Minmi
Gattung von Vogelbeckensauriern aus der Gruppe der Ankylosauria
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Minmi war eine Gattung von Vogelbeckensauriern aus der Gruppe der Ankylosauria. Funde der Minmi kommen aus der Unteren Kreidezeit in Australien. Der Name der Gattung leitet sich von dem Fundort Minmi Crossing bei Roma in Queensland ab.
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Modell von Minmi im National Dinosaur Museum in Canberra, heute eher als umstritten einzustufen | ||||||||||||
| Zeitliches Auftreten | ||||||||||||
| Unterkreide (Aptium bis Albium)[1] | ||||||||||||
| 126,3 bis 100,5 Mio. Jahre | ||||||||||||
| Fundorte | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Minmi | ||||||||||||
| Molnar, 1980 | ||||||||||||
| Arten | ||||||||||||
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Entdeckung und Benennung


Die ersten von fossilen Überreste von Minmi (QM F10329) wurden 1964 von Alan Bartholomai bei Ausgrabungen des Queensland Museum in Queensland (Australien) entdeckt.[2] 1980 folgte die Erstbeschreibung durch Ralph Molnar.[3] Sie umfassen Teilen der Bauchpanzerung, Rippenfragmenten um einem unvollständigen Fuß. Zudem fanden sich elf Rückenwirbel, entlang derer eine Anzahl von einzigartigen, waagerecht verlaufenden Knochenstäbchen befinden. Die paravertebrale Lage dieser Stäbchen ist namensgebend für die Art. Sehr wahrscheinlich handelt es sich dabei um verknöcherte Sehnen.[4]
Es war der erste Thyreophora aus Australien – ja sogar der gesamten Südhalbkugel. Typusart ist Minmi paravertebra; Die Funde werden in die Untere Kreidezeit (Aptium oder Albium), vor 126 bis 100 Millionen Jahren, datiert.
Ein zweites, 1989 entdecktes und Minmi zugeordnetes Fossil (QM F1801) wurde 2015 als eigene Art Kunbarrasaurus definiert. Die Unterschiede des postkranialen Baus waren zu groß. In der Folge wurden weitere, bis dahin Minmi zugewiesene Funde als basal ankylosaurisch zurückgestuft.[5]
Merkmale
Minmi erreichte eine Länge von rund 3 Metern und eine Körperhöhe von rund 1 Meter[3]. Die Gewichts- und Volumenrekonstruktion bei gepanzerten Tieren gestaltet sich äußerst schwierig, vergleicht man jedoch ähnlich große Ankylosaurier, so ergäbe sich ein Gewicht von rund 300 ±100 kg.[6] Er bewegte sich wie alle Ankylosaurier quadruped (auf allen vieren fort). Wie alle Ankylosaurier wies er eine Panzerung aus Hornschuppen auf; diese waren verhältnismäßig klein und verliefen in Reihen. Auch der Bauch war von kleinen Knochenplatten bedeckt, an der Oberseite des Schwanzes verlief eine Doppelreihe scharfkantiger Knochenschuppen. Einzigartig unter den Ankylosauriern sind die waagrechten, neben den Wirbeln verlaufenden Knochen.
Die meisten Informationen über Minmi stammten von dem nun Kunbarrasaurus zugeordneten Fossil, das als eines der vollständigsten unter den Ankylosauria weltweit gilt. Dementsprechend müssen Eigenschaften bezüglich der Bezahnung, ein weitgehend unbewehrter Schädel, vor allem aber auch die verlängerten Beine seither als nicht evident eingestuft werden. Rekonstruktive Darstellungen seit 1989 als rein spekulativ einzustufen.
Lebensweise
Annahmen zur Lebensweise Minmis lassen sich vergleichend mit Schwesterarten wie Kunbarrasaurus und anderer kleiner Ankylosaurier ziehen. Im Darm letzterem wurden Rückstände faseriger Pflanzen, Früchte und Samen, eventuell sogar Farnsporen ähnliches Material gefunden. Dies entspräche der üblichen, vielfach bekannten Ernährungsweise der Ankylosaurier und Verwandten.[7][5]
Der Holotyp entstammt der geologischen Schicht der Bungil Formation.[8] Das heutige Queensland war damals Teil des südöstlichen Ausläufers Gondwanas. Die mosaikartige Landschaft war durchzogen von Flüssen und Seen, was ausladende Schwemmlandschaften schaffte. Das gemäßigt bis subtropische Klima mit schwach ausgeprägten Jahreszeitenwechsel bot vermutlich die perfekten Voraussetzungen für mittelgroße Pflanzenfresser. Die Vegetation bestand aus frühen Nadel- und Cycadenwäldern, daneben verschiedenen Farnen und ersten Blütenpflanzen.
Sowohl Körpergröße als auch die eher schwach ausgeprägte Bewehrung Minmis kämen einer verbesserten Agiltität entgegen, um sich ungehindert im Unterholz fortzubewegen und sich besser den Angriffen durch kleinerer Theropoden zu stellen. Ähnliche Überlegungen bestehen bezüglich anderer Verwandten, zum Beispiel dem Pinacosaurus. Andererseits handelt es sich bei Minmi um einen sehr frühen Vertreter seiner Art, demnach könnten sowohl Größe als auch die Ausformung der Panzerung lediglich als ein Frühstadium von damals relativ neuen Eigenschaften.
Systematik
Nach anfänglicher Zurechnung Minmis anbei der Nodosauridae und späterer als der vielleicht ürtumlichste Ankylosauria eingestuft, so gilt dessen genaue systematische Einordnung bis heute schwierig und umstritten ist. Eine momentane Platzierung als labiler Basistaxon innerhalb der Thyreophora, aber parallel der Ankylosauria gilt als vorübergehend korrekt aber unvollständig.[9][10]
Die verknöcherten Sehen, die Molnar 1980 als eigenständiges Merkmal herauswies, unterscheiden sich laut ihm von denen anderer Ornithischia, stattdessen ähnelten sie der pathologischen Sehnenaponeurose moderner Krokodile. 2014 zweifelte Victoria Megan Arbour dies an und konnte lediglich eine Besonderheit feststellen, die vertikale Ausdehnung der Sehne des Musculus articulospinalis an ihrem äußeren vorderen Ende, die sich um den seitlichen Fortsatz des Wirbels schlingt.[11] Da sich auch dieses Merkmal anderswo finde stand die Einordnung der Gattung als Nomen dubium im Raum.[12] Durch die Untersuchung und Neuordnung 2015 ergab letztlich jedoch genug Unterscheidung zur neuen Gattung Kunbarrasaurus. Auch eine Untersuchung von 2021 in Bezug auf den nahen Verwandten Struthiosaurus festigt die Behandlung als eigenes Taxon.[13]
Literatur
- Matthew K. Vickaryous, Teresa Maryańska, David B. Weishampel: Ankylosauria. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 363–392.