Mocs (Meteorit)
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Meteorit von Mocs ist ein Steinmeteorit, der am 3. Februar 1882 in einem ausgedehnten Meteoritenschauer nahe dem Dorf Mócs (heute Mociu) im Kreis Cluj in Siebenbürgen niedergegangen ist, das damals zum Königreich Ungarn im Rahmen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte und heute zu Rumänien zählt.[1]
Da der Niedergang des Meteoriten von zahlreichen Personen beobachtet und die Stücke unmittelbar danach eingesammelt wurden, gilt Mocs als klassischer „beobachteter Fall“. Schätzungsweise 3.000 Fragmente des Meteoriten wurden gefunden. Mit einer Gesamtmasse von etwa 300 kg zählt Mocs zu den bedeutendsten historischen Meteoritenfällen Europas.[2] Viele der gefundenen Steine gelangten in bedeutende Museen weltweit, wodurch der Meteorit auch eine wichtige Rolle in der Meteoritenforschung spielte.
Fallereignis

Am Nachmittag des 3. Februar 1882, gegen 16 Uhr Ortszeit, wurde über dem Gebiet von Cluj eine sehr helle Feuerkugel beobachtet. Nach Augenzeugenberichten folgten rollende Donnerschläge und mehrere starke Detonationen. Der Meteorit näherte sich aus nordwestlicher Richtung. Die Streuellipse des Meteoritenfalls ist etwa 15 Kilometer lang und 3 Kilometer breit. Die kleineren Bruchstücke gingen am nordwestlichen Rand der Streuellipse nieder, die größeren am südöstlichen. Die größte geborgene Masse wog etwa 56 kg, die Gesamtmasse betrug etwa 300 Kilogramm. Der Meteoritenfall von Mocs ist einer der größten dokumentierten Fälle eines Steinmeteoriten.
Der Meteorit ist einer von 10 anerkannten Meteoriten, die bis zum Jahr 2008 auf dem Staatsgebiet des heutigen Rumänien gefallen sind.[2] Der Name des Dorfes Mocs (das einst zu Ungarn gehörte) wurde in Mociu geändert, da es jetzt zu Rumänien gehört. Der Name des Meteoriten blieb unverändert, weil die Benennung eines Meteoriten üblicherweise nach der Siedlung erfolgt, die dem Fundort am nächsten liegt und sich nachträglich nicht mehr ändert, auch wenn die Siedlung später eine Namensänderung erfährt.[3]
Klassifikation

Der Mocs-Meteorit ist ein Steinmeteorit aus der Gruppe der gewöhnlichen Chondrite. Der Gesamteisengehalt (21,8 Gew.-%) sowie die Olivin- und Orthopyroxen-Zusammensetzung deuten darauf hin, dass der Meteorit von Mocs zur geochemischen Gruppe der gewöhnlichen Chondriten vom Typ L (eisenarm) gehört. Der petrologische Typ ist jedoch unklar; er wurde entweder als L6 oder, in jüngerer Zeit, als L5–6 klassifiziert. In der Meteoritical Bulletin Database wird er als venig durchzogener L5–6-Chondrit (Ordinary chondrite, veined, L5–6; W0) geführt. Er ist damit einer von (Stand 2025) 72 anerkannten Meteoriten, die als L5–6 klassifiziert wurden.[2]
- Petrologischer Typ: L5–6
- „L“ kennzeichnet eine relativ niedrige Gesamtmenge an metallischem Eisen;
- die Typen 5–6 deuten auf eine weit fortgeschrittene thermische Metamorphose des ursprünglichen, chondritischen Ausgangsmaterials hin.[4]
- Struktur: Der Meteorit zeigt deutlich ausgeprägte Schmelzadern (veins), die auf Stoßereignisse im Mutterkörper zurückgeführt werden. Untersuchungen ergaben unterschiedliche Stoßgrade (S3-S5) in verschiedenen Proben, was auf eine komplexe Schockgeschichte hinweist.[5]
- Verwitterungsgrad: Der Verwitterungsgrad wird mit W0 angegeben, was bedeutet, dass die Proben praktisch unverwittert sind – ein Ergebnis der raschen Bergung nach dem beobachteten Fall.
Sammlung
Ein großer Teil der unmittelbar nach dem Fall geborgenen Stücke wurde vom Naturhistorischen Museum Wien erworben. Von dort aus wurden zahlreiche Fragmente im Rahmen von Austauschprogrammen an andere Sammlungen vor allem in Europa und Nordamerika weitergegeben.
Allein in der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums Wien befinden sich rund 1600 Einzelsteine des Mocs-Meteoriten, womit Mocs zu den am besten vertretenen Meteoriten dieser Sammlung zählt. Mocs gilt als einer der wichtigsten Meteoritenschauer des 19. Jahrhunderts in Europa. Große Massen liegen auch im Nationalen Museum für Siebenbürgenische Geschichte in Cluj, Rumänien (42,8 kg) und im Ungarischen Naturwissenschaftlichen Museum in Budapest (21 kg).[6]
Weitere Proben sind heute in vielen Museen und universitären Sammlungen weltweit verteilt, sodass Mocs in der Meteoriten-Forschung leicht zugänglich ist und vielfach untersucht wurde. Die Kombination aus gut dokumentiertem Fall, großer Anzahl von Fragmenten und weiter Verteilung in Museumssammlungen macht den Meteoriten zu einem Referenzobjekt für L-Chondrite mit fortgeschrittener Metamorphose und komplexer Schockgeschichte.
Wissenschaftliche Untersuchungen
Aufgrund der großen Stückzahl und der guten Erhaltung wurde Mocs mehrfach Gegenstand detaillierter Laborstudien. Arbeiten seit den 1990er-Jahren befassen sich unter anderem mit:
- der chemischen Heterogenität des Materials und der Stoßgeschichte des Meteoriten, insbesondere im Vergleich zum ebenfalls rumänischen Tauti-Meteorit;[5]
- der Verteilung kosmogener Radionuklide entlang eines Profils durch verschiedene Fragmente des Streufeldes, um Informationen über Größe, Form und kosmische Strahlungsgeschichte des Mutterkörpers zu gewinnen;[7]
- der Zusammensetzung seltener Erden und anderer Spurenelemente, um Mocs mit anderen L5–6-Chondriten zu vergleichen.[3]