Mohammed Wardi

sudanesisch-nubischer Sänger und Songwriter From Wikipedia, the free encyclopedia

Mohammed Osman Hassan Salih Wardi (arabisch محمد عثمان حسن وردي; * 19. Juli 1932 in Sawarda, asch-Schamaliyya State; † 18. Februar 2012 in Khartum), bekannt als Mohammed Wardi, war ein sudanesisch-nubischer Sänger und Songwriter. Er ist einer der bekanntesten sudanesischen Musiker des 20. Jahrhunderts und gilt als eine kulturelle Ikone des modernen Sudan sowie als Stimme des politischen und sozialen Bewusstseins seines Landes.

Leben und Werk

Wardi wurde am 19. Juli 1932 in einem kleinen Dorf namens Sawarda in der Nähe von Wadi Halfa im Nordsudan geboren. Seine Mutter, Batool Badri, starb, als er noch ein Kleinkind war, und sein Vater, Osman Hassan Wardi, starb, als er neun Jahre alt war. Er wuchs in einem kulturell reichen Umfeld auf und entwickelte ein Interesse an Poesie, Literatur, Musik und Gesang. Um seine Ausbildung abzuschließen, zog er nach Schandi im Zentralsudan und kehrte danach als Gymnasiallehrer nach Wadi Halfa zurück.[1]

1953 reiste Wardi zum ersten Mal nach Khartum, um als Vertreter der Lehrkräfte seiner Region an einem Kongress teilzunehmen. Danach zog er nach Khartum und begann seine Karriere als Musiker. 1957 wählte ihn der staatliche Sender Omdurman Radio aus, um in einer Arena mit Sängern wie Abdelaziz Mohamed Daoud, Hassan Atia, Ahmed Almustafa, Osman Hussein und Ibrahim Awad für den nationalen Rundfunk aufzutreten. Wardi nahm in seinem ersten Jahr als Künstler mehr als zwanzig Lieder auf und arbeitete unter anderem mit dem Dichter Ismail Hassan zusammen. Seine Lieder verbanden traditionelle nubische Rhythmen und sudanesische Melodien mit modernen musikalischen Formen. Er arbeitete mit führenden sudanesischen Dichtern wie Mahjoub Sharif und Abdel Rahman el-Abnudi zusammen. Seine Lieder wurden zu Hymnen von Studenten, Arbeitern und politischen Bewegungen.[2]

Wardis Karriere erstreckte sich über 60 Jahre, und er veröffentlichte mehr als 300 Songs. Er spielte verschiedene Instrumente, darunter die Oud und die nubische Tanbura, und sang sowohl auf Arabisch als auch auf Nubisch. Er nutzte seine warme, kraftvolle Stimme, um komplexe Melodien mit emotionaler Tiefe zu gestalten. Wardi gilt als einer der bekanntesten Sänger Afrikas mit Fans vor allem im Horn von Afrika. Seine Lieder behandeln Themen wie Liebe und Heimat, nubische Folklore, Revolution und Patriotismus, wobei einige seiner politischen Lieder dazu führten, dass er inhaftiert wurde. Er stand der politischen Linken nahe und war Mitglied der Kommunistischen Partei Sudans, der größten solchen Partei in Afrika während des Kalten Krieges.[3]

Nach dem Militärputsch unter Umar al-Baschir im Jahr 1989 verließ er den Sudan und ging ins Exil nach Kairo. 1990 gab Wardi ein Konzert für 250.000 sudanesische Flüchtlinge in einem Flüchtlingslager in Itang, Äthiopien.[4] Im Mai 2002 kehrte er in den Sudan zurück und erhielt 2005 die Ehrendoktorwürde der Universität Khartum.[5]

Wardi litt in seinen späteren Lebensjahren an Nierenversagen. Er erhielt eine Nierentransplantation, nachdem ihm einer seiner Fans im Jahr 2002 eine Niere gespendet hatte. Er starb im Alter von 80 Jahren am 18. Februar 2012 und wurde in Begleitung von Zehntausenden von Trauernden auf dem Farouk-Friedhof in Khartum beigesetzt.[1][6]

Rezeption

Als Teil der Filmmusik für den preisgekrönten Dokumentarfilm Khartoum von 2025 erzeugte die Musik von Wardi laut einer Filmkritik ein „pulsierendes Gefühl des Optimismus, das deutlich macht, dass der Sudan wieder aufsteigen wird.“[7]

Im Rückblick auf sein Leben und seine künstlerische Karriere nannte ihn die sudanesische Schriftstellerin und Kritikerin Lemya Shammat eine „inspirierende Figur in der sudanesischen Musik und Kultur, deren produktives Talent und massiver Beitrag im Sudan unübertroffen bleibt.“[8]

Literatur

  • Mohamed A. Satti: Musical messages: Framing political content in sudanese popular songs. In: Music as a Platform for Political Communication. 14. Februar 2017, S. 187–203 (englisch, Online).

Einzelnachweise

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