Molly White
amerikanische Softwareingenieurin und Schriftstellerin
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Molly White (geb. 1993)[1] ist eine US-amerikanische Softwareentwicklerin, Journalistin und Wikipedia-Autorin. Sie betreibt den Newsletter [citation needed][2] und die Website Web3 is Going Just Great und gilt als profilierte Kritikerin von Kryptowährungen und -plattformen.

Wikipedia
2006 begann White im Alter von 13 Jahren, in der englischsprachigen Wikipedia zu editieren. Anlass war ihr Interesse für das Einradfahren; sie empfand den Artikel zum Thema als unvollständig. Sie arbeitete weiter an Artikeln über ihre damaligen Lieblingsbands aus dem Emo-Rockbereich und beteiligte sich anschließend an Wartungs- und Verbesserungsarbeiten. Im Jahr 2010 wurde sie Administratorin.[3] Mit Beginn der ersten Präsidentschaft von Donald Trump arbeitete sie vermehrt über Bewegungen und Gruppierungen der Alt-Right in den USA. Aufgrund dessen war sie zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt[4] und klärte in der Folge über Strategien und Doxxing-Methoden der Gegner auf.[5] Anfang 2022 initiierte sie ein Meinungsbild mit dem Ziel, dass die Wikimedia Foundation keine Spenden in Kryptowährungen mehr annehmen sollte. Es wurde im Mai des Jahres angenommen.[6] Zur Begründung verwies sie auf den Imageschaden, den die Wikipedia durch die implizite Akzeptanz von Kryptowährungen erleiden würde, auf deren extreme Volatilität sowie die ökologischen Folgen der dahinterstehenden Technologie.[7]
White editiert unter dem Nickname GorillaWarfare und war im Arbitration Board (eine Schlichtungsstelle) der englischsprachigen Wikipedia aktiv.[8]
Web3 is Going Just Great und Kryptokritik
Im Dezember 2021[9] startete White die Website Web3 is Going Just Great, auf der sie Betrugsmaschen, Pleiten und Hacks von Kryptoplattformen dokumentierte. Anlass war der bis dahin fehlende und von ihr erstellte Wikipedia-Artikel zu Web3.[3] Die chronologisch geordneten, kurzen Berichte sind in einem neutralen, knappen Stil verfasst und werden von bissig kommentierenden Hashtags der Art #badidea (schlechte Idee) oder #yikes (huch) begleitet.[10] Als Motivation gab White an, dass zum damaligen Zeitpunkt kaum über die negativen Aspekte des boomenden Kryptogeschäfts wie Hacks und Betrügereien berichtet wurde und sie diese Lücke zum Teil füllen könne.[11] Ursprünglich als selbst programmiertes Nebenprojekt gestartet, rechnete White nicht mit einer großen Reichweite. Die Seite ging jedoch viral und verschaffte ihr schnell einen Ruf als kompetente Kritikerin der Branche.[9] 2022 verglich John Naughton sie im Guardian mit dem Ökonomen John Kenneth Galbraith, der den Crash der US-Börse 1929 analysierte.[12] Die österreichische Tageszeitung Der Standard bezeichnete White im Juni 2022 als die „vielleicht prominenteste Krypto-Kritikerin“, die „zu den bekanntesten Skeptikern in Bezug auf Blockchain-Technologien“ gehöre.[13]
White kritisiert insbesondere die haltlosen Marketingversprechen der jeweiligen Akteure. Viele ihrer Beiträge zielen auf Kryptoprojekte, die sich an Kleininvestoren aus der Mittelklasse wenden, die nicht über verzichtbares Risikokapital verfügen.[10] Zu kritisieren seien auch die ökologischen Schäden durch die Krypto-Infrastruktur; sie nutze dieses Argument jedoch kaum, da es nahelege, Nachhaltigkeitsprobleme einer Branche lösen zu wollen, die grundsätzlich überflüssig und riskant sei.[14]
Der Crash der Kryptobörse FTX im Jahr 2022 und die folgende Verurteilung von CEO Sam Bankman-Fried führte zu Forderungen nach mehr Regulierung des Kryptomarkts. White kritisierte jedoch, dass der FTX-Crash nicht als Problem der Branche, sondern nur des Unternehmens und seiner Methoden betrachtet werde.[11] Die Risikolage habe sich wenig geändert; die Branche habe sich seit 2024 aber verstärkt politisch engagiert, große Summen in Wahlkämpfe investiert und so gegen kryptokritische Kandidaten gearbeitet. US-Präsident Trump und seine Familie seien ebenfalls stark im Kryptobereich engagiert.[15] Stand 2026 habe die Trump-Familie Milliardengewinne mit Kryptogeschäften gemacht, die durch Deregulierungen der Trump-Regierung ermöglicht wurden.[16]
Für ihre Berichterstattung mit Web3 is Going Just Great wurde White 2023 in die „Forbes 30 under 30“-Liste in der Kategorie Social Media aufgenommen.[17][18] Sie war für ihre Berichterstattung mehrfach Klagen und juristischen Einschüchterungen ausgesetzt, unter anderem durch Coinbase.[19] 2024 visualisierte sie mit dem Projekt Follow the Crypto die Spenden, die von Kryptoplattformen an verschiedene US-amerikanische Wahlkampforganisationen getätigt wurden.[20] Dokumentiert wurde dort auch die Spende von Coinbase an den Super-PAC Fairshake, nachdem Coinbase zuvor einen Auftrag der öffentlichen Hand auf Bundesebene erhalten hatte. Die Spende in Höhe von 25 Millionen Dollar sei damit die höchste illegale politische Spende dieser Art. White legte gemeinsam mit der NGO Public Citizen eine Beschwerde bei der Wahlaufsichtsbehörde FEC ein, Coinbase bestritt die Illegalität der Spende.[21]
Leben und Karriere
Geboren und aufgewachsen in Maine, graduierte White an der Northeastern University und arbeitete dort für sechs Jahre in mehreren Kooperatonsprojekten mit HubSpot.[22] Sie wechselte anschließend an das Berkman Klein Center for Internet & Society in Harvard.[23][24]
Weblinks
- Persönliche Website
- Newsletter [citation needed]
- Video: Popping the Tech Bro Bubble | Molly White. Planet:critical