Mittelstenweiler
Ortsteil von Salem
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Mittelstenweiler ist ein Ortsteil der Gemeinde Salem im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.
Mittelstenweiler Gemeinde Salem | |
|---|---|
| Koordinaten: | 47° 45′ N, 9° 20′ O |
| Höhe: | 472 m ü. NHN |
| Fläche: | 3,14 km² |
| Einwohner: | 696 (31. Dez. 2024)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 222 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. April 1972 |
| Postleitzahl: | 88682 |
| Vorwahlen: | 07544, 07553 |
Luftbild von Mittelstenweiler (1984) | |
Geographie
Lage
Mittelstenweiler liegt im Salemertal in der Bodenseeregion, rund drei Kilometer östlich des Ortszentrums von Salem. Es ist ein kleines Dorf auf einer aussichtsreichen Randhöhe des Gehrenbergs, nördlich der Bodenseegürtelbahn.[2]
Gliederung
Zur Gemarkung gehören das Dorf Mittelstenweiler, die Häuser Unterstenweiler, und das Haus Roter Torkel.[3]
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Mittelstenweiler wurde in der letzten fränkischen Ausbauphase (8./9. Jahrhundert) von Neufrach her besiedelt.[4]
Mittelalter und frühe Neuzeit
1192 wird der Ort in einer Schenkungsurkunde des Grafen Mangold von Rohrdorf erstmals erwähnt. Kloster Salem unter der Leitung von Abt Eberhard von Rohrdorf erhielt einen Hof zu Mittelstenweiler. Hofgüter besaßen in Mittelstenweiler sowohl das Hochstift Konstanz (1207) als auch das Chorherrenstift St. Johann in Konstanz (1297). Im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts gelangten mehrere Güter in den Besitz des Klosters Salem. Spätestens seit 1500 war das Kloster im Besitz der Niedergerichtsbarkeit (Dorfherrschaft), und ab 1637 auch der Landeshoheit (Hochgerichtsbarkeit).[5]
Unterstenweiler ist 1150 erstmals als „Eschiniswilare“ erwähnt. Es gelangte 1220 als „Schenkung“ an Salem.
Moderne
Nach der Enteignung des Klosters Salem im Rahmen der Säkularisation 1803 gehört der Ort zunächst zum markgräflichen Oberamt, ab 1813 zum großherzoglichen Bezirksamt Salem im Seekreis und ab 1857 zum Bezirksamt Überlingen im Großherzogtum Baden, das 1939 in Landkreis Überlingen umbenannt wurde. Bis 1972 war Mittelstenweiler selbständige Gemeinde.[6]
Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg schloss sich Mittelstenweiler 1972 mit sieben weiteren Orten zur Gemeinde Salem zusammen.[7]
Gesellschaft
Bevölkerung
Die Zahl der Einwohner blieb von 1850 bis 1930 ziemlich gleich bei etwa 150 Personen. Ein Zuwachs ist in den 1950er Jahren zu verzeichnen und ab den 1970er Jahren ein rasanter Anstieg auf das Dreifache.[8]
| Jahr | 1852 | 1871 | 1890 | 1910 | 1925 | 1933 | 1950 | 1961 | 1970 | 1987 | 2000 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohnerzahl[9] | 169 | 155 | 221 | 152 | 159 | 152 | 210 | 203 | 314 | 496 | 516 | 696 |
Religion
Die Bevölkerung war bis zur Aufhebung der Klosterherrschaft 1803 ausschließlich katholisch. Dies ändert sich im 19. Jahrhundert kaum, 1925 waren dann ca. 6 % der Einwohner evangelisch, 1970 dann ca. 17 %.[10] Mittelstenweiler gehört zur ehemaligen katholischen Pfarrei Leutkirch (Neufrach), heute St. Nikolaus Markdorf. Der Hof Roter Torkel war allerdings nach Bermatingen eingepfarrt.

Im Jahr 1800 wurde in Mittelstenweiler eine neue Kapelle an der Dorfstraße erbaut, nachdem das baufällig gewordene Kirchlein ganz oben im Dorf abgerissen werden musste. Im Jahr 1997 wurde die nur 24 m² große Marien-Kapelle durch eine Bürgerinitiative renoviert. An deren Seitenwand befinden sich Tafeln zum Kriegergedenken 1870–71 und 1914–18 und zu Kriegsopfern 1939–45.
Die Kapelle St. Bartholomäus in Unterstenweiler wurde um 1800 erbaut. Sie musste aufgrund des schlechten baulichen Zustandes 1974 abgetragen werden.[11]
Politik
Die Gemeinde schloss sich 1911 einem Flussbauverband und 1968 einem Abwasserverband an. Letzter amtierender Bürgermeister der Gemeinde Mittelstenweiler vor dem Zusammenschluss zur Gemeinde Salem 1972 war Adolf Schmid (1959–1972).
Der Gemeinderat von Salem wurde von 1972 bis 2004 in einer unechte Teilortswahl gewählt. Das System garantierte jedem Ortsteil eine bestimmte Anzahl von Sitzen. In der Gemeinde Salem gibt es für jeden Ortsteil einen Ortsreferenten.
Wappen
„In Blau zwei schräggekreuzte goldene Abtsstäbe, belegt mit einem schwarzen Schild mit einem doppeltreibig rot-silbergeschachten Schrägbalken.“ Das Gemeindewappen ist ein Spiegelbild der langjährigen Herrschaft des Reichsstiftes Salem. Das schwarze Schild in der Mitte war das Wappen des Bernhard von Clairvaux. Der geschachtete Schrägbalken in rot und weiß steht für die Zisterzienser und die gekreuzten Krummstäbe weisen auf die Bischofswürde des Klosters hin.[12]
Infrastruktur
Öffentliche Einrichtungen
Im Jahr 1931 hat die Gemeinde Mittelstenweiler die zentrale Wasserversorgung errichtet.

Das Dorfgemeinschaftshaus wurde 1974 gebaut. Mit viel ehrenamtlichem Engagement wurde 2005 das Gebäude erweitert und grundlegend saniert.
Verkehr
Südlich vom Dorf am Fuß des Höhenzuges verlaufen die Landstraße L205 und die Bodenseegürtelbahn parallel nebeneinander von Neufrach nach Bermatingen. Die Kreisstraße K7748 zweigt ab nach Mittelstenweiler und verläuft dann weiter nach Oberstenweiler und Grünwangen. Über das Sträßchen Spießhalden ist der Ort von Leutkirch her zu erreichen. Die Buslinie 7396 von Friedrichshafen nach Frickingen hat eine Haltestelle an der Landstraße. Die Bodenseegürtelbahn von Stahringen nach Friedrichshafen wurde 1901 eingeweiht und hatte einen Haltepunkt Mittelstenweiler, allerdings auf der Gemarkung Neufrach gelegen. Der Betrieb wurde hier aber bald eingestellt.
Wirtschaft
Das Dorf war traditionell landwirtschaftlich geprägt. Hinweise auf verbreiteten Weinbau in der Gemeinde unter der Klosterherrschaft Salem bieten Urkunden aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie die ehemalige Torkelscheuer aus dem Jahre 1786 in der Winzergasse. Bis 1933 gab es eine landwirtschaftliche Warengenossenschaft. 1943 wurde die „Raiffeisen-Molkerei-Genossenschaft Mittelstenweiler“ gegründet mit durchschnittlich 25 Mitgliedern. 1978 erfolgte der Zusammenschluss mit den Genossen in Neufrach.

Im vergangenen Jahrhundert gab es mehrere Einzelhandelsgeschäfte im Ort: in den 1920er Jahren die „Handlung von Ferdinand Egle“, in den 30ern die „Handlung v. Adolf Ganter“ und danach die „Handlung von Adolf Moser“.
Ab den 1970er Jahren vollzog sich der Wandel zur Wohngemeinde.
Kultur
Sehenswürdigkeiten
Unter Denkmalschutz steht neben der Marienkapelle und dem Bauernhaus „Roter Torkel“ die ehemalige Torkelscheuer mit „hohem Vollwalmdach und mächtigem liegenden Dachstuhl“.[13] Die Sanierung der ehemaligen Torkel wurde mehrfach mit Denkmalschutzpreisen ausgezeichnet. Sie erhielt 2014 den Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg und 2019 den zweiten Platz beim Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege.
Neben dem Dorfbrunnen zählen fünf Wegkreuze zu den Kleindenkmalen.
Bildung
Schulisch gehörte sie wohl seit 1787 zum Schulverband Leutkirch, bis dieser 1909 aufgelöst wurde und ein eigenes Volksschulgebäude in Mittelstenweiler für den neuen Schulverband Mittelstenweiler-Oberstenweiler-Rimpertsweiler errichtet wurde. In Folge des Schulverbandes von 1965 gehen alle Kinder in den Kindergarten nach Stefansfeld und die Grundschüler nach Neufrach.
Vereine und Veranstaltungen
Die Dorfgemeinschaft Mittelstenweiler führt seit 2008 alljährlich mit dem „Wielemer Viertele“ eine Laufveranstaltung durch. Ihre Theatergruppe führt seit 1946 zum Jahreswechsel Theaterstücke auf, früher im Gasthof Rössle, danach im Dorfgemeinschaftshaus.
Der Narrenverein Goldene 7 e. V. Mittelstenweiler gehört zur Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. Neben dem alle zwei Jahre stattfindenden gemeinschaftlichen Umzug der Salemer Narrenzünfte wird an zahlreichen auswärtigen Veranstaltungen teilgenommen.
Literatur
- Kuratorium Heimat und Arbeit: Die Gemeinden im oberen und unteren Linzgau, Mittelstenweiler, in: Der Kreis Überlingen / Überlingen und der Linzgau am Bodensee. 1972. ISBN 3-8062-0102-1. S 328 f
- Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Mittelstenweiler. 2009
- Staiger, F. X. Conrad: Mittelstenweiler, S. 253–254, in: Salem oder Salmansweiler … Constanz 1863 (ND 2008).
- Hugo Gommeringer: Mittelstenweiler, in: Salemer Wappen. 2000. ISBN 3-929551-09-8. S 60 f
- Regierungspräsidium Tübingen Referat 26 Denkmalpflege: Verzeichnis der unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale in Baden-Württemberg Bodenseekreis – Salem – Mittelstenweiler
- Hugo Gommeringer: Kirchen und Kapellen in der Seelsorgeeinheit Salem, 2004, ISBN 3-7954-6483-8

