Montroseit

Mineral aus der Diaspor-Gruppe From Wikipedia, the free encyclopedia

Montroseit (IMA-Symbol Mto[1]) ist ein relativ selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung (V3+,Fe2+,V4+)O(OH)[2] (vereinfacht (V,Fe)OOH[3]) und damit chemisch gesehen ein Vanadium-Eisen-Oxid-Hydroxid. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Vanadium und Eisen können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Montroseit
Montroseit aus Prachovice, Region Pardubice, Böhmen, Tschechien
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Mto[1]

Chemische Formel
  • (V3+,Fe2+,V4+)O(OH)[2]
  • (V,Fe)OOH[3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/F.04a
IV/F.08-020[4]

4.DB.15a
06.01.01.04
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m
Raumgruppe Pbnm (Nr. 62, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/62.3[3]
Gitterparameter a = 4,54 Å; b = 9,97 Å; c = 3,03 Å[3]
Formeleinheiten Z = 4[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte „weich“[5]
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,0; berechnet: 4,11[5]
Spaltbarkeit gut nach {010} und {110}[5]
Bruch; Tenazität spröde[5]
Farbe grauschwarz bis schwarz[5]
Strichfarbe schwarz[5]
Transparenz undurchsichtig (opak)[5]
Glanz schwacher Metallglanz[5]
Schließen

Montroseit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, entwickelt aber nur mikroskopisch kleine, klingenförmige Kristalle bis etwa 0,5 mm Größe in sehr feinkörnigen Mineral-Aggregaten. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den grauschwarzen bis schwarzen Kornoberflächen einen schwach metallischen Glanz. An der Luft wandelt sich Montroseit schnell topotaktisch in Paramontroseit (VO2) um.

Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde Montroseit in Mineralproben, die L. R. Stieff, T. W. Stern und M. N. Girhard von der United States Geological Survey im Sommer 1949 in der Bitter Creek Mine im Paradox Valley, Montrose County (Colorado) gesammelt hatten. Alice Dowse Weeks, Evelyn A. Cisney und Alexander M. Sherwood analysierten die Proben 1950 und veröffentlichten eine kurze Zusammenfassung ihrer Ergebnisse ein Jahr später zunächst während eines Treffens der Mineralogical Society of America.[6] 1953 erschien dann die vollständige Erstbeschreibung von Montroseit im Fachmagazin American Mineralogist.[7] Benannt ist das Mineral nach dem County, in dem dessen Typlokalität liegt.

Das Typmaterial des Minerals wird im National Museum of Natural History (NMNH) in Washington, D.C. (USA) unter der Inventarnummern 106897 und 106898 aufbewahrt.[8][9]

Da der Montroseit bereits vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Montroseit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Montroseit lautet „Mto“.[1]

Klassifikation

In der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Montroseit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „Hydroxide“, wo er zusammen mit Bracewellit, Diaspor, Goethit, Groutit und Paramontroseit die „Diaspor-Reihe“ mit der Systemnummer IV/F.04a bildete.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/F.08-020. Dies entspricht der erweiterten Abteilung „Hydroxide und oxidische Hydrate (wasserhaltige Oxide mit Schichtstruktur)“, wo Montroseit zusammen mit Byrudit, Kyzylkumit, Paramontroseit und Tivanit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer IV/F.08 bildet.[4]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Montroseit ebenfalls in die Abteilung der „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von Kristallwasser und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Hydroxide mit OH, ohne H2O; Ketten aus kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden, wo es zusammen mit Bracewellit, Diaspor, Goethit, Groutit, Guyanait und Tsumgallit die „Diasporgruppe“ mit der Systemnummer 4.FD.10 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Montroseit die System- und Mineralnummer 06.01.01.04. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“, wo das Mineral zusammen mit Bracewellit, Diaspor, Goethit, Groutit und Tsumgallit in einer unbenannten Gruppe/in der „Diasporgruppe (Orthorhombisch, Pnma oder Pnmd)“ mit der Systemnummer 06.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide mit der Formel: X3+OOH“ zu finden ist.

Kristallstruktur

Montroseit kristallisiert isotyp mit Goethit (α-FeOOH) und Groutit (α-MnOOH)[11] in der orthorhombischen Raumgruppe Pbnm (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/62.3 mit den Gitterparametern a = 4,54 Å; b = 9,97 Å und c = 3,03 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Bildung und Fundorte

Montroseit bildet sich vermutlich als Primärmineral in relativ unoxidierten Uran-Vanadium-Erzlagerstätten vom Typ Colorado-Plateau in Sandsteinen. Im Autonomen Gebiet Guangxi in China entstand das Mineral in vanadiumhaltigen Anthraxolith-Bitumen (auch Pyrobitumen[12]). Als Begleitminerale können unter anderem Baryt, Corvusit, Galenit, Hewettit, Hummerit, Melanovanadit, Paramontroseit, Pascoit, Pyrit, Quarz und Uraninit auftreten.[5]

Als relativ seltene Mineralbildung kann Montroseit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich auftreten, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 150 Vorkommen dokumentiert (Stand 2025).[13] Außer an seiner Typlokalität Bitter Creek Mine fand sich das Mineral in weiteren Minen im Paradox Valley, im Bull Canyon und im Gypsum Valley. Weitere Fundorte in Colorado liegen unter anderem in den Counties Garfield, Mesa und San Miguel. Daneben trat Montroseit noch häufig in den US-Bundesstaaten Arizona und Utah zutage.[14]

Fundorte in Deutschland und Österreich sind bisher nicht bekannt.

In der Schweiz konnte Montroseit bisher nur in Mineralproben aus einem Bohrloch der NAGRA bei Kaisten sowie aus einer Kohlebohrung in Red Beds aus dem Perm bei Weierfeld (beide im Kanton Aargau) entdeckt werden.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, China, Gabun, Italien, Japan, Niger, Polen, Russland, der Slowakei, Spanien, Tschechien, Ungarn und im Vereinigten Königreich (England).[14]

Siehe auch

Literatur

  • Alice Dowse Weeks, Evelyn A. Cisney, Alexander M. Sherwood: Hummerite and montroseite, two vanadium minerals from Montrose County, Colorado. Abstracts of papers presented at the thirty-first annual meeting of the Mineralogical Society of America at Washington, D.C. In: American Mineralogist. Band 36, 1951, S. 310–328 (englisch, rruff.info [PDF; 1,5 MB; abgerufen am 9. November 2025]).
  • Alice Dowse Weeks, Evelyn A. Cisney, Alexander M. Sherwood: Montroseite, a new vanadium oxide from the Colorado plateaus. In: American Mineralogist. Band 38, 1953, S. 1235–1241 (englisch, rruff.info [PDF; 415 kB; abgerufen am 9. November 2025]).
  • Howard T. Evans, Stanley Block: The crystal structure of montroseite, a vanadium member of the diaspore group. In: American Mineralogist. Band 38, 1953, S. 1242–1250 (englisch, rruff.info [PDF; 485 kB; abgerufen am 9. November 2025]).
  • Michael Fleischer: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 39, 1954, S. 402–408 (englisch, rruff.info [PDF; 383 kB; abgerufen am 9. November 2025]).
  • Howard T. Evans, Mary E. Mrose: A crystal study of montroseite and paramontroseite. In: American Mineralogist. Band 40, 1955, S. 861–875 (englisch, rruff.info [PDF; 871 kB; abgerufen am 9. November 2025]).
Commons: Montroseite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI