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Metropolie der Bukowina und Dalmatiens

ehemalige orthodoxe Kirchenprovinz in Österreich-Ungarn (von 1873 bis 1919) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Metropolie der Bukowina und Dalmatiens oder von Dalmatien[1] (rumänisch Mitropolia Bucovinei și Dalmației; ukrainisch Буковинсько-Далматинська митрополія; kroatisch Bukovinsko-dalmatinska mitropolija) war eine orthodoxe (bzw. im österreichischen Sprachgebrauch: griechisch-orientalische) Kirchenprovinz in Österreich-Ungarn, die von 1873 bis 1919 bestand. Sie umfasste die Erzeparchie Czernowitz in der Bukowina sowie die Eparchien Zadar und Kotor in Dalmatien und damit die orthodoxen Gemeinden in der österreichischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie.

Griechisch-orientalische Bistümer in Österreich-Ungarn: Die Diözesen der Metropolie der Bukowina und Dalmatiens (III.) sind gelb markiert.

Geschichte

Beim Anschluss der Bukowina (1774) übernahm die Habsburgermonarchie die traditionelle moldauische Orthodoxie (byzantinischer Herkunft). Die seit Anfang des 15. Jahrhunderts bestehende Eparchie Rădăuți (Radautz) unterstand damals der Metropolie Moldau, welche wiederum dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstand. Trotz Säkularisation des Klosterwesens wurde die Orthodoxie zur Staatsreligion in der Provinz erklärt. Der Bischofssitz wurde 1781 von Radautz nach Czernowitz verlegt und die Schulung junger orthodoxer Kleriker in Czernowitz autorisiert.

Als Dalmatien 1797 erstmals zu Österreich kam, wurde die orthodoxe Kirche unterdrückt, während der napoleonischen Herrschaft in den Illyrischen Provinzen aber wieder zugelassen und eine eigene Eparchie errichtet. Diese bestand auch während der neuerlichen österreichischen Herrschaft ab 1814 fort und wurde zunächst dem Metropoliten in Karlowitz (Karlovci) unterstellt. Der Bischofssitz wurde 1841 von Šibenik nach Zadar verlegt. Die Eparchie Dalmatien wurde 1870 in die Eparchien Zadar und Kotor aufgeteilt.

Aus dem Bistum Czernowitz wurde 1873 ein Erzbistum, das als Metropolitansitz den orthodoxen Bistümern der Bukowina und des Kronlands Dalmatien vorstand. So wurde Czernowitz zum Zentrum der griechisch-orthodoxen Kirche in Cisleithanien (der österreichischen Reichshälfte der k.u.k-Monarchie). Aus der theologischen Lehranstalt wurde die Griechisch-Orthodoxe Theologische Fakultät der 1875 neu gegründeten Franz-Josephs-Universität. Sie war die einzige moderne theologische Fakultät der Orthodoxie in ganz Osteuropa. Der erste Erzbischof Eugen Hackmann bemühte sich, die nationalen Konflikte (etwa zwischen Rumänen und Ukrainern) innerhalb seiner Kirche zu vermeiden. Im Laufe der Jahrzehnte konnte man das Gleichgewicht jedoch nicht bewahren; denn die orthodoxen Ukrainer behaupteten, dass die Kirche von der rumänischen Hierarchie beherrscht war. Die galizienstämmigen Ukrainer aus der Bukowina hingen in ihrer Mehrheit dem Glauben der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche an.[2]

Residenz des Metropoliten in Czernowitz

Der Metropolie unterstanden außerdem die verstreuten Gemeinden der orthodoxen Diaspora in anderen Kronländern Cisleithaniens, etwa die Griechenkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Wien[1] oder die orthodoxe Gemeinde in Prag.[3] Als Residenz der Metropoliten wurde 1864–1882 in Czernowitz ein Palast im historistischen Stil nach einem Entwurf des böhmischen Architekten Josef Hlávka erbaut. Dieser Bau wird heutzutage von der Universität Czernowitz genutzt und gehört seit 2011 zum Weltkulturerbe der UNESCO.[4]

Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie am Ende des Ersten Weltkriegs wurde auch die Metropolie der Bukowina und Dalmatiens aufgelöst, die zugehörigen Diözesen lagen nun in verschiedenen Staaten und wurden folglich unterschiedlichen kirchlichen Einheiten angegliedert. Die Bukowina kam infolge des Vertrags von Saint-Germain vollständig zu Großrumänien (auch der mehrheitlich von Ukrainern bewohnte Nordteil). Die griechisch-orthodoxe Kirche der Bukowina wurde daher der Rumänisch-Orthodoxen Kirche angeschlossen. Die Eparchie Dalmatien, die nun im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (bzw. Jugoslawien) lag, wurde hingegen der Serbisch-Orthodoxen Kirche unterstellt.

Mit der Aufteilung der Bukowina zwischen Rumänien und der Sowjetunion nach 1945 übernahm die Russisch-Orthodoxe Kirche (mit denselben byzantinischen Wurzeln, aber mit ihrer eigenen Zaren-Tradition) die Zuständigkeit für den ukrainischen Nordteil. Der Südteil blieb bei Rumänien und damit auch bei der Rumänisch-Orthodoxen Kirche, die ihn durch das Erzbistum Suceava und Rădăuți verwaltet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion haben sich in der unabhängigen Ukraine drei getrennte orthodoxe Kirchenstrukturen in der Region von Czernowitz herausgebildet: die Eparchie Tscherniwzi und Bukowina der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche, die bis 2022 der Autorität des Moskauer Patriarchats unterstand; die Eparchie Tscherniwzi-Bukowina der Orthodoxen Kirche der Ukraine (bis 2018 Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats); und die deutlich weniger Gemeinde umfassende Eparchie Tscherniwzi-Chotyn der ehemaligen Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche, die seit der Fusion 2018 ebenfalls Teil der Orthodoxen Kirche der Ukraine ist.

Literatur

  • Paul Brusanowski: Rumänisch-orthodoxe Kirchenordnungen. Siebenbürgen – Bukowina – Rumänien (1786–2008). Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2011, ISBN 978-3-412-20698-7.
  • Anatol Schmied-Kowarzik: Einleitung. In: Die Protokolle des cisleithanischen Ministerrates 1867–1918, IV/1: 1879–1893, 17. Februar 1879–28. Dezember 1882. Hrsg. Anatol Schmied-Kowarzik. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2024, ISBN 978-3-7001-9546-7, S. XI‒CXXXVIII, hier Lf (mrp.oeaw.ac.at).

Einzelnachweise

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