Michael Cohen (Jurist)
US-amerikanischer Rechtsanwalt
From Wikipedia, the free encyclopedia
Michael Dean Cohen (* 25. August 1966 auf Long Island, New York)[1] ist ein US-amerikanischer Jurist und ehemaliger Rechtsanwalt. Er erlangte internationale Bekanntheit als Interessenvertreter von US-Präsident Donald Trump.

Als bekannt wurde, dass er in Trumps Auftrag Schmiergeldzahlungen getätigt hatte, gestand Cohen seine Schuld und machte umfassende Aussagen, die seinen Boss belasteten. In den Jahren 2019 bis 2026 nahm Cohen eine distanzierte Haltung zu Trump ein und verunglimpfte ihn regelmäßig in der Öffentlichkeit. Alle diese Aussagen revidierte Cohen 2026, als er sich öffentlich wieder mit Trump versöhnte.
Leben
Michael Cohen wurde als Sohn eines polnisch-jüdischen Immigranten[2] geboren, der während des Zweiten Weltkrieges in die USA geflohen war. 1992 machte Cohen seinen Abschluss an der Western Michigan University Cooley Law School. Cohen eröffnete eine eigene Kanzlei und stieg mit dem 1978 aus der Ukraine immigrierten Geschäftsmann Simon Garber ins Taxilizenzen-Gewerbe der Stadt New York City ein; später wurde der russischstämmige Evgeny Freidman, bekannt als „Taxikönig New Yorks“, sein Geschäftspartner.[3] Auch versuchte er, US-Investoren für Geldanlagen in der Ukraine zu gewinnen. Später wurde er Partner der Kanzlei Phillips Nizer. Cohen begann in dieser Zeit, auch Teile seines eigenen Vermögens in den Besitz der Firmen von Donald Trump zu investieren. Cohen wurde von Trump als Vertreter in die Eigentümerversammlung des Trump World Tower installiert, wo es Cohen offenbar gelang, einen Aufstand der dort versammelten Eigentümer gegen Trump zu vereiteln.[1]
2007 bot Trump Cohen eine Anstellung als Vizepräsident und Berater in seiner Organisation an. 2011 soll Cohen nach Recherchen der U.S.-Medienplattform Vox bereits eine Kandidatur Trumps zur US-Präsidentschaftswahl 2012 ins Auge gefasst haben, zu der Trump aber nicht antrat. Cohen betätigte sich in verschiedenen Immobiliengeschäften in New York und erkundete für Trump Investitionsmöglichkeiten in Georgien und Kasachstan.[1]
Präsidentschaft Trump I
2015 entschied sich Donald Trump, zur US-Präsidentschaftswahl 2016 anzutreten. Cohen wurde Rechtsberater von Trumps Wahlkampfteam. Cohen bedrohte nach einem Artikel von Vox im Juli 2015 den Herausgeber des Magazins The Daily Beast, um zu verhindern, dass eine Geschichte veröffentlicht wurde, nach der Trump angeblich seine Exfrau Ivana Trump vergewaltigt habe. Im August 2016 arrangierte Cohen die Zahlung von Schweigegeld an Karen McDougal, um die Veröffentlichung der Geschichte ihrer angeblichen Affäre mit Trump zu verhindern. Das Geld wurde ihr als Honorar für die Exklusivrechte an ihrer Geschichte vom National Enquirer (American Media) bezahlt.[1]
Essential Consultants L.L.C.
Cohen gründete nach Presserecherchen am 27. Oktober 2016[1] eine Firma unter der Bezeichnung Essential Consultants L.L.C., die er offenbar für verschiedene geschäftliche und einige private Transaktionen nutzte. Cohen benutzte das Konto von Essential Consultants nach Recherchen der New York Times, um die Zahlung von Schweigegeld an Stormy Daniels abzuwickeln. Die Pornodarstellerin Daniels drohte damit, eine Geschichte über ihre Affäre mit Trump von 2006 zu veröffentlichen.[1]
Essential Consultants L.L.C. verzeichnete Geldflüsse von etwa 4,4 Millionen US-Dollar im Zeitraum zwischen Trumps Wahl zum Präsidenten und dem Januar 2018. 2017 wurden etwa 583.000 Dollar von der Investmentfirma Columbus Nova eingezahlt, deren Hauptkunde der russische Oligarch Viktor Vekselberg ist. Columbus Nova hatte nach Recherchen der Times 2017 einen Beratervertrag mit Cohen abgeschlossen, den man aber später aufgelöst hätte, weil sich keine konkreten Geschäfte daraus ergaben.
Der Luftfahrtkonzern Korea Aerospace Industries zahlte 600.000 Dollar an Cohen.[4]
Weitere Zahlungen in Höhe von etwa 200.000 Dollar kamen zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 von Seiten des Telekommunikationsunternehmens AT&T. Der Konzern gab bekannt, dass man das Geld für Beratertätigkeiten, betreffend das Verständnis der neuen Regierung an Essential Consultants, bezahlt habe. Der Vertrag sei im Dezember 2017 ausgelaufen.
Vier Zahlungen von je 99.980 Dollar kamen zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 von der Investmentsparte des Schweizer Pharmakonzerns Novartis. Auch Novartis gab bekannt, dass der Vertrag ausgelaufen sei.[5] Insgesamt zahlte Novartis innerhalb eines Jahres nach eigenen Angaben 1,2 Millionen Dollar an Cohen. Der Konzern ließ verlauten, dass man sich von Cohen Informationen über Trumps Gesundheitsreform erhofft hatte, aber dann feststellte, dass Cohen davon nichts verstand.[6]
Weitere 400.000 Dollar soll Cohen von der Ukraine angenommen haben, um im Gegenzug ein Gespräch zwischen den Präsidenten Petro Poroschenko und Trump zu arrangieren. Weiter soll die Ukraine nach BBC-Recherchen Verträge für Lieferungen von Kohle und für eine Milliarde Dollar Lokomotiven aus den USA unterschrieben haben, obwohl sie beides selbst fördern bzw. bauen kann. Zusätzlich stellte die Ukraine offiziell die Ermittlungen gegen Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort ein, der in der Ukraine Gelder von pro-russischen Gruppen angenommen haben soll. Vertreter der Ukraine hofften laut dem Artikel der BBC, Trump zu überzeugen, Waffenlieferungen an die Ukraine zu genehmigen.[7]
Strafverfolgung wegen Schmiergeldzahlungen
Am 9. April 2018 durchsuchten Bundesbeamte Cohens Büro und Hotelzimmer in Manhattan und nahmen seine Unterlagen, Computer und Telefone mit. Cohen war zum Ziel der Ermittlungen im Zuge der Sonderermittlung zur Beeinflussung des Wahlkampfs in den Vereinigten Staaten 2016 von FBI-Sonderermittler Robert Mueller geworden. Gegen Cohen wurde nach Angaben der Washington Post wegen Bankbetruges, Scheckbetruges und Verletzung der Finanzierungsregeln für den Wahlkampf ermittelt.[8] Ihm wurde eine Beteiligung an möglichen Schweigegeldzahlungen aus der Wahlkampfkasse vorgeworfen, mit denen er „unpassende“ Berichte über den damaligen Präsidentschaftskandidaten Trump im Wahlkampf 2016 verhinderte, darunter etwa die Zahlungen an Daniels.[9]
Am 21. August 2018 bekannte sich Cohen vor einem New Yorker Bundesgericht in acht Punkten für schuldig, darunter in zwei Fällen von illegaler Wahlkampffinanzierung und in fünf Fällen von Steuerbetrug.[10] Konkret ging es um die Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels und an Karen McDougal. Cohen räumte ein, er habe diese Zahlungen im Auftrag „eines Kandidaten“ getätigt, nannte aber dessen Namen nicht.[11] Nach Lage der Dinge könne es hierbei – aus Sicht des Tagesspiegels – nur um den damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gegangen sein.[11] Damit belastet Cohen Trump schwer.[12] Am 12. Dezember 2018 wurde Cohen unter anderem wegen Steuerhinterziehung und Falschaussagen (vor dem Kongress im Zuge der Sonderermittlung zur Beeinflussung des Wahlkampfs in den USA 2016) zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.[13] Das oberste Gericht in New York entzog Cohen seine Anwaltslizenz. Cohen verbüßte seine Haftstrafe bis November 2021, davon 13½ Monate im Gefängnis und aufgrund von Hafterleichterungen wegen der COVID-19-Pandemie die restlichen 22½ Monate in Hausarrest.
Ende Februar 2019 sagte Cohen vor mehreren Ausschüssen des Kongresses aus. Er bezeichnete seinen ehemaligen Auftraggeber als einen „Rassisten“, einen „Hochstapler“ und einen „Betrüger“. Cohen legte dem Ausschuss Dokumente vor, die seine Aussagen untermauern sollten. Er äußerte, dass Trumps Wahlkampfteam Kontakt zu Russland gehabt, Trump im Vorfeld von den Wikileaks-Veröffentlichungen gegen Hillary Clinton gewusst und diese begrüßt sowie dass Trump die Schweigegeldzahlung an Stormy Daniels persönlich angeordnet habe.[14]
Zwischentrumpzeit
Mit Disloyal – A Memoir: The True Story of the Former Personal Attorney to President Donald J. Trump veröffentlichte Cohen im September 2020 ein Buch über seine Zeit als Anwalt von Präsident Trump, in dem er mit diesem abrechnete.[15][16] Unter anderem hieß es dort:[17]
„I knew him better than even his family did because I bore witness to the real man … a cheat, a liar, a fraud, a bully, a racist, a predator, a conman.
Ich kannte ihn sogar besser als seine eigene Familie, weil ich den wahren Mann bezeugen kann … einen Schummler, einen Lügner, einen Betrüger, einen Schikaneur, einen Rassisten, einen Triebtäter, einen Hochstapler.“
Von 2021 bis Anfang 2026 betrieb Michael Cohen den Podcast „Mea Culpa“ und integrierte diesen ab 2022 in das MeidasTouch-Netzwerk, wo er auch gemeinsam mit Ben Meiselas die wöchentliche Show „Political Beatdown“ moderierte. Er trat zudem vielfach als Studiogast für Nachrichtensender, Diskussionsrunden und fremde Podcasts auf, in der Regel in progressiven Medien. In diesem Rahmen wiederholte er regelmäßig seine Anschuldigungen gegen Trump und galt als geläuterter Experte für Trump, der aufgrund seiner Nähe zum ehemaligen Präsidenten einerseits über einen Schatz an Anekdoten, Episoden und Erfahrungsberichten mit Trump und dessen Entourage verfügte, und andererseits auch dessen Psyche einschätzen könne. Dabei wurde er häufig verbal ausfällig gegenüber Trump und bezeichnete ihn unter anderem als „tumbe Karikatur eines Misogynisten“ oder als „Flips-gepuderten Comicschurken“.[17] Umgekehrte feuerte Trump zurück, Cohen sei eine „Ratte“. Auch seine eigenen bekannten Straftaten wurden thematisiert: Cohen gab freimütig zu, als Anwalt Trumps eine kriminelle Vergangenheit gehabt zu haben, wobei er stets betonte, dass er diese selbst mit ans Tageslicht gebracht habe, und auch seine gerechte Haftstrafe ohne Bewährung verbüßen musste. Als ungerecht empfinde er lediglich, dass er als Bauernopfer gedient habe, und andere Mitwisser und Mitverschwörer aus seinem ehemaligen Umfeld nicht bestraft worden sein, allen voran Trump selbst.
Im Mai 2024 gab Cohen als Zeuge im Strafverfahren New York v. Trump zu, 30.000 Dollar von Trump unterschlagen zu haben.[18]
Präsidentschaft von Trump II
Im Januar 2026 veröffentlichte Cohen überraschend einen Substack-Artikel, in welchem er seinen Strafverfolgern, welche er Jahre zuvor für ihre Gründlichkeit gepriesen hatte, nun vorwarf, damals seine Geständnisse und Aussagen gegen Trump erpresst zu haben. Er bitte nun Donald Trump um eine Begnadigung. Diese hatte er selbst noch 2018 ausdrücklich abgelehnt und sich stattdessen erfolglos um einen Begnadigungsakt durch Joe Biden bemüht. Trump selbst zeigte sich von dem erneuten Seitenwechsel Cohens überzeugt und besänftigt, und truthte einen Post, in dem er den „schrecklichen radikalen Linken“ mit Vergeltung für das drohte, was sie Cohen angetan hätten, dies sei von Beginn an „ein KOMPLOTT“ gewesen.
Diese öffentliche Kehrtwende führte unter anderem zur sofortigen Beendigung von Cohens Zusammenarbeit mit MeidasTouch, mit welchen er bis zu diesem Zeitpunkt auch während der erneuten Amtszeit gegen Trump publiziert hatte. Cohen gab nun freimütig zu, dass seine Wandlung zum „liberalen Widerstandskämpfer“ lukrativ gewesen sei: er habe mit seinen Publikationen Millionen an Dollar verdient.[19] Doch nun sei es an der Zeit, dass er dem Weißen Haus die Hand reiche; beide Seiten hätten einander nun schlicht vergeben.[20] Von unabhängigen Medien wurden seither Hinweise publiziert, dass Cohen keineswegs alle Verbrechen in seiner Vergangenheit aufgedeckt habe, und seinen Auftraggeber Trump weiterhin gedeckt halte, etwa hinsichtlich der Epstein-Affäre, von der sich Cohen stets vehement distanziert hatte.[21]
Im August 2026 interviewte Cohen den Präsidenten persönlich in seinem Podcast. In dem viertelstündigen und höchst unterwürfigen Telefoninterview beschwor Cohen seine Loyalität und sprach Trump unter anderem mit „Boss“ an.[17] Umgekehrt beschränkte sich Trumps Beitrag auf ein Geschwurbel über Wahnsinnige in der Demokratischen Partei, welche in der nächsten Wahl ausgelöscht würde, weil die Leute zu schlau seien, um etwas zuzulassen, was nicht in tausend Jahren funktionieren würde; sowie auf haltlose Drohungen gegen den Iran, gegen welchen die USA sich zu dem Zeitpunkt im Krieg befanden.[22]
Familie
Michael Cohen ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn.[23][24][25]
Publikationen
- Disloyal – A Memoir: The True Story of the Former Personal Attorney to President Donald J. Trump (2020)
- Mea Culpa: The Election Essays (2020, Sammlung eigener Zeitungsbeiträge)
- Revenge − How Donald Trump Weaponized the US Department of Justice Against His Critics (2023)
Weblinks
- Andrew Prokop: Michael Cohen: Trump’s fix-it guy and FBI raid subject, explained. In: vox.com, 11. April 2018 (englisch)
- Kanal von Michael Cohen auf Youtube