Michael Kovrig
kanadischer Diplomat
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Michael Kovrig (* 3. Februar 1972 in Toronto, Ontario) ist ein kanadischer Berater und Diplomat.

Zwischen September 2018 und Dezember 2021 war er in China wegen Spionagevorwürfen inhaftiert. Die Inhaftierung von Kovrig zusammen mit seinem kanadischen Landsmann Michael Spavor wurde als Vergeltungsmaßnahme für die Verhaftung von Meng Wanzhou durch die Royal Canadian Mounted Police wegen Betrugsvorwürfen angesehen.[1]
Leben und Karriere
Michael Kovrig wurde am 3. Februar 1972 in Toronto, geboren. Sein Vater war Professor an der University of Toronto und wanderte aus Ungarn nach Kanada ein.[2] Seine Mutter wanderte aus der Tschechoslowakei nach Kanada ein.[2] Sein Großvater mütterlicherseits stammte aus Österreich und gründete ein multinationales Chemieunternehmen.[2] Er spricht Englisch, Französisch, Ungarisch und Mandarin.[3] In 1994 erwarb er einen Bachelorabschluss in Anglistik an der University of Toronto.[2] Nach seinem Studienabschluss lebte er in Budapest, Ungarn, wo er als Zeitungsjournalist und Rundfunksprecher für Magyar Rádió tätig war.[4] Von 1996 bis 1999 war Kovrig außerdem Sänger der ungarischen Punkrockband Bankrupt.[5]
Im Jahr 2003 erwarb er einen Masterabschluss in Internationalen Beziehungen an der Columbia University.[2] Von 2003 bis 2007 arbeitete er als Öffentlichkeitsarbeiter für die kanadische Delegation bei den Vereinten Nationen.[3] Von 2007 bis 2010 arbeitete er als Öffentlichkeitsarbeiter für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen.[3] In 2010 begann Kovrig für Global Affairs Canada, das kanadische Außenministerium, zu arbeiten.[6] Von 2010 bis 2014 arbeitete er in Ottawa, wo er Sicherheitsberichte verfasste.[7] Von 2014 bis 2016 arbeitete er als Diplomat an der kanadischen Botschaft in China in Peking.[7] In 2016 war er außerdem Konsul am kanadischen Konsulat in Hongkong.[8][9] Von 2017 bis 2018 und seit 2021 arbeitete er als Forscher bei der International Crisis Group, einer Nichtregierungsorganisation. Er hat außerdem Artikel für Zeitungen und Zeitschriften verfasst, darunter The Globe & Mail, South China Morning Post[10], Asia Times[11], Politico[12], The Diplomat[13], und ChinaFile.[14] Seine Artikel behandeln chinesische Politik, internationale Beziehungen und Territorialkonflikte im Südchinesischen Meer.[10][14]
Inhaftierung in China
Im Dezember 2018 wurde Kovrig von den chinesischen Behörden in Peking wegen Spionagevorwürfen verhaftet.[15] Sein Landsmann Michael Spavor wurde ebenfalls in Dandong verhaftet.[16] Die Verhaftung der beiden Kanadier erfolgte kurz nachdem die CFO von Huawei, Meng Wanzhou, von der Royal Canadian Mounted Police wegen Betrugs verhaftet worden war.[17] Die kanadische Regierung warf China Geiseldiplomatie vor.[18] Mehr als 220 Politiker, Diplomaten und Akademiker unterzeichneten einen Brief, in dem sie die Freilassung von Kovrig und Spavor forderten, darunter Volker Stanzel, Thorsten Benner, Thomas Kleine-Brockhoff und Sarah Kirchberger.[19] Am 15. Juli 2021 veröffentlichte seine ehemalige Band Bankrupt den Song „Pekingi nyár“ (Pekinger Sommer) und dessen englischsprachige Version „The Plane To Toronto“, um gegen seine Inhaftierung zu protestieren.[20][21] Der Prozess gegen Kovrig begann im März 2021, wurde aber nie abgeschlossen.[22] Während seiner Inhaftierung wurde Kovrig in Isolationshaft festgehalten.[23] Kovrig gab an, dass er sechs bis neun Stunden am Tag verhört und ihm Essen vorenthalten wurde.[23][24]
Am 24. September 2021 wurden Kovrig und Spavor aus dem Gefängnis entlassen.[25] Meng Wanzhou reichte am selben Tag eine Verständigung im Strafverfahren ein, die es ihr ermöglichte, ohne Gefängnisstrafe freigelassen zu werden.[26] Das Außenministerium der Volksrepublik China behauptete, dass beide Männer aus medizinischen Gründen und nicht aufgrund der Freilassung von Meng Wanzhou freigelassen wurden.[27] Am 25. September 2021 flogen Kovrig und Spavor von China nach Calgary. Dort traf Kovrig Premierminister Justin Trudeau und Außenminister Marc Garneau.[28] Anschließend flog er nach Toronto, um seine Familie zu besuchen.[28]
2023 verklagte Spavor die kanadische Regierung.[29] Er behauptete, Kovrig habe Informationen, die sie über Nordkorea besprochen hatten, an den kanadischen Geheimdienst weitergegeben, was zu ihrer Verhaftung durch die chinesischen Behörden geführt habe.[29][30] Das kanadische Außenministerium dementierte dies und erklärte, weder Kovrig noch Spavor seien in Geheimdienstaktivitäten verwickelt gewesen.[31]