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Mincovňa Kremnica

Münzprägestätte der Slowakei From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Mincovňa Kremnica, štátny podnik (deutsch Münzhaus Kremnica, Staatsbetrieb) in Kremnica (deutsch Kremnitz) ist die Münzprägestätte der Slowakei. Das Münzzeichen ist MK im Kreis, zwischen zwei Prägestempeln oben und unten.

Münzzeichen der Prägeanstalt

Neben Umlaufmünzen und Medaillen werden in der Münze Kremnitz Plaketten, Token, Abzeichen, Orden, Amtsketten, Ratsabzeichen und ähnliches hergestellt.

Der Prägeanstalt ist auch ein Münzenmuseum mit Dauer- und Sonderausstellungen angeschlossen, das von der Nationalbank der Slowakei unterhalten wird.

Geschichte

Gebäude des Münzhauses Kremnica
Goldmünze aus Kremnitz

Am 17. Dezember 1328 wurde Cremnychbana das Privileg einer Münzstadt durch den ungarischen König Karl Robert von Anjou verliehen. Im Mittelalter wurden im Umland von Kremnitz, der heutigen Mittelslowakei, große Mengen an Gold und Silber gefördert, die in der Münzstätte zu Münzen geschlagen wurden. Die sogenannten Florene wurden nach dem Vorbild der Münzen aus Florenz geprägt. Nach der lateinischen Aufschrift auf einer ähnlich gearteten Goldmünze der Stadt Venedig mit den Worten „ista duatusc“ wurden diese Art Münzen später Dukaten genannt. Die Kremnitzer Dukaten galten wegen ihres hohen Feingehalts als härteste Währung im mitteleuropäischen Raum und wurden als Ongaro sogar wieder in Italien nachgeprägt.

Banderolentaler Leopolds I. von 1662 aus der Münzstätte Kremnitz

Im Jahr 1499 begann die Prägeanstalt in Kremnica als eine der ersten Münzhäuser mit der Herstellung von Münzen aus Silber. Die Mincovňa Kremnica galt jahrhundertelang als führend in der Münzprägung, vor allem bei der Entwicklung neuer Produktionstechniken. Am Ende des 15. Jahrhunderts erzielten die Kremnitzer Meister eine für die damalige Zeit beispiellose Jahrensproduktion im Umfang von 250.000 Dukaten. Die Blütezeit erlebte das Kremnitzer Münzhaus unter der kaiserlichen Herrschaft von Maria Theresia, als hier mehr Münzen geprägt wurden als in allen anderen Münzstätten der Monarchie zusammen.

Spindelprägemaschinen – Balancier

1710 führte der Medailleur Daniel Warou die Spindelprägemaschine oder Balancier in Kremnitz ein. Die Münzer von Kremnitz waren auch in der Lage, diese „Balanciers“ selbst zu konstruieren und auch an andere Münzstätten zu liefern. So wurden nach dem Kremnitzer Vorbild die Münzprägestätten in Wien und Prag mit Balancier ausgestattet. Die Bedeutung von Kremnitz zu dieser Zeit wird auch an der Zahl der im Einsatz befindlichen Balancier deutlich: Während in der Wiener Münze 4 und im Prager Münzhaus 3 Spindelprägemaschinen liefen, waren es in Kremnitz insgesamt 18.[1]

1881 wurden die letzten, als Zahlungsmittel dienenden Goldmünzen in Kremnitz geprägt, da sie durch Münzen mit weniger edlen Metallen verdrängt wurden. Nach den Aufzeichnungen der Münze Kremnitz waren insgesamt 21,5 Millionen Stück hergestellt worden.[2]

Die erste elektrisch angetriebene Maschine wurde am 2. Juni 1921 mit der Herstellung der ersten Zwanzighellermünzen in Betrieb genommen.[3]

In beiden Weltkriegen wurde das Münzhaus schwer beschädigt: Nach dem Ersten Weltkrieg ließ die ungarische Regierung alle Maschinen in die Hauptstadt des neuen ungarischen Staates abtransportieren. Am Ende des Zweiten Weltkriegs schleppte die deutsche Armee während ihres Rückzugs einen Teil der Einrichtung und die Vorräte an Münzmetallen fort und vernichtete die Prägemaschinen mit Sprengstoff. Den Angestellten der Münze gelang es die Maschinen zu reparieren und zu ersetzen, damit auch weiterhin Münzgeld für die Tschechoslowakei hergestellt werden konnte.

Mitte der sechziger Jahre wurde mit der Entwicklung einer automatischen Zuführung der Münzrohlinge die Produktivität noch einmal enorm gesteigert. Ein Mitarbeiter konnte damit bis zu drei Maschinen auf einmal bedienen.[3]

1986 wurde die Münzprägung in ein neues Werk außerhalb des Stadtzentrums verlegt. Das alte Gebäude wurde aber weiterhin für die Prägung von u. a. Medaillen und Orden genutzt. Nach einer umfassenden Restaurierung kehrte die gesamte Produktion aus dem neuen Werk wieder in die alte Münzstätte zurück.

Slowakische Euromünzen

Am 19. August 2008 wurden auf den modernisierten Anlagen erstmals slowakische Euromünzen geprägt.[4]

Im Jahr 2011 wurde die Prägeanstalt zum Europäischen Kulturerbe erklärt.[5][6]

Prägezeichen

Das erste Prägezeichen auf den in Kremnica geprägten Münzen war C (für das lateinische Cremnicium); unter Sigismund wurde es in K (für das ungarische Körmöcz oder das deutsche Kremnitz) geändert und später in K-B (ungarisch Körmöcz-Bánya oder deutsch Kremnitz-Bergstadt). Maria Theresia vereinheitlichte die die Münzzeichen des Österreichischen Reiches mit dem Erlass vom 16. Juni 1766: Das neue alphabetische System spiegelte die Bedeutung der Münzstätte wider: Körmöcbánya erhielt den Buchstaben B (die Wiener Münzstätte erhielt A, die Prager Münzstätte C usw.). Dies wurde später wieder auf K.B. (für Körmöczbánya) geändert. Das Münzzeichen K.B. wurde nach der Verlegung der Münzstätte nach Budapest bis 1922 verwendet. Die Mincovňa Kremnica verwendet ihre Initialen (MK) als Münzzeichen.

Produktion

Seit 2009 konzentriert sich das Umlaufmünzen-Programm der Münze vorwiegend auf die Herstellung von Münzen für lateinamerikanische Länder (Paraguay, Uruguay, Nicaragua, Guatemala, Argentinien, Venezuela, Costa Rica, Kolumbien, Honduras), Bangladesch und Sri Lanka,[7] aber auch für weitere Staaten wie Tunesien, Mauretanien, Belarus, Slowenien, Estland und Armenien sowie auf die jährliche Prägung slowakischer Euromünzen für die Nationalbank der Slowakei (NBS). Neben Umlaufmünzen prägt die Münzprägeanstalt Kremnica auch Gedenk- und Sammlermünzen aus Edelmetall. Seit Einführung des Euro in der Slowakei werden für die NBS Gedenkmünzen mit einem Nennwert von 2 Euro, silberne Sammlermünzen mit Nennwerten von 10 und 20 Euro sowie Goldmünzen mit einem Nennwert von 100 Euro hergestellt.

Neben Umlauf- und Gedenkmünzen wird auch Werbe- und Promomaterial aus Metall produziert, wie z. B. Dienstabzeichen, Krawattenklammern, Schlüsselanhänger, Abzeichen mit Ketten, Etiketten und Visitenkarten aus Gold, Silber, Tombak, Kupfer oder Aluminium. Darüber hinaus werden Teflonbeschichtung und Oberflächenbehandlung von Metallen angeboten.

Museum

Im Jahr 2006 wurden die historischen Gebäude aus dem Jahr 1450 umfassend saniert. In diesen Räumlichkeiten entstand der Firmenladen MINC-ART, der auch eine Münzprägeausstellung beherbergt. Hier befinden sich unter anderem erhaltene historische Prägemaschinen der Marke Vulkan. Neben historischen Prägemaschinen und -geräten können Besucher moderne Prägemaschinen direkt bei der Münzprägung beobachten.[8] Es wird der Designprozess und die Fertigung der Prägestempel mit Kopierdrehmaschine erläutert.

Literatur

Wikisource: Daniel Warou – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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