste Spielhalle mit dem Namen Casino Merkur-Spielothek.
Im Dezember 1976 erteilte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt die Zulassung für Gauselmanns ersten Spielautomaten, der ab 1977 unter dem Namen Merkur B vertrieben wurde. Die Unternehmen der damaligen Gauselmann-Gruppe wurden 1980 in der Gauselmann AG zusammengefasst.[9] Seit 1986 ist Gauselmann außerhalb Deutschlands unter der Marke Merkur aktiv.[9] Im selben Jahr setzte die damalige Gauselmann-Gruppe bundesweit 650 Millionen Deutsche Mark um und hatte mehr als 3250 Vollzeitbeschäftigte sowie 69 Auszubildende.[10]
1991 überschritt der Jahresumsatz erstmalig die Marke von einer Milliarde Deutsche Mark.[11] 1999 wurde die Paul und Karin Gauselmann Stiftung gegründet, die als Förderer sozialer und kultureller Projekte auftrat.[12]
2005 entstand die Merkur Gaming GmbH, die innerhalb der Gauselmann-Gruppe die Entwicklung und den Vertrieb von Geldspielgeräten übernahm. Im Jahr 2013 stieg Gauselmann in den Spielbanken-Bereich ein.[13] Im April 2014 berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, dass eine Gruppe Krimineller zwei Monate zuvor in einer koordinierten Aktion eine Lücke in der Software der Merkur-Spielautomaten ausgenutzt hätte. Der entstandene Schaden habe „laut Brancheninsidern zehn Millionen Euro“ betragen.[14] Die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Manipulationsschutz von Spielgeräten wurden seitdem dahingehend geändert, dass die Daten der Spielgeräte dauerhaft so aufgezeichnet werden müssen, dass sie jederzeit elektronisch auslesbar und vor Manipulationen geschützt sind.[15] 2016 erhielt Gauselmann eine Genehmigung für den Betrieb von vier Spielbanken auf Kreuzfahrtschiffen der Reederei TUI Cruises.[9] Insgesamt produzierte Gauselmann bis 2017 über 2 Millionen Spielautomaten der Marke Merkur.[9]
2020 wurde Gauselmann Hauptanteilseigner des Internetwettenanbieters Bede Gaming.[16] Im Juli 2021 übernahm die Merkur Group die vier Westspiel-Casinos des Landes Nordrhein-Westfalen.[17] 2021 betrieb Merkur europaweit über 800 Spielhallen, davon etwa die Hälfte in Deutschland.[18] Zum 27. April 2022 eröffnete das Unternehmen die ersten in Deutschland lizenzierten Online-Spielotheken JackpotPiraten und BingBong auf Basis einer Erlaubnis durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021).[19]
Zum 1. Oktober 2024 ging Unternehmensgründer Paul Gauselmann in den Ruhestand. Sein Nachfolger als Vorstandssprecher wurde Lars Felderhoff. Den Aufsichtsrats- und Stiftungsvorsitz übernahm sein Sohn Michael.[20] Am Jahresbeginn 2024 wurde die Gauselmann AG in Merkur.com AG umbenannt.[21] Zum 1. Juli 2025 übernahm die Merkur Group die Spielbanken in Niedersachsen von Casino Austria International.[22] Im September 2025 kaufte die Merkur Group die amerikanische Software-Gamesfirma Gaming Arts auf.[23] Gründer Paul Gauselmann starb am 19. August 2026 im Alter von 91 Jahren.[24]
Auftritt als Sponsor
Die Merkur Group ist bundesweit im Sponsoring aktiv. Die Gruppe hat die Namensrechte am Stadion Merkur Spiel-Arena, in dem Fortuna Düsseldorf seine Heimspiele austrägt und unterstützt verschiedene Vereine des deutschen Profifußballs, darunter RB Leipzig, DSC Arminia Bielefeld und FC Schalke 04.[25][26][27] Neben dem Sport ist die Merkur Group Partner mehrerer Festivals in Deutschland wie dem Parookaville.[28][29] Seit April 2026 ist Merkur für zehn Jahre Sponsor der Merkur Ostseehalle in Kiel.[30]
Kritik
Bauliche Veränderungen an Spielautomaten
Von August 2004[31] bis März 2009 mit einer Unterbrechung von Februar bis Juli 2007[32] ermittelte die Staatsanwaltschaft Augsburg und später die Staatsanwaltschaft Bielefeld gegen fünf Unternehmen der Merkur Group wegen des Verdachts der Manipulation von Spielautomaten für ungleiche Gewinnchancen.[33] Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt stellte bis zum 7. Januar 2007 keine nachträglichen baulichen Veränderungen an den von ihr untersuchten Gauselmann-Automaten fest, die den Spielerschutz betroffen hätten.[34] Eine externe Steuerung von Gewinnauszahlungen wurde nicht nachgewiesen.[35] Am 26. März 2009 wurden die Ermittlungen eingestellt.[36]
Parteispenden
Im Februar 2011 berichtete die Süddeutsche Zeitung in zwei Artikeln,[37][38] dass es von Seiten der Merkur Group zu unerlaubten Parteispenden an Union, SPD, FDP und Grüne gekommen sei. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld nahm daraufhin Ermittlungen auf. Laut SZ soll Paul Gauselmann große, offenlegungspflichtige Parteispenden gestückelt und im Namen seiner Führungskräfte in kleinen Beträgen an Abgeordnete verschickt haben, um so die Veröffentlichung der Spenden in den Rechenschaftsberichten der Parteien zu umgehen. In Jahren mit Bundestagswahlen sollen bis zu 70.000 Euro, in anderen Jahren bis zu 50.000 Euro geflossen sein. In Summe habe die Merkur Group von 1990 bis 2010 mehr als eine Million Euro an verschiedene Parteien gespendet. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld konnte keine Anhaltspunkte für die Anschuldigungen finden und stellte die Ermittlungen gegen Gauselmann im April 2011 ein.[39]
Im September 2012 wurde der Merkur Group vorgeworfen, zu überhöhten Preisen Gesellschafteranteile von zwei Tochterunternehmen der FDP erworben zu haben und so eine undeklarierte Parteispende getätigt zu haben.[40] In einer Erwiderung des Unternehmens wurde der Kaufpreis in Höhe von 1,3 Mio. Euro als angemessen in Relation zum Gewinn der Beteiligungen bezeichnet.[41] Die Bundestagsverwaltung erklärte nach einer Prüfung des Vorgangs, der Verdacht einer verdeckten Spendenzahlung sei unbegründet.[42]
Haltung zur Spielsucht
In der Talkrunde Menschen bei Maischberger erläuterte Vorstandsvorsitzender Paul Gauselmann 2012, dass es für Spielsüchtige nichts bringe, sich in Casinos für die Teilnahme sperren zu lassen. Vielmehr würden diese dann auf das Internet ausweichen.[43]
Bei der Eröffnung einer Fachmesse in 2014 sagte Gauselmann: „In allen Kinderzimmern wird genauso geballert wie an unseren Automaten“.[44]
Paradise Papers
Auf Basis der Recherchen in den Paradise Papers wurde 2017 der Vorwurf erhoben, dass eine zur Merkur Group gehörende Tochterfirma auf der Isle of Man Lizenzen für Online-Casinos angeboten hätte, deren Nutzung in Deutschland illegal sei. Auch Verschleierungsvorwürfe zum Zweck der Steuerverkürzung wurden erhoben.[45] Beide Vorwürfe wurden durch die Merkur Group zurückgewiesen. Zu einer Strafverfolgung kam es nicht.[46]
Sicherheitslücke Online-Casinos
Im März 2025 wurde eine Sicherheitslücke in den drei von Tochtergesellschaften der Merkur AG betriebenen Online-Casinos bekannt. Durch eine öffentlich zugängliche GraphQL-Schnittstelle waren personenbezogene Daten von über 800.000 Spielern ungeschützt zugänglich.[47] Die Tochtergesellschaften nutzten Casinosoftware der maltesischen Firma the mill adventures, die von der Sicherheitsforscherin Lilith Wittmann untersucht wurde.[48] Nach Aufdeckung der Lücke setzte die Merkur Group die Spielmöglichkeiten auf den drei betroffenen Plattformen aus und schloss die Lücken.[49][50] Wittmann gab an, neben den drei legalen und gemeldeten Online-Casinos auch illegal betriebene Instanzen auf Servern des Dienstleisters gefunden zu haben, die inzwischen durch diesen abgeschaltet wurden.[47][49]
Literatur
- Barbara Dickmann: Der Spielemacher: Paul Gauselmann, die Biographie; erzählt von Barbara Dickmann, Econ, Berlin 2017, ISBN 978-3-430-20246-6