Methoxychlor

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Methoxychlor ist eine Mischung mehrerer strukturisomerer chemischer Verbindungen aus der Gruppe der chlorierten Diphenylmethanderivate. Es ist u. a. das p,p′-Dimethoxy-Analogon von p,p′-DDT.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel von p,p′-Methoxychlor
Strukturformel von p,p′-Methoxychlor
Allgemeines
Name Methoxychlor
Andere Namen
  • Mezox K
  • p,p′-Dimethoxydiphenyltrichlorethan
  • Bis(p-methoxyphenyl)tris(chlormethyl)methan
  • Dimethoxy-DT
  • p,p′-DMDT
  • 4,4′-(2,2,2-Trichlorethyliden)dianisol
  • Dimethoxy-DDT
  • DMDT
  • 1,1,1-Trichlor-2,2-bis(p-methoxyphenyl)ethan
  • 2,2-Bis(p-anisyl)-1,1,1-trichlorethan
  • Metox
  • 1,1′-(2,2,2-Trichlorethyliden)bis(4-methoxybenzol)
Summenformel C16H15Cl3O2
Kurzbeschreibung

farbloser bis gelblicher Feststoff mit fruchtigem Geruch[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 72-43-5
EG-Nummer 200-779-9
ECHA-InfoCard 100.000.709
PubChem 4115
ChemSpider 3972
Wikidata Q411958
Eigenschaften
Molare Masse 345,66 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,41 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

87 °C[1]

Siedepunkt

etwa 346 °C[2]

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser (0,1 mg·l−1 bei 25 °C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[1]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Achtung

H- und P-Sätze H: 302371400
P: 270273301+312308+313391[1]
MAK

Schweiz: 10 mg·m−3 (gemessen als einatembarer Staub)[3]

Toxikologische Daten

1860 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[1]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Gewinnung und Darstellung

Methoxychlor kann durch Reaktion von Anisol mit Chloral in Gegenwart von Aluminiumchlorid oder Schwefelsäure gewonnen werden.[4]

Eigenschaften

Methoxychlor ist ein brennbarer farbloser bis gelblicher Feststoff mit fruchtigem Geruch, der praktisch unlöslich in Wasser ist.[1] In Reinform ist es ein farbloses Pulver. Das technische Produkt ist grau bis gelblich und besteht zu 88–90 % aus dem p,p′-Isomer. Der Rest besteht hauptsächlich aus dem o,p′-Isomer und bis zu 50 anderen Verunreinigungen.[5]

Die Verbindung wurde zuerst 1944 beschrieben und 1945 eingeführt.[6]

Toxizität

In einigen In-vivo-Studien scheint „technisches“ Methoxychlor drei- bis viermal wirksamer bezüglich der Reproduktions- und Entwicklungstoxizität zu sein als reines Methoxychlor. Dies wird darauf zurückgeführt, dass Verunreinigungen im „technischen“ Methoxychlor, welche teilweise Metaboliten[7] von Methoxychlor sind, direkt östrogen wirksame Substanzen sind. Methoxychlor selbst wirkt schwach östrogen.[8]

Endokrin aktiver Metabolit HPTE

Dabei stellte sich vor allem der durch das Cytochrom P450 in der Leber demethylierte Metabolit von Methoxychlor 2,2-Bis(p-hydroxyphenyl)-1,1,1-trichlorethan (HPTE oder Hydroxychlor) als ein potenter endokriner Disruptor heraus.[9] Neuere Studien bei Ratten zeigen, dass Methoxychlor Krankheiten noch bis in die dritte Folgegeneration auslösen kann.[10][11]

Verwendung

Methoxychlor wurde als Insektizid verwendet.[1]

Zulassung

Die Verbindung wurde 2002 nicht in die Liste der in der Europäischen Union zulässigen Pflanzenschutzwirkstoffe aufgenommen. In den Staaten der EU und in der Schweiz sind keine Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff zugelassen.[12] Das Europäische Arzneibuch legt als Grenzwert für Methoxychlor-Rückstände in pflanzlichen Drogen 0,05 mg·kg−1 fest.[13]

Die Genehmigung zur Verwendung als Pflanzenschutzmittel oder Biozid in den USA wurde 2003 entzogen.[14] Grund für das Verbot war seine Persistenz in der Umwelt und des Akkumulationsvermögen in der Nahrungskette. 2023 wurde Methoxychlor in den Anhang A des Stockholmer Übereinkommens aufgenommen.[15]

Einzelnachweise

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