Molon (Usurpator)
seleukidischer Satrap, der 222 v. Chr. gegen Antiochos III. rebellierte
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Molon (altgriechisch Μόλων, Mólōn; † Frühjahr 220 v. Chr.) war ein Satrap des Seleukidenreichs unter Antiochos III. Nach dessen Thronbesteigung im Jahr 223 v. Chr. erhielt er die Verwaltung über Medien, während sein Bruder Alexander die benachbarte Persis als Satrapie übernahm. Kurz nach ihrer Ernennung erhoben sie sich gegen den König und errangen zunächst bedeutende militärische Erfolge. Doch schließlich unterlagen sie den loyalistischen Truppen und nahmen sich das Leben. Molons Leichnam wurde daraufhin an einem vielbegangenen Pass über den Zagros zur Abschreckung zur Schau gestellt.

Leben
Hintergrund und Rebellion
Über das Leben des Molon und des Alexander vor ihrer Ernennung zu Satrapen bald nach dem Amtsantritt des Antiochos im Sommer 223[2] ist nur wenig bekannt. Die beiden scheinen dem griechischen Adel des Seleukidenreiches entstammt zu sein und bereits zuvor eine herausgehobene Stellung innerhalb der Reichselite eingenommen zu haben. Hinweise deuten darauf, dass sie schon vor ihrer Einsetzung hohe Ämter in der Persis und Medien bekleideten später möglicherweise jene Positionen übernahmen, die vor 223 von Antiochos selbst ausgeübt worden waren.[3]
Nach Polybios war die Herrschaft des jungen Antiochos III. zu Beginn stark vom Einfluss des obersten Hofministers Hermeias geprägt, dessen harte Politik unter den Philoi Groll hervorrief.[4] Molon und Alexandros, die Hermeias’ Gewaltherrschaft verabscheuten, entschieden sich daher im Sommer 222 v. Chr. zur Rebellion.[5] Nach Polybios hätten sie zudem geblaubt, dass Achaios, Statthalter in Kleinasien und Verwandte des Antiochos, sich ihnen anschließen würde, was jedoch nicht eintrat.[6] Ziel der Erhebung war möglicherweise die Loslösung der östlichen Satrapien vom seleukidischen Kernland.[7]
Im königlichen Rat riet der erfahrene Feldherr Epigenes, Antiochos solle die Erhebung persönlich niederschlagen: Beim Anblick ihres rechtmäßigen Königs würden die aufständischen Bevölkerungen ihre Loyalität erneuern und Molon gegebenenfalls selbst ausliefern. Hermeias verdächtigte ihn jedoch des Verrats und setzte durch, dass stattdessen die Generäle Xenon und Theodotos mit dem Feldzug betraut wurden und lenkte den König mit einem gefälschten Brief zur ägyptischen Front um.[8]
Währenddessen bemühte sich Molon um die Unterstützung benachbarter Satrapen. Dabei lockte er mit der Aussicht auf reiche Beute und gebrauchte gefälschte Schreiben, die vorgeblich von Antiochos stammten, zum Zwecke der Täuschung.[9] Letztlich bleibt allerdings unklar, in welchem Umfang Molon neben der Persis auch aus anderen Gebieten der Oberen Satrapien Unterstützung erhielt. Möglicherweise verhielt sich das Gros der abtrünnigen Satrapen abwartend. Polybios nennt neben der Persis allein die Kyrthier als Unterstützer des Molon;[10] hätten auch die „Reichsfeinde“ Molon unterstützt, so hätten die höfischen Quellen des Polybios es wohl kaum versäumt, diesem Umstand Rechnung zu tragen.[11]
Die Entsendung von Xenon und Theodotos an die Spitze eines kleinen Heeres hatte offenbar nur den Zweck, die Zagrospässe zu sperren, ehe der Feldzug in Koilesyrien beendet war. Doch gelang es Molon, noch vor dem Eintreffen der Generäle das Gebirge mit einem großen Heer zu überqueren und die königlichen Truppen zurückzudrängen. Er besetzte die Apolloniatis, eine reiche Landschaft östlich des Tigris, und gewann dadurch erhebliches Ansehen.[12] Ein Versuch, den Tigris zu überqueren und auch Seleukeia, eine der beiden Hauptstädte des Reichs, zu erobern, scheiterte allerdings an den Verteidigungsmaßnahmen des Zeuxis, dem Befehlshaber über die Stadt, welcher die zur Übersetzung der Truppen herangeschafften Boote kapern ließ. Nach diesem Fehlschlag zog sich Molon in seine Winterquartiere bei Ktesiphon gegenüber von Seleukeia zurück.[13]
Erfolge gegen Xenoitas und Ausdehnung der Herrschaft
Besorgt erwog der König, den Krieg gegen Ägypten abzubrechen und selbst gegen Molon zu ziehen; Hermeias überzeugte ihn jedoch, dies den Generälen zu überlassen und sich auf die entscheidenden Schlachtfelder zu konzentrieren. Statt des Königs wurde daher der Achaier Xenoitas mit umfassenden Vollmachten gegen Molon entsandt.[14] Dessen Feldzug schien zunächst erfolgreich, doch lockte Molon ihn in eine Falle: Nach dessen Übersetzen über den Tigris zog er sich scheinbar überstürzt zurück und überließ den Feinden sein reiches Lager. Während diese sich in Siegestrunkenheit und Plünderung verloren, überfiel Molon das Lager nachts und vernichtete Xenoitas’ Truppen; viele ertranken im Tigris oder wurden erschlagen, auch Xenoitas selbst kam ums Leben.[15] Nach diesem Sieg überquerte Molon selbst den Fluss, stürmte Zeuxis’ Lager und nahm Seleukeia; anschließend fielen ihm auch Babylon, die Länder am Persischen Golf und Susa zu, dessen Burg allerdings standhielt.[16] Um diese Zeit nahm er – wohl in der Hoffnung auf weitere Unterstützung – auch den Königstitel an, belegt allein durch Münzen mit der Inschrift Βασιλέως Μόλωνος.[17] Polybios erwähnt diese Erhebung zum König nicht – vermutlich, weil seine seleukidischen Quellen sie bewusst verschwiegen.[18] In den folgenden Monaten setzte Molon seine Expansion fort und bemächtigte sich Parapotamien bis Europos sowie Mesopotamiens bis Dura am Tigris.[19]
Niederlage und Tod
Nach diesen schweren Niederlagen plädierte Epigenes im königlichen Kriegsrat erneut dafür, dass Antiochos selbst gegen Molon ziehe – gegen den Widerstand des Hermeias, der schließlich überstimmt wurde.[20] Dieser rächte sich grausam für den erlittenen Rückschlag: Um meuternden Truppen zu besänftigen, erbot er sich zunächst, ihren ausstehenden Sold aus seinem Vermögen zu begleichen knüpfte dies jedoch an die Bedingung, dass Epigenes vom Feldzug ausgeschlossen werde. Nach dessen Entfernung ließ er gefälschte Beweisstücke, die eine Verbindung zu Molon nahelegten, in dessen Haus deponieren; bei einer anschließenden Durchsuchung wurden sie gefunden, und Epigenes noch vor Ort als Verräter hingerichtet. Nach Polybios durchschauten einige Höflinge die Intrige, wagten jedoch nicht, den König darüber zu unterrichten.[21]
Antiochos übernahm nun persönlich die Führung seiner Truppen, überschritt den Euphrat und zog nach Osten. Nach einer 40-tägigen Rast in Antiocheia in Mygdonien setzte er im Frühjahr 220 v. Chr. den Feldzug fort. Anstatt dem Plan des Hermeias zu folgen und am westlichen Ufer des Tigris zu marschieren, entschied sich der König für eine Überquerung des Flusses.[22] Er befreite Dura, überschritt das Gebirge Oreikon und erreichte Apollonia, die Hauptstadt der Apolloniatis. Molon erkannte die Gefahr, von Medien abgeschnitten zu werden, und zog seinem Gegner entgegen. Allerdings war seine Position geschwächt: Die Bevölkerung Babyloniens und Susianas stand ihm feindlich gegenüber und selbst unter seinen eigenen Truppen gab es Zweifel an seinem Erfolg. Nur den kyrtischen Schleuderern war noch zu vertrauen.[23]
Die beiden Heere trafen an einem Gebirgspass aufeinander.[24] Molons Versuch, das königliche Lager nachts zu überfallen, misslang, was Panik in seinen Reihen auslöste.[25] Als dann in der Schlacht am Folgetag sein gesamter linker Flügel zu Antiochos überlief, verlor Molon den Mut und gab sich noch auf dem Schlachtfeld den Tod.[26] Sein Bruder Neolaos, der den linken Flügel befehligt hatte, eilte in die Persis und erschlug dort die gemeinsame Mutter sowie die Kinder seines Bruders, ehe er sich selbst das Leben nahm. Auch Alexandros, welcher zur Zeit der Schlacht in der Persis harrte, gab sich selbst den Tod.[27] Nach der Schlacht wurde die Leiche des Molon ergriffen und zur Abschreckung an einem vielbegangenen Pass des Zagrosgebirges auf einem Pfahl öffentlich zur Schau gestellt.[28] Seine Truppen tadelte der König in einer langen Strafrede, begnadigte sie aber schließlich und ließ sie in ihre Heimat zurückführen.[29]
Literatur
- Felix Stähelin: Molon 5. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. XVI,1, Stuttgart 1933, Sp. 10–12.
- Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964.
- Andreas Mehl: Molon 1. In: Der Neue Pauly, Bd. 8, Stuttgart/Weimar 2000, Sp. 344f. (Digitalisat).
- Thomas Fischer: Molon und seine Münzen (222–220 v. Chr.) (= Kleine Hefte der Münzsammlung an der Ruhr-Universität Bochum, Bd. 9), Bochum 1988.
- Sonja Richter: Antiochos III and the Revolt of Molon. In: Antiochos III et l’Orient, hrsg. v. Christoph Feyel/Laëtitia Graslin-Thomé, Paris 2017, S. 255–269.