Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern
Dissertation an der Technischen Universität München, 1978
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Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern ist der Titel einer Dissertation des Urologen Michael Alschibaja Theimuras von 1978, die von der Technischen Universität München angenommen wurde. Seit den 1980er Jahren erfuhr sie mehrfach auch popkulturelle Rezeption.
Inhalt
Theimuras untersuchte sechzehn Fälle, bei denen der Penis infolge von Masturbation mittels eines Staubsaugers verletzt wurde, acht Fälle der urologischen Abteilung des Münchner Klinikums rechts der Isar, fünf Fälle aus dem städtischen Krankenhaus Rosenheim und drei Fälle aus dem Allgemeinen Krankenhaus St. Georg in Hamburg.[1.1] Betroffen waren meist ältere Männer mit niedrigem Bildungsniveau,[1.2] die Gefahr, die von ihrem Versuch ausging, war keinem klar, eine Absicht der Selbstverletzung lag nicht vor.[1.3] Nur sieben der Patienten berichteten offen von der Ursache, neun versuchten die Ursache zu verheimlichen und erfanden teils völlig unwahrscheinliche Erklärungen zum Hergang.[1.4] Die Mehrheit der Patienten schob den notwendigen Gang ins Krankenhaus um mehrere Stunden auf, in drei Fällen erst zwölf Stunden oder später.[1.5] Bei der Hälfte der sechzehn Fälle handelte es sich um das Modell Kobold des Unternehmens Vorwerk.[1.4]
Die Patienten hatten ihren nicht erigierten Penis in den 11 cm langen Ansaugstutzen eingeführt, um sich zu erregen. Mit zunehmender Erektion verletzte der rotierende Ventilator des Geräts dann den Penis. Bei fünfzehn Patienten war die Vorhaut verletzt worden, in neun Fällen war eine Beschneidung erforderlich. Die Eichel war in sämtlichen Fällen verletzt, der Penisschaft nur in sieben Fällen, zehn Patienten erlitten eine Harnröhrenverletzung.[1.4] Charakteristische Verletzungen waren schwere multiple Riss-Quetschwunden seitlich am Penis, die in zwölf Fällen zu Nekrosen führten.[1.6] Als Spätfolgen traten Harnröhrenstrikturen, Fistelbildung, Hypospadien, Penisdeviationen, Erektionsschwäche sowie Sensibilitätsverlust durch Narbenbildungen auf, die das weitere Sexualleben der Betroffenen beeinträchtigt haben dürften.[1.2] Ein späterer Bericht gab an, dass in 31 % aller Fälle Teilamputationen des Penis durchgeführt werden mussten.[2]
Nach Rückfrage des Autors waren bei vielen urologischen Abteilungen ähnliche Fälle aufgetreten,[1.7] spätere Berichte aus Deutschland reichten bis 1968 zurück. Die Verletzungen wurden bereits früh informell auch als „Morbus Kobold“ bezeichnet.[2] Im englischen Sprachraum war über solche Verletzungen bereits seit den 1960er Jahren vereinzelt berichtet worden.[3][4]
Autor
Michael Alschibaja Theimuras (* 17. Februar 1943 in Paris) studierte Medizin an den Universitäten Hamburg, Montpellier und TU München und ist seit 1980 niedergelassener Urologe in München.[5]
Rezeption
Nach der Dissertation des Autors änderte das Unternehmen Ende der 1970er Jahre die Konstruktion des Modells.[1.7] Danach gingen die Fälle zurück, nur vereinzelt kommt es durch Altgeräte noch zu entsprechenden Vorfällen.[6]
1985 reichte die Firma Vorwerk eine Unterlassungsklage gegen den Chaos Computer Club ein, der auf einer Bildschirmtext-Seite den Sachverhalt unter der Überschrift Onanie macht krank aufgegriffen hatte, zog diese aber später zurück.[6]
2004 ging Charlotte Roche mit Christoph Maria Herbst bzw. später Heinz Strunk[7] mit einer Lesung der Dissertation erfolgreich auf Tournee.[6]
Im Oktober 2011 wurde die Dissertation als Hörbuch veröffentlicht, gelesen von Ulrike Sophie Kapfer.[8]
Literatur
- Michael Alschibaja Theimuras: Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern. (PDF), München 1978, Dissertation, Technische Universität München, Fakultät für Medizin, 70 Seiten.