Miller-Meteor

US-amerikanischer Hersteller von Krankenwagen und Bestattungsfahrzeugen From Wikipedia, the free encyclopedia

Miller-Meteor war ein von 1956 bis 1979 aktiver US-amerikanischer Hersteller von Kranken- und Leichenwagen (sogenannte Professional Cars). Seine Modelle basierten auf dem Cadillac Commercial Chassis, das von den Cadillac-Limousinen der jeweiligen Zeit modifiziert wurde. Die Marke wurde von der Divco-Wayne Corporation durch Erwerb und Zusammenfassung der namensgebenden Vorgängerunternehmen Miller und Meteor ins Leben gerufen.

Schnelle Fakten
Miller-Meteor
Logo
Rechtsform Company
Gründung 1956
Auflösung 1979
Auflösungsgrund Betriebseinstellung
Sitz Piqua, USA
Mitarbeiterzahl 252 (1979)
Branche Karosseriebauunternehmen
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Besondere Bekanntheit erlangte ein Miller-Meteor-Krankenwagen durch ein Ectomobile genanntes Auto als auffällige Requisite in dem Spielfilm Ghostbusters – Die Geisterjäger und seinen Fortsetzungen.

Geschichte

Vorläufer

Die A.J. Miller Company wurde 1853 als Hersteller von Pferdewagen gegründet, baute ab 1870 oder 1871 erstmals Leichenwagen und seit den frühen 1920ern in größerem Umfang Krankenwagen. In jener Zeit benutzte das Unternehmen hauptsächlich Chassis von Studebaker und Dodge sowie auch gänzlich selbst hergestellte. Ab 1930 stellte Miller seine Nutzfahrzeuge vorrangig auf Chassis von Cadillac und Packard, aber auch LaSalle und Oldsmobile her. Ab der Nachkriegszeit basierten alle Miller-Fahrzeuge auf Cadillac-Wagen.[1]

Die Meteor Motor Car Company entstand 1915 als eine Firma des Geschäftsmanns Maurice Wolf und schloss als einen der frühen Unternehmensschritte eine bis 1917 bestehende Zusammenarbeit mit Miller ab: Meteor stellte das Chassis – das erste spezialisierte für professional cars – und Miller die Aufbauten zum gemeinsamen Aufbau professioneller Wagen. In den folgenden Jahrzehnten nutzte Meteor als Mitbewerber von Miller ebenfalls verschiedene Chassis – Ende der 1930er vor allem von LaSalle – und spezialisierte in den Nachkriegsjahren seinerseits auf Cadillac-Chassis.[2]

Miller-Meteor

Miller-Meteor wurde 1956 als Tochterunternehmen von Wayne Works gegründet, einem seit 1892 existierenden Hersteller von Omnibussen mit Sitz in Richmond, Indiana. Wayne hatte 1954 die Meteor und zwei Jahre später auch Miller übernommen, zwei bis dahin unabhängige Hersteller von Ambulanz- und Bestattungsfahrzeugen, die jeweils in Ohio ansässig waren. 1956 firmierte Wayne in Divco-Wayne um. Im gleichen Jahr entstand aus der Zusammenlegung von Miller und Meteor die Miller-Meteor Division im Divco-Wayne-Konzern, die 1957 den Betrieb aufnahm. Die Werkstätten befanden sich in den Meteor-Einrichtungen in Piqua, Ohio; Millers Werkshallen in Bellefontaine wurden dagegen verkauft.[3]

Miller-Meteor konzentrierte sich darauf, Kranken- und Leichenwagen auf der Grundlage von in Großserie gebauten Pkw-Fahrgestellen zu produzieren. Das Unternehmen war von Beginn an erfolgreich. Fünf Jahre nach Betriebsbeginn kamen 50 Prozent aller in den USA verkauften Professional Cars mit Pkw-Chassis von Miller-Meteor. Seit dieser Zeit war das Unternehmen Marktführer in diesem Segment. Miller-Meteor konkurrierte unter anderem mit der Superior Coach Company und mit Hess & Eisenhardt.

Das Geschäftsmodell von Meteor-Miller verlor seine Grundlage durch den Emergency Medical Services Systems Act (EMS Systems Act) von 1973. Diese Regelung, die 1978 in Kraft trat, bestimmte, dass Krankenhäuser und Gemeinden, die sich jedenfalls zum Teil durch Bundesmittel finanzierten, nur noch Krankenwagen einsetzen durften, die auf Fahrgestellen von Vans und Nutzfahrzeugen beruhten, um größere Transport- und Behandlungskapazitäten zu ermöglichen.[4][5] Diese Vorgabe wurde vor allem mit Sicherheitsaspekten begründet. Damit brach der Markt für die Fahrzeuge, die Miller-Meteor produzierte, ab 1978 praktisch komplett weg. Zwar galten die Vorschriften des EMS Systems Act nicht für Leichenwagen. Weil aber Cadillac zum Ende der 1970er-Jahre die Abmessungen der großen Chassis stark reduzierte, hatte Miller-Meteor auch hierfür keine technische Basis mehr. Versuche, die Produktion auf Van-Chassis umzustellen, scheiterten.[3]

Zum November 1979 stellte Miller-Meteor den Betrieb ein. 252 Beschäftigte verloren ihre Arbeit. Der Markenname Miller-Meteor lebte weiter. Verschiedene Unternehmen erwarben nacheinander die Nutzungsrechte. Die ab 1980 gebauten Leichenwagen, die als Miller-Meteor bezeichnet wurden, hatten zum ursprünglichen Unternehmen keine Beziehung.

Fahrzeuge von Miller-Meteor

Cadillac Commercial Chassis von 1975

Miller-Meteor baute seine Kranken- und Bestattungsfahrzeuge ausschließlich auf der Basis von Commercial Chassis der GM-Marke Cadillac. Diese Chassis waren regelmäßig werksseitig im Angebot. Sie basierten auf den langen Fahrgestellen der Repräsentationslimousinen aus der Series-75-Reihe und hatten einen nochmals längeren Radstand, der bis 1970 bei 3962 mm (156 Zoll) und von 1971 bis 1976 bei 4001 mm (157,5 Zoll) lag.[6] Die Commercial Chassis waren teilkarossiert, das heißt, der Motorraum war im Stil der jeweiligen Serien-Cadillacs voll verkleidet, außerdem gab es vordere Türen, den Windschutzscheibenrahmen und den Armaturenträger sowie Sitze. Fahrwerk und Antriebstechnik der Commercial Chassis entsprachen den kleineren Serienlimousinen. In einigen Jahrgängen hatten die Commercial Chassis Luftfederung.

Miller-Meteor hatte verschiedene standardisierte Modelle im Programm, die an die jeweils aktuellen technischen Grundlagen von Cadillac angepasst waren. Es gab reine Kranken- und reine Leichenwagen, aber auch Fahrzeuge, die für beide Zwecke gleichermaßen verwendet werden konnten. 1966 gab es 13 standardisierte Baureihen, 1970 bereits 34. Die Modellbezeichnungen lauteten unter anderem Sentinel, Futura, Paramount und Criterion. Die Typen unterschieden sich unter anderem durch die Zugangsmöglichkeiten. Einige Autos nahmen die Krankentragen bzw. die Särge ausschließlich durch die Hecktür auf, andere konnten stattdessen (oder zusätzlich) mit einem Drehsystem über die hinteren Seitentüren beladen werden. Der 1973 eingeführte Criterion wurde zum erfolgreichsten Einzelmodell von Miller-Meteor. Der Transportraum für Patienten war 2971 mm (117 Zoll) lang, die Kopffreiheit betrug 1625 mm (64 Zoll).

Ectomobile

Ectomobile (Ecto-1)

Ein umgebauter Krankenwagen des Typs Miller-Meteor Futura von 1959 wurde in der 1984 produzierten US-amerikanischen Science-Fiction-Fantasy-Komödie Ghostbusters als Requisite eingesetzt. Das als Ectomobile bezeichnete Auto mit dem fiktiven Kennzeichen Ecto-1 war darin das Einsatzfahrzeug der Geisterjäger in New York City. Ectomobile gilt als eines der bekanntesten Autos der Filmgeschichte.[7]

Das Auto hatte zahlreiche Auf- und Anbauten auf der serienmäßigen Miller-Meteor-Karosserie, die fiktive, themenbezogene Zwecke haben sollten. Dazu gehören eine Protonen­kanone und Geisterfallen. Einige dieser Teile werden im Film weder aktiv eingesetzt noch erklärt.[8] Die Anbauten gehen auf Ideen von Stephen Dane zurück.[9] Für die Produktion des ersten Ghostbusters-Films wurde nur ein Miller-Meteor komplett umgebaut. Das Produktionsunternehmen erwarb ein zweites Auto, das allerdings nur als Reserve diente.[10]

Nachbauten des Ecto-1 kamen in der Ghostbusters-Neuverfilmung von 2016, ferner in den Fortsetzungen Ghostbusters II (1989), Ghostbusters: Legacy (2021) und Ghostbusters: Frozen Empire (2024) zum Einsatz. Das Originalfahrzeug aus dem ersten Film ist mittlerweile in den Sony Pictures Studios in Los Angeles ausgestellt.[8]

Auch in Videospielen zum Ghostbusters-Franchise kommt das Ectomobile regelmäßig vor. Schließlich bieten einige Hersteller Miniaturmodelle des Ectomobile an.

Weitere Filmrollen

Kranken- und seltener Leichenwagen von Miller-Meteor sind häufig in amerikanischen Filmen und Fernsehserien zu sehen, meistens als Hintergrundfahrzeuge oder in einzelnen Szenen zum Abtransport von Verletzten.

Eine Schlüsselrolle für die Handlung spielt ein Miller-Meteor Lifeliner aus dem Jahr 1973 im Thriller The Ambulance aus dem Jahr 1990. Er dient den Bösewichten dazu, zuckerkranke Frauen für medizinische Versuche zu entführen.[11]

Im Katastrophenfilm Avalanche aus dem Jahr 1978 stürzt eine Miller-Meteor Classic Limousine aus dem Jahr 1965 nach einem Unfall von einer Brücke und explodiert, was die Hauptfigur Caroline Brace (Mia Farrow) nur mit Glück überlebt.[12] Mehrfach sind sie auch in Verfolgungsjagden zu sehen, beispielsweise in den Fernsehserien Knight Rider (Episode Geheimversteck Cadiz, zweite Folge der sechsten Staffel)[13] und CHiPs.[14] Ein 1970er Miller-Meteor Landau Traditional wird in einer Folge der Serie Pimp My Ride umgebaut.[15]

Literatur

  • Georg Amtmann: Cadillac. Lechner Verlag, Genf 1990, ISBN 3-85049-071-8
  • Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2.
  • Walter McCall: American Funeral Vehicles 1883-2003: An Illustrated History, Ertel Publishing, 2003, ISBN 978-1583881040.
  • Thomas McPherson: Miller-Meteor: The Complete Illustrated History, Ertel Publishing, 2010, ISBN 978-1583882580.
  • Mary Sieber, Ken Buttolph: Standard Catalog of Cadillac 1903–1990. Krause Publications, Iola 1991, ISBN 0-87341-174-9.
Commons: Miller-Meteor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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