Mettius Pompusianus
römischer Senator und Konsul unter Vespasian
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Mettius Pompusianus (auch Pomposianus[1]) war ein römischer Senator und Suffektkonsul des 1. Jahrhunderts n. Chr., der unter Kaiser Domitian hingerichtet wurde. Bekannt ist er vor allem durch Berichte über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, die unter anderem den Besitz einer „Weltkarte“ sowie astrologische Aktivitäten betreffen.
Über Herkunft und frühen Lebensweg des Mettius Pompusianus ist nur wenig bekannt. Er bekleidete das Amt eines Suffektkonsuls unter Kaiser Vespasian, zwischen etwa 70 und 75. Bereits zu dieser Zeit kursierte das Gerücht, er besitze eine „imperatorische Genitur“, also ein Horoskop, das ihm die Kaiserwürde vorhersage.[2] Auch die Epitome de Caesaribus des Aurelius Victor überliefert diese Tradition; er berichtet: „Als ihn seine Freunde warnten, sich vor Mettius Pomposianus zu hüten, von dem das Gerücht umging, er werde herrschen, machte er (Vespasian) ihn dennoch zum Konsul und sagte spöttisch: ‚Eines Tages wird er sich dieser Wohltat erinnern.‘“[3]
Anklage und Hinrichtung
Unter der Herrschaft Domitians wurde Pompusianus angeklagt, zunächst nach Korsika verbannt und schließlich hingerichtet (ca. 90/91).[4] Die wichtigsten Informationen stammen aus Sueton und Cassius Dio. Als Gründe werden unter anderem genannt:
- der Besitz oder die Darstellung einer Weltkarte,
- die Beschäftigung mit astrologischen Praktiken,
- das Sammeln und Memorieren politischer Reden aus Titus Livius
- sowie die Benennung seiner Sklaven mit den Namen Hannibal und Mago[5] (wohl Mago I. gemeint).
Diese Vorwürfe stehen im Kontext der unter Domitian verschärften Verfolgung von Personen, denen eine Gefährdung der kaiserlichen Autorität (crimen maiestatis) unterstellt wurde. Insbesondere astrologische Praktiken konnten als politisch gefährlich gelten und strafrechtlich verfolgt werden.[6]
Deutung
Die genaue Bedeutung der gegen Pompusianus erhobenen Vorwürfe ist umstritten. Ältere Interpretationen sahen in dem Besitz einer Weltkarte einen Verstoß gegen ein angebliches kaiserliches Monopol auf geographische Darstellungen oder gegen ein religiöses Tabu. Neuere Ansätze, besonders derjenige von Klaus Geus, deuten die „Weltkarte“ hingegen als astrologische Darstellung, etwa ein Horoskop von Völkern oder Städten. In diesem Fall wäre nicht die Karte selbst das Problem gewesen, sondern ihre Verwendung im Rahmen astrologischer Prognosen, die als politisch gefährlich galten. Eine eindeutige Deutung ist jedoch nicht möglich. Auch die Benennung der Sklaven mit den Namen Hannibal und Mago wurde vereinzelt als möglicherweise astrologisch motiviert gedeutet; eine gesicherte Interpretation liegt jedoch nicht vor.[7]
Ein neuerer Deutungsansatz betont die Rolle des Horoskops bereits im Zusammenhang mit der Konsulatsverleihung durch Vespasian. David Woods hat vorgeschlagen, dass Vespasian die Ernennung des Pompusianus zum Konsul bewusst als (partielle) Erfüllung der ihm zugeschriebenen „imperatorischen Genitur“ inszenierte. Dadurch sei die ursprünglich wohl vager formulierte Prophezeiung auf ein hohes, aber politisch ungefährliches Amt umgedeutet und ihre potenzielle Brisanz entschärft worden.[8]
Eine Identifizierung des Mettius Pompusianus mit einem in einer römischen Inschrift genannten Lucius Pompusius Mettius …nus, der in den Jahren 80 bis 83 das Amt eines praefectus aerarii Saturni innehatte,[9] wird erwogen, so auch von Maximilian Lambertz.[10] Diese Gleichsetzung wird jedoch von Mireille Corbier abgelehnt. Gegen eine Identität spricht insbesondere die unterschiedliche Laufbahn: Während der Pompusius zur Zeit seiner Amtsausübung lediglich prätorischen Ranges war, hatte Mettius Pompusianus bereits zuvor das Konsulat bekleidet.[11]
Literatur
- David Woods: Vespasian and Mettius Pompusianus. In: Classica et Mediaevalia. Band 71, 2022, S. 129–138.
- Klaus Geus: Die ‚Weltkarte‘ und das Verbrechen des Mettius Pompusianus: Ein Vorschlag. In: Ablanathanalba. Magia, cultura y sociedad en el Mundo Antiguo. Madrid 2020, S. 175–183.
- Pascal Arnaud: L’affaire Mettius Pompusianus ou le crime de cartographie. In: Mélanges de l’École française de Rome. Band 95, 1983, S. 677–699.
- Mireille Corbier: L’aerarium Saturni et l’aerarium militare. Administration et prosopographie sénatoriale. Rom 1974, S. 88–91.
- Maximilian Lambertz: Pompusius Mettius, L.. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXI,2, Stuttgart 1952, Sp. 2424.
- Prosopographia Imperii Romani (PIR) ² (1983) M 570.