Michaelskirche (Asperg)
Kirchengebäude in Asperg, Landkreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg
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Die evangelische Michaelskirche ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz in Asperg, einer Stadt im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie gehört zum Kirchenbezirk Ludwigsburg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Die Kirche wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum „Denkmal des Monats Dezember 2023“ ernannt.
Geschichte und Baubeschreibung
Nachdem der Hohenasperg als eine der sieben von Herzog Ulrich errichteten Landesfestungen im Rahmen seiner selbstverschuldeten Vertreibung 1519 stark beschädigt[1] und erst im Jahre 1534 nach seiner Rückkehr dann fertiggestellt war,[2] wurden die dort bisher vorhandenen Wohnplätze als kleines Städtchen an den Fuß des Berges verlegt, was eine kleine Ortskirche erforderte. Diese wurde 1557 als spätgotische Chorturmkirche mit sehr schmalem Schiff nur in Turmbreite fertiggestellt. Der Turm beherbergt im obersten Geschoss die Turmuhr und den Glockenstuhl und ist mit einem Pyramidendach bedeckt, das von einer Laterne bekrönt wird. Schon 1580 wurde das Kirchenschiff nach Süden erweitert und südlich neben dem Chorturm ein spätgotischer Ostchor mit durchgehend fluchtender Südwand angebaut. Das nun breitere Langhaus erhielt 1591 an der in den Kirchenraum hineinragenden Südwestecke des Chorturms die neue Kanzel mit Zugang aus dem bisherigen Turmchor, der nun als Sakristei genutzt wurde, außerdem eine dreiseitige Umlaufempore sowie die auf die Kanzel ausgerichtete Bestuhlung des Chorraums, wodurch diese Renaissance-Kirche bis 1959 den Raumtypus einer Querkirche repräsentierte.[3] Das Langhaus erhielt einen sehr breiten Dachstuhl mit doppeltem Hängewerk, der bis in die 1950er Jahre zunehmend statische Probleme bereitete. Der neue Chor erhielt damals übliche Maßwerkfenster. Das Netzrippengewölbe wurde nicht, wie gewohnt, aus Werksteinen hergestellt , sondern aus Stuck. Hierzu wie auch zur unten genannten Asperger Kanzel kann der Hinweis interessant sein, dass 1561 der Baumeister Aberlin Tretsch seinem Herzog Christoph berichtete: „Das iypserhandtwerckh [..] ist bei uns in teutschland ein new handtwerckh ist wohl vor zwanzig iaren bey e.f.g. herrn vatter sälige zayten uff dem Asperg angefangen.“[4] Als Emporenzugang wurde außen auf der Mitte der Südwand im Jahre 1614 ein runder Treppenturm errichtet. Als Folge der Schlacht von Nördlingen 1634 wurden Ort und Kirche Asperg schwer gebrandschatzt und erst 1650 nach Ende des Dreißigjährigen Krieges unter Einbeziehung des baufälligen Turms wieder aufgebaut. Aus dieser Zeit stammen auch die Emporen mit ihren geschnitzten Holzsäulen auf den von einem Festungssteinmetz gestalteten Steinsockeln sowie die neue Orgel auf einer auch der Gemeinde dienenden Chorempore. Abgesehen von zwischenzeitlich immer wieder notwendigen Dachstuhlreparaturen gab es 1831 eine Turmsanierung mit Aufstockung und erst im 20. Jahrhundert wieder große Baumaßnahmen: Nach dem Abbau der Chorempore 1948 und der ebenerdigen Aufstellung der Orgel leitete Architekt Krauter aus Asperg 1959/60 die West-Erweiterung des Kirchenschiffs. Damit wurde eine Neukonstruktion des Dachstuhls aus Stahl und daran die Aufhängung der flachen Holzgewölbedecke statt der alten Stuckdecke möglich. Der gleichzeitige Verzicht auf die Nordempore legte die bisher unbekannten Nordwandgemälde frei und beendete zusammen mit der Neuordnung des Parterregestühls 1959/60 die bisherige Querkirchen-Ausrichtung. Das Kircheninnere wurde wiederum 1983 und durch den Maulbronner Architekten Chr. Müller 2022–2024 renoviert.
Ausstattung
Kanzel, Taufstein und Kruzifixus: Die markanteste Ausstattung ist aus der Zeit um 1600 zweifelsfrei die seltene Stuckkanzel an der nördlichen Chorbogenecke mit ihrer steinernen Moses-Skulptur mit den Gesetzestafeln als Kanzelträger, den profilierten Bodenplatten- und Brüstungs-Gesimsen sowie am Kanzelkorb mit den geflügelten Engelsköpfchen zwischen den Evangelisten in den Nischen der Brüstungsfelder. Für den Werkstoff Stuck gilt der obige Hinweis. Der Schalldeckel scheint erst nach Ende des langen Krieges ergänzt worden zu sein; er wird bekrönt von einer sehr kunstvoll in Stuckguss modellierten Darstellung des Kirchenpatrons, des Erzengels Michael, der den Luzifer besiegt. Der kelchförmige, achteckige und auf quadratischem Grundriss stehende Taufstein aus zwei Sandsteinblöcken dürfte kurz nach 1500 für die damalige Kirche auf dem Hohenasperg geschaffen worden sein, der hölzerne, 210 Zentimeter hohe hölzerne Kruzifixus hundert Jahre später.
Bauplastik und Grabdenkmale: Zwei nicht erst für den Asperger Kirchenneubau geschaffene Gewölbe-Schlusssteine unbekannter Herkunft fanden hier beim Gewölbebau Verwendung: ein Stein mit einer Darstellung der heiligen Katharina sowie ein Vollwappen-Schlussstein. Das Netzrippen-Chorgewölbe von 1591 ist bauzeitlich mit zwei Wappen- und Blütenrosette-Schlusssteinen und mit zwölf Konsolen bzw. Rippenanfängern aus fast lebensgroßen Christus- und Apostelfiguren versehen. Vom früheren Kirchhof, von den Innenwänden der Kirche und durch archäologische Funde haben sich eine Reihe von Grabplatten und Grabdenkmalen erhalten.
Wandmalerei: Von der Ausmalung um 1620 sind im Langhaus auf der Nordwand drei Bilder in Rollwerkrahmen erhalten. Sie stellen einen von Stiftern in Auftrag gegebenen Passionszyklus dar, welcher nur noch in Resten erhalten ist. Das erste Bild zeigt die Geißelung Christi und seine Beschimpfung durch die Juden. Auf dem zweiten Bild sind Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung zusammengefasst. Auf dem dritten Bild schließlich ist alleine die Himmelfahrt Christi dargestellt. Jedes der drei Bilder besitzt einen sich auf den Bildinhalt beziehenden Begleittext aus dem Neuen Testament.[5]
Glasmalerei: Adolf Valentin Saile schuf in seiner Stuttgarter Glaswerkstatt 1960 für den Langhausanbau das Westfenster aus fünf schmalen Fensterbahnen, durch breite Wandstreifen voneinander getrennt: drei Mittelbahnen Jüngstes Gericht mit Majestas Domini und Erzengel Michael, dem Kirchenpatron als Drachentöter und Seelenwäger; links und rechts die Werke der Barmherzigkeit.[6] 1982/83 schuf er das nordöstliche Tauffenster mit der Vision von den Strömen des Wassers des Lebens aus den zwölf Toren des Himmlischen Jerusalem (Apg 21,1–22 LUT).
Glocken: Das dreistimmige Glockengeläut aus Bronze besteht aus einer historischen Glocke von 1701 und zwei weiteren Kirchenglocken, die 1956 von der Glockengießerei Kurtz in Stuttgart gegossen wurden.
- Glocke 1 von 1701 wird auch „Heimkehrerglocke“ genannt. Sie wurde 1942 zur Rüstungsproduktion eingezogen, wozu es aber nicht kam, so dass sie 1948 wieder nach Asperg zurückkehren konnte. Sie wiegt bei einem Durchmesser von 100 cm etwa 600 kg und hat die Tonhöhe g'. Die Inschrift benennt den Gießer: THOMAS SCHENKH HAT MICH GOSEN ASPERG ANNO MDCCI
- Glocke 2 wiegt etwa 500 kg, der Schlagton ist a'. Die Inschrift lautet: Lasset uns versöhnen mit Gott. Bildlich dargestellt ist eine Kreuzigungsgruppe.
- Glocke 3 wiegt etwa 300 kg, der Schlagton ist h'. Die Inschrift lautet: Jesus ist Sieger. Eingeprägt ist ein Bild des auferstandenen Christus.
Orgel: Ein erstes Orgelpositiv verbrannte 1634 bei der Zerstörung der Kirche. Die zweite Orgel mit fünf Registern wurde 1671 in Heilbronn von Johann Ludwig Günnern gebaut und hatte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts Bestand. Die dritte Orgel mit 14 Registern von E.F. Walcker in Ludwigsburg wurde 1864 aufgestellt, 1948 jedoch wegen der Sicht auf die Maßwerkfenster des Chores umgebaut und renoviert. Das unbefriedigende Ergebnis und vor allem einige Orgelwerks-Schäden durch Bauarbeiten waren der Anlass für den Bau der vierten Orgel 1969, ebenfalls durch die Firma E. F. Walcker & Cie. Sie hat einen Umfang von 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal.[7]
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 18–19.
- Hermann Ehmer, Karl Halbauer, Paul Müller et al.: Ein feste Burg ist unser Gott – Festschrift zum 450-jährigen Bestehen der Michaelskirche, 1557–2007. Asperg 2007
Weblinks
- Die Michaelskirche auf der Website der Kirchengemeinde