Modell

Vereinfachtes, spezifische Eigenschaften hervorhebendes Abbild eines Originals From Wikipedia, the free encyclopedia

Modell (von italienisch modello Muster entlehnt, geht zurück auf lateinisch *modellus, die Suffixvariante zu lateinisch modulus Maß)[1][2][3] bezeichnet im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ein vereinfachtes Realitätsabbild, hat jedoch in der Umgangssprache weitere Bedeutungen.[4]

In der Wissenschaft definiert man ein Modell als die vereinfachte, analoge Darstellung eines Originals, die spezifische Eigenschaften hervorhebt und für einen bestimmten Zweck verwendet wird. Modelle dienen dazu, komplexe Sachverhalte zu erklären, zu analysieren oder vorherzusagen. Sie können sowohl statische Artefakte als auch dynamische Werkzeuge sein, wie Nissen und Thalheim betonen. Modelle werden in Wissenschaft, Technik und Praxis vielfältig eingesetzt.[5]

Weder der abgebildete Gegenstand selbst noch die Nachbildung muss dabei materiell sein, so werden beispielsweise in den Geisteswissenschaften manche Theorien als Modelle betrachtet.[4]

Wissenschaftliche Hauptmerkmale

Nach Stachowiak lassen sich Modelle durch drei grundlegende Merkmale charakterisieren:[6]

  1. Abbildungsmerkmal: Modelle sind Abbildungen natürlicher oder künstlicher Originale. Sie stellen ein bestimmtes Objekt oder System dar. Was und wie wird abgebildet?
  2. Verkürzungsmerkmal: Modelle sind immer vereinfachte Darstellungen und erfassen nur die für einen bestimmten Zweck relevanten Eigenschaften oder Aspekte eines Originals. Wie verkürzt wird das Was abgebildet?
  3. Pragmatismusmerkmal: Modelle erfüllen eine spezifische Funktion. Sie sind für bestimmte Zwecke, Benutzergruppen und Zeiträume entwickelt und auf diese begrenzt. Für wen, für welchen Zeitraum und für welchen Zweck wird das Was abgebildet?[6][7]

Heuristische Modelle

In der Wissenschaft werden sogenannte heuristische Modelle angefertigt, ohne dass oder bevor die davor stehende Wirklichkeit bekannt oder ausreichend sicher bekannt ist.[7] Nachträglich als brauchbar erwiesen haben sich z. B. der Benzolring, die Doppelhelix der DNS und die Relativitätstheorie.

Populäre Begriffsverwendung

Die Begriffe Modell und Modellierung werden nicht einheitlich benutzt, was in der Kritik eines Philosophen zum Ausdruck kommt:

„Im wissenschaftlichen wie außerwissenschaftlichen Sprachgebrauch hat gegenwärtig der Modellbegriff zunehmend Relevanz erlangt. Bei zahlreichen passenden – leider auch unpassenden – Gelegenheiten ist von ‚Modellen‘ die Rede. Das Wort Modell wird ebenso gedankenlos fehlverwendet, wie man es als bewußt gewählten […] Terminus in Zusammenhängen findet, die das Bestreben erkennen lassen, es mit einer streng expliziten oder wenigstens explizierbaren Bedeutung zu verbinden.“[8]

Der wissenschaftlichen Verwendung entsprechend ist diese Bedeutung:

In diesem Sinne außerwissenschaftliche Begriffsanwendungen existieren seit langem:

  • Malerei und Fotografie: Das Modell des Malers oder Photographen ist kein Abbild der Wirklichkeit, sondern es ist die Wirklichkeit, die abgebildet wird.
  • Gießerei: Das Guss-Modell ist keine Nachbildung, sondern das nachzubildende Objekt. Von ihm werden mithilfe der damit erzeugten negativen Guss-Form ein oder mehrere Objekte (Guss-Stücke) hergestellt. Letztere sind kein reduziertes Abbild, sondern unterscheiden sich vom Guss-Modell i. W. nur im Werkstoff, aus dem sie bestehen.
  • Konsumgüter: Verschiedene Varianten von Gebrauchs-Produkten werden als verschiedene Modelle bezeichnet, obwohl sie gleichbedeutend sind, nicht einerseits Objekt und andererseits ein davon reduziertes Abbild.

Anwendung

Modelle werden in vielfältigen Bereichen menschlichen Handelns eingesetzt, um komplexe Sachverhalte begreifbar zu machen:

Beispiele vorwiegend gegenständlicher Modelle

Commons: Modell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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