Messerangriff in Winterthur 2026
Messerangriff am 28. Mai 2026 beim Bahnhof Winterthur im Kanton Zürich
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Messerangriff in Winterthur ereignete sich am 28. Mai 2026 am Bahnhof Winterthur in Winterthur im Schweizer Kanton Zürich. Ein 31-jähriger schweizerisch-türkischer Doppelbürger verletzte mit einem Messer drei Männer, einen davon schwer. Am Tag zuvor wurde der Angreifer aus einer psychiatrischen Klinik entlassen. Der Zürcher Sicherheitsdirektor und Regierungsrat Mario Fehr stufte die Tat als «Terrorakt» mit dschihadistischem Hintergrund ein.
Tathergang
Ablauf
Um 08:28 Uhr ging ein Notruf ein,[1] wonach am Bahnhof Winterthur eine Person Stichverletzungen erlitten habe. Die Stadtpolizei Winterthur rückte mit zwei Patrouillen aus und traf am Bahnhof drei verletzte Personen an. Gemeinsam mit Einsatzkräften der Kantonspolizei Zürich gelang um 08:33 Uhr,[1] rund fünf Minuten nach Meldungseingang, die Festnahme des mutmasslichen Täters.
Die drei Opfer waren Männer im Alter von 28, 43 und 52 Jahren. Der 28-Jährige erlitt eine Stichverletzung am Bein, der 43-Jährige eine Verletzung am Hals. Der 52-Jährige wurde durch Stiche am Oberschenkel schwer verletzt und musste notoperiert werden. Die Tatwaffe, ein Messer, zerbrach während der Tat.
Zum Tatzeitpunkt befanden sich zahlreiche Passanten am Bahnhof, darunter eine Schulklasse, die einen Teil der Tat miterlebte. Die Jugendpolizei der Stadtpolizei Winterthur nahm umgehend Kontakt mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern auf und bot Betreuung an.
Tatverdächtiger
Der mutmassliche Täter ist ein 31-jähriger schweizerisch-türkischer Doppelbürger aus Winterthur.[2] Er wurde 1994 in der Schweiz geboren und 2009 in Winterthur eingebürgert.[2] Polizeilich war er bereits 2015 in Erscheinung getreten,[1] als er im Zusammenhang mit Ermittlungen rund um die sogenannte Jugendgruppe der An'Nur-Moschee in Winterthur wegen Verbreitung von IS-Propaganda angezeigt wurde. 2018 folgte eine weitere Anzeige im Zusammenhang mit einem Raufhandel, die keinen extremistischen Bezug hatte. Er wurde zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt[3].
Im August 2024 zog der Mann in die Türkei, wo er sich nach Einschätzung der Behörden bis kurz vor der Tat aufhielt. Dort soll er sich in einem Umfeld von IS-Sympathisanten weiter radikalisiert haben.[4] Über den Zeitraum vom 22. Oktober 2024 bis zum 26. Mai 2026 lagen den Schweizer Behörden keine Erkenntnisse vor.
Wenige Tage vor dem Angriff war der spätere Täter erneut mit den Behörden in Kontakt. Am 25. Mai 2026 meldete er sich selbst über die Notrufnummer 117 bei der Stadtpolizei Winterthur und machte «wirre Aussagen».[3][1] Aufgrund seiner Verfassung wurde eine fürsorgerische Unterbringung verfügt und er in die Integrierte Psychiatrie Winterthur (IPW) gebracht.[3] Am 26. Mai verliess er die Klinik und wurde ausgeschrieben.[1] Die Stadtpolizei kontrollierte seinen Wohnort, traf ihn an und führte ihn in die Klinik zurück. Am Tag vor der Tat schätzte ein Arzt der IPW ihn als nicht mehr selbst- oder fremdgefährdend ein[3] und wandelte den Aufenthalt von einer fürsorgerischen Unterbringung in einen freiwilligen Aufenthalt um. Trotz der Empfehlung zu bleiben, verliess der Mann die Klinik am Abend selbstständig.[1]
Ermittlung
Mario Fehr bezeichnete diese ärztliche Neueinschätzung als entscheidenden «Kippmoment» und als «offensichtliche Fehleinschätzung». Fehr stufte die Tat als Terrorakt mit dschihadistischem Hintergrund ein und zog Parallelen zu einem früheren Angriff aus dem Jahr 2024 in Zürich auf einen orthodoxen Juden durch einen tunesisch-schweizerischen Doppelbürger. Er kündigte an, beim Staatssekretariat für Migration (SEM) den Entzug des Schweizer Bürgerrechts zu fordern.[5] Am 29. Mai 2026 übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen von der Zürcher Staatsanwaltschaft und eröffnete ein Strafverfahren gegen den mutmasslichen Täter wegen mehrfachen versuchten Mordes und Beteiligung beziehungsweise Unterstützung einer terroristischen Organisation; sie beantragte Untersuchungshaft.[6]